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Vom Anstieg des Distanzhandels profitieren auch die Paketdienste

eCommerce wächst 8-mal schneller als stationärer Handel

14.05.2019

Laut der Studie „Handel in Zahlen“ erreichten die privaten Ausgaben der Österreicher im Einzelhandel 2018 einen neuen Rekordwert. Der eCommerce hat davon am meisten profitiert. Mit auf der Welle surften die Paketdienste. Beim Lebensmittelhandel sieht die Sache hingegen etwas anders aus.

Die neue Studie „Handel in Zahlen. Jahresbilanz 2018“ von Branchenradar.com und Handelsverband zeigt es eindeutig: Die privaten Ausgaben der Österreicher im Einzelhandel erreichten den Rekordwert von 62,1 Milliarden Euro. Der heimische Handel, einer der größten Wirtschaftssektoren Österreichs und mit 600.000 Beschäftigten zweitgrößter Arbeitgeber im Land, hat davon natürlich profitiert. Doch das größte Kuchenstück davon ging an den Distanzhandel, der von den Mehrausgaben am meisten abschöpfte.

Ausgaben haben um 2,2% zugelegt

„Die einzelhandelsrelevanten Ausgaben sind im letzten Jahr um 2,2% gewachsen und haben damit einen neuen Rekordwert von 62,1 Milliarden Euro erreicht. Das Podium der Top3-Wachstumssieger 2018 bilden Sportartikel mit +5,8%, Lebensmittel mit 2,9% und Bekleidung mit +1,9%“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

In absoluten Umsatzzahlen hat aber wie gewohnt der Lebensmittelsektor die Nase ganz vorne. Mit 23,4 Milliarden Euro ist und bleibt der Lebensmitteleinzelhandel auch 2018 das größte Ausgabensegment im Handel. Im Online-Bereich sieht es hingegen anders aus. Zwar konnten die Nahrungs- und Genussmittel im Distanzhandel um 13% zulegen, der Marktanteil ist aber mit 1,7% weiterhin sehr bescheiden. Für Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von Branchenradar.com, eine klare Sache: „Die Konsumenten wollen wissen, wie die Erdbeeren ausschauen. Dazu kommt, dass es keine 500 Meter bis zum nächsten Lebensmittel-Laden sind“. Schlusslicht sind die Lebensmittel aber trotzdem nicht. Auch in anderen Warengruppen, wie „Sehbehelfe“ oder „Zimmerpflanzen“, ist der eCommerce noch nicht wirklich angekommen.

Online weiterhin stark im Aufwind

Insgesamt ist das Online-Geschäft trotzdem weiterhin auf einem gewaltigen Wachstumskurs. Die Studie zeigt, dass der eCommerce 8-mal schneller als der stationäre Einzelhandel wächst. Selbst in bereits gut entwickelten Warengruppen steigt das Wachstum signifikant: So musste der stationäre Handel im Bereich Elektro & Elektronik leichte Einbußen (-1%) hinnehmen, während der Distanzhandel im gleichen Segment um 13,9% zulegte. Ein treibender Faktor dabei sind die Laden-Öffnungszeiten. Des einen Freud, ist natürlich des anderen Leid: „Der Arbeitnehmerschutz wird immer nur beim Handel angewendet, in der Industrie nicht, beim Online-Handel auch nicht“, gibt Kreutzer zu bedenken. Auch die Verfügbarkeit der Ware vor Ort ist für den stationären Handel eine Herausforderung. Der Online-Bereich punktet daher mit einem großen Angebot, dazu kommt dann noch, dass alles bequem zu Hause durchgeschaut werden kann. Nicht vergessen sollte man auch den psychologischen Effekt. „Mit einem Online-Paket beschenke ich mich jedes Mal selbst“, meint Kreutzer.

Davon profitieren auch die Paketdienste. Noch stärker als der Distanzhandel hat im letzten Jahr der so genannte KEP Markt (Kurier-, Express- und Paketdienste) zugelegt. „2018 lag die Zahl der zugestellten Pakete im B2C-Bereich bei 122,7 Millionen. Das heißt, die Zahl der Pakete ist innerhalb des letzten Jahres um 16,1% gestiegen“, bestätigt Rainer Will. Einen überproportionalen Anteil daran haben, verbunden mit dem eCommerce-Boom, die steigenden Teillieferungen und Retouren.

Stationärer Handel braucht Rückenstärkung

2017 lag der Anteil der Konsument, die online shoppen bei 62 Prozent. „Die Verknüpfung mit Online ist daher extrem wichtig, Omni-Channel immer wesentlicher“, so Norbert W. Scheele, Vizepräsident des Handelsverbandes. Dabei sollte nur immer die Fairness gewahrt werden. Der Handelsverband fordert daher unter anderem eine Versteuerung und digitale Verzollung ab dem ersten Cent, die Einführung der digitalen Betriebsstätte und Gesetze, um eCommerce-Monopole zu verhindern. Darüber hinaus möchte der Handelsverband eine Entdiskriminierung der Fläche. Dafür braucht es die Abschaffung der Mietvertragsgebühr, die „noch vor dem ersten Umsatz-Euro eingefordert wird“, eine Senkung der Lohnnebenkosten, rasch eine Entbürokratisierung, eine Vereinheitlichung bei der Raumordnung und unbedingt eine Ausweitung der Tourismuszonen. „Es geht um ein Standortpaket für den stationären Handel. Dafür braucht es einen breiten Schulterschluss“, appelliert Rainer Will. „Was wir aber nicht brauchen ist ein Amazon-Förderprogramm“, setzt Will nach.

 

Die Studie „Handel in Zahlen. Die Jahresbilanz 2018“ kann auf https://www.handelsverband.at/publikationen/studien/handel-in-zahlen-die-jahresbilanz-2018/ bestellt werden.

Autor/in:
Alice Rienesl
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