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Ein neues Blatt im Bio-Dschungel

11.03.2010

Kaum überschaubar ist der Wildwuchs an Merkmalen für biologische Lebensmittel. Jüngster Spross ist das neue und ab 1. Juli 2010 verpflichtend vorgeschriebene EU-Bio-Logo. Lesen Sie eine Analyse der Entwicklung und Kennzeichnung von Bio in Österreich.

EU Bio Logo, vorgeschrieben ab 1. Juli 2010

 

Das bisherige Bio-Logo der Europäischen Union zeigt eine grüne Ähre auf blauem Grund mit den EU-Sternen; die Verwendung beruht auf freiwilliger Basis.

Das künftige EU-Bio-Logo - Sterne in Form eines Blatts vor einem grünen Hintergrund (siehe Bild links) - ist dagegen ab dem 1. Juli 2010 für alle verpackten Bioprodukte, die in einem EU-Mitgliedstaat hergestellt wurden und die notwendigen Normen erfüllen, verbindlich vorgeschrieben. Neben dem EU-Logo können auch andere private, regionale oder nationale Logos abgebildet werden. Damit ist ein vorläufiger Höhepunkt der Bio-Kennzeichnung erreicht. Kein Lebensmittelbereich hat eine auch nur annähernd hohe Anzahl an Merkmalen hervorgebracht wie Bio-Produkte. Hatte es vor 20 Jahren oft noch scherzhaft geheißen, Bio erkenne man am besten daran, dass es die verschrumpeltsten, unansehnlichsten Obst- und Gemüsewaren in den Regalen seien, die nur grün-alternative „Körndl­fresser" kaufen, gilt Bio heute als Lifestyle-Merkmal und Zeugnis für Ernährungsbewußtsein. Dazu mussten aber zuerst einmal imagebildende Marken geschaffen werden.

 

Lebensmittelhandel als Vorreiter, Bio-Handelsmarken die Renner

In Österreich kann diesbezüglich die Rewe International AG, die vor 15 Jahren (damals allerdings noch als Karls Wlascheks BML-Konzern und unter der Ägide von Bio-Guru Werner Lampert) Ja!Natürlich ins Leben gerufen hat, als Pionier bezeichnet werden.

Zwar gab es damals bereits ein bescheidenes Bio-Angebot in Naturkostläden, doch erst mit dem Einstieg des Lebensmittelhandels gewann Bio an Breitenwirkung. Die Erfolgsgeschichte von Bio in Österreich geht zu einem Gutteil mit der Entwicklung der Marke Ja! Natürlich  einher.

 

Heute sind es rund 1.000 „Ja!Natürlich"-Produkte, die bundesweit bei Billa, Merkur, Bipa, Sutterlüty, AGM und Adeg vertrieben werden. Renner sind auch Urlaube auf Ja!Natürlich-Bauernhöfen, die Kampagnen mit den Schweinderln räumen einen Werbepreis nach dem anderen ab und im Internet bekennen sich Tausende bei „facebook" als Fans der Rewe-Bio-Marke.

Keine Frage, dass da die anderen Handelsorganisationen nachziehen mussten: Spar Natur pur, Bio Bio (Zielpunkt), natürlich für uns  (Pfeiffer/Nah&Frisch), Zurück zum Ursprung (Hofer), Bioness (Lidl)  - egal ob Vollsortimenter oder Diskonter, Bio ist heute aus keinem Supermarkt mehr wegzudenken und sogar Tankstellenshops wie Viva (OMV) loben ihr Angebot an Bio-Produkten mittlerweile explizit aus.

 

Bio-Markenartikel brauchen alternative Vertriebsschienen

Dennoch ist es für Bio-Markenartikelerzeuger nicht leichter geworden, in die Regale des Lebensmittelhandels zu kommen. Die Handelskonzerne wickeln ihr Bio-Geschäft lieber unter ihren private labels ab - die Produzenten sind also gezwungen, Handelsmarkenprodukte herzustellen, wenn sie ins Geschäft kommen wollen. Bio-Markenartikel finden sich im Lebensmittelhandel nur in Randsegmenten, bessere Absatzmärkte finden sie im Bio-Fachhandel oder im Export.

 

Erfolgreich lanciert beispielsweise Johannes Gutmann seine Bio-Marke Sonnentor: behilflich sind ihm dabei nicht nur die Naturkostläden sondern immer mehr auch sein Sonnentor-Franchise-Ladensystem.

Auf Bio spezialisierte Supermärkte wie Maran, Basic oder Biomarket, Drogeriemärkte, Reform- und Naturkostläden sind die eigentlichen Vetriebsschienen für Bio-Markenartikel.

 

Nun war und ist es aber für Bio-Markenartikel nicht einfach, als solche von den Konsumenten identifiziert zu werden und einen nennenswerten Bekanntheitsgrad zu erlangen.

Manche dieser Marken haben daher das Wort „Bio" schon im Namen implementiert, etwa Bio+ von Kärnt-nermilch. Andere setzen auf bio-affine Bezeichnungen, etwa Vita+ Naturprodukte mit der Marke Verival, die sich aus den Anfangsbuchstaben der Worte veritas valore - zu deutsch: wahre Werte - zusammensetzt. Auch Erzeugergemeinschaften mussten sich etwas einfallen lassen: demeter ist keine Geringere als die griechische Göttin der Fruchtbarkeit.

 

Gütesiegel als anerkannte Kennzeichnung für Bio

Am meisten vertrauen die heimischen Konsumenten anerkannten Gütesiegeln wie dem von der Austria Agrarmarketing vergebenen AMA-Biozeichen. Gerade in Zeiten von Analogkäse und Schummelschinken ist Sicherheit gefragt. Bei der Verwendung des AMA-Biozeichens mit Ursprungsangabe müssen die wertbestimmenden landwirtschaftlichen Rohstoffe zu 100 Prozent aus der im Zeichen angeführten Region stammen. Weitere Gütesiegelverbände sind Austria Bio Garantie, Bio Austria oder - neu - fairea, um nur einige zu nennen.

Österreich war im übrigen das erste Land weltweit, das staatliche Richtlinien für die biologische Landwirtschaft festgelegt hat. Seit 1995 ist aber die EU-Bio-Verordnung das grundlegende Regelwerk für die Bio-Betriebe in Österreich, was mit dem neuen, verpflichtenden EU-Bio-Logo auch kommuniziert werden soll. Österreichische Gütesiegel haben in der Regel aber strengere Anforderungen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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