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Diskonter im Ländle besonders aktiv

23.02.2006

Vorarlberg. Fachgruppengeschäftsführer Mag. Julius Moosbrugger, Wirtschaftskammer, Sparte Handel, und Gremialobmann Franz Josef Gächter analysieren im Gespräch mit LK-Handelszeitung die jüngste Verkaufsflächenerhebung. Erstes Fazit: Verlierer sind Geschäfte mit 150 bis 400 m2.

Die Verkaufsflächenerhebung des Vorarlberger Lebensmittelshandels, wie sie Fachgruppengeschäftsführer Mag. Julius Moosbrugger seit vielen Jahren erstellt, sucht ihresgleichen. Die Veränderung der letzten Jahre ist deutlich sichtbar. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 1990 betrug die klassische Verkaufsfläche des Lebensmittelhandels 150 bis 400 m2. Diese wurde mittlerweile überholt von Märkten mit 400 bis 1000 m2. Moosbrugger sieht in der Entwicklung der Verkaufsfläche einen direkten Zusammenhang mit der Entwick-lung der Diskonter. „Wir haben in Österreich den zweitgrößten Diskonteranteil Europas. Die Erfinder waren in Deutschland. Dort ist der größte Anteil.“ Für Gremialobmann Franz Josef Gächter ist Fläche die unabdingbare Antwort eines Vollsortimenters auf die Billigpreis-Konkurrenz.0,271 m2 Verkaufsfläche pro Einwohner1970 haben 578 Lebensmittelhandelsgeschäfte in Vorarlberg auf 42.861 m2 Verkaufsfläche ihr Vollsortiment angeboten. 2006 sind es 224 Geschäfte mit 100.971 m2 Fläche. Eindrücklich auch die Verkaufsflächengröße pro Einwohner: Vergleichsweise bescheidene 0,156 m2 von 1970 haben sich 2006 in durchschnittlich 0,271 m2 Verkaufsfläche pro Vorarlberger in Vollsortimentsgeschäften gesteigert. Geschäftstypen mit einer Verkaufsfläche bis zu 150 m2 sind weiter stärker rückläufig. Sie halten sich nur durch Nischenpolitik oder alt eingesessene gut frequentierte Standorte.Allein seit dem Jahr 2000 beträgt der Zuwachs an Verkaufsfläche der Diskonter in Vorarlberg 65 Prozent. Die Anzahl der Lebensmitteldiskonter ist seit 1990 um rund 50 Prozent gestiegen. Die Verkaufsfläche dieses expansiven Betriebstyps hat sich seit 1990 fast verdreifacht.Das Wachstum der Diskonter sieht Gremialobmann Gächter unter anderem durch deren Schritt-für-Schritt-Aufbau im Sortiment begründet. Die Preisvorteile sind möglich durch Warenpräsentation ohne Bedienung im Frischebereich, einer anderen Marken- und Kostenpolitik und einer Begrenzung der Vielfalt. Bioprodukte, Fleisch und Wurst ohne auf regionale Produkte Rücksicht zu nehmen und als SB-Ware anzubieten, schafft Preisvorteile.Arbeitsplatzsicherung durch EinkaufsverhaltenÜber die Vorarlberger Landesregierung wird in Sachen Bewusstseinsbildung und Prägung von Werten seit einigen Jahren vermittelt. Dies könne erst greifen, wenn die heutigen Kindergartenkinder zu Kunden werden, meint Mag. Moosbrugger.Die Disharmonie der Wertigkeiten von heute wird für Gächter im Preisvergleich eines industriell gefertigten Getränks zu Milch sichtbar. Während ein Liter Cola € 1,19 kostet, bekommt man einen Liter Milch bereits für € 0,85. Der Produktionsaufwand stehe in keinem Verhältnis.www.spassmitmass.atDas Vorarlberger Präventionsprojekt „Jugend & Alkohol“ im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung steht ebenfalls für die Vermittlung von Werten. Auf zwei Jahre „Mehr Spaß mit Maß“ können Handel und Gastronomie bereits zurückblicken. Weitere drei Jahre dauert das größte österreichische Vorsorgeprogramm, das bisher vom FGÖ (Fonds Gesundes Österreich) mitfinanziert wurde. Auf Bundesebene werden aus diesem Modellprojekt für ganz Österreich wesentliche Impulse erwartet.Aufklärungsarbeit unter Mitgliedern und Schulungen für Mitarbeiter an der Kassa erfolgen auch in Form von Kabarett-Programmen. Die Eigenverantwortung der Jugendlichen zu stärken als Zielsetzung des Projekts zeigt sich auch deutlich in den neuen Plakaten. Die in Frage kommende Altersschicht wird gebeten, freiwillig den Ausweis zu zeigen.KammerreformDer Fachgruppengeschäftsführer meint zu diesem Thema: „Eine Kammerreform ist grundsätzlich positiv, laufende Veränderungen sind eine Notwendigkeit.“ Eine inhaltliche Äußerung dazu hält Mag. Moosbrugger für entbehrlich.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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