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„Einkaufen ums Eck“ ist Wienern wichtig

29.06.2004

Die „Woche des Lebensmittelhandels“ hat die Zukunft der urbanen Nahversorgung und die Bedeutung für die Bevölkerung plakativ vorgeführt.

Der Wiener Bevölkerung ist ihre Nahversorgung ein großes Anliegen. 67 % halten sie für sehr wichtig, weitere 21 % für wichtig. Mehr als der Hälfte würde vor allem das Lebensmittelangebot abgehen, sollte es keine Nahversorgung mehr geben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des GfK-Fessel-Institutes im Auftrag des Immobilienmanagers Ekazent anlässlich der Woche der Nahversorgung, die vom 14. bis 19. Juni 2004 in Wien stattgefunden hat.

57 % der Befragten dieser Studie sind dabei mit dem bestehenden Nahversorgungs-Angebot in Wien sehr zufrieden (21 %) oder zufrieden (36 %). Ein Bezirksranking (Versorgung pro Bezirk) der KMU Forschung Austria sieht in punkto Nahversorgung Neubau an der Spitze, gefolgt von Wieden, Margareten und Mariahilf. Insgesamt gibt es derzeit 5.400 Nahversorger in Wien.

Neben der Tatsache, dass es als nicht so schlimm empfunden wird, wenn man beim Einkaufen etwas vergessen hat (66 %), sehen 57 % der Konsumentinnen und Konsumenten laut GfK-Studie als Vorteil eines Nahversorgers an, dass täglich frische Waren zur Verfügung stehen. 52 % der Befragten nannten als Vorteil, sie müssten nicht überall mit dem Auto hinfahren. 19 % sehen es als Vorteil an, als Stammkunden persönlich bekannt und bedient zu werden, 12 % möchten sich nicht ständig aus der Tiefkühltruhe versorgen.

Tatsächlich gehen Kunden, die „um’s Eck“ einkaufen, durchschnittlich dreimal pro Woche ins Geschäft. 80 % kaufen regelmäßig bei ihrem Nahversorger ein und sind somit Stammkunden. Das wichtigste Entscheidungskriterium für den Einkauf ist dabei die Lage des Geschäfts unmittelbar neben Wohnort oder Arbeitsplatz (insgesamt 88 %). Mehr als die Hälfte (57 %) der Nahversorger-Kunden gehen zu Fuß einkaufen, immerhin noch 27 % fahren jedoch mit dem Auto, obwohl die Distanz zum Wohnort oder Arbeitsplatz nur wenige hundert Meter beträgt.

Laut KMU Forschung Austria gab es 2002 in Wien rund 1.820 Geschäfte im Lebensmitteleinzelhandel (Vollsortimenter und Teilsortimenter zusammen), 510 Drogerien und Parfümerien sowie 2.150 Geschäfte im Bekleidungssektor. Im weiteren Sinne können noch 630 Trafiken und rund 300 Apotheken zur Nahversorgung gezählt werden.

Mit der „Woche der Nahversorgung“ wollte Ekazent die Zukunftschancen der Nahversorgung und die Bedeutung für die Bevölkerung aufzeigen. „Die Wiener Bevölkerung hat die ’Woche der Nahversorgung’ zum Anlass genommen, das Konsumangebot in der Wohngegend bzw. dem Viertel rund um den Arbeitsplatz wieder einmal zu probieren“, so Ekazent-Chef Robert Podebradsky.

Entgegen der Meinung vieler Fachleute ist Ekazent-Geschäftsführer Kurt Schneider davon überzeugt, dass schon sehr bald ein neuer Trend zur Nahversorgung kommen wird. „Wer alleine die zu erwartende Entwicklung auf dem internationalen Ölmarkt und damit verbunden die drastische Erhöhung des Benzinpreises näher verfolgt, wird feststellen, dass das Teuerste am Einkauf bald die Fahrt ins Einkaufszentrum sein wird. Viele Konsumenten sind dann froh, alle Besorgungen wenige Minuten zu Fuß erledigen und „um’s Eck“ einkaufen gehen zu können.

Zahlreiche große und erfolgreiche Ketten haben in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich auf die Nahversorgung gesetzt. Daneben haben jedoch weiterhin junge Unternehmer, die gerne einmal auf eigenen Füssen stehen möchten, durchaus gute Chancen. Nähere Informationen dazu gibt es unter www.nahversorger.net.

Facts
Betrachtet man die Nahversorgung in Wien an Hand der Anzahl an Geschäften im LEH (ohne Teilsortimenter), so zeigt sich, dass der Ausfall von traditionellen Einstandortbetrieben großteils durch die Expansion der Filialisten ausgeglichen wird. Gemessen an den Versorgungsgebieten pro Geschäft weisen die Bezirke innerhalb des Gürtels eine bessere Versorgungsdichte auf. Demnach haben die Bezirke 21 und 22 die schlechteste Versorgungsdichte und zählen auch gemessen an der Einwohnerzahl pro Geschäft zu den schlechter versorgten. Die Bevölkerungsprognose für Wien bis 2015 weist für diese beiden Bezirke die meisten Siedlungsgebiete mit einer Bevölkerungszunahme von über 20 % aus. Demgegenüber wird für die Innenbezirke überwiegend eine Einwohnerabnahme erwartet. Quelle: KMU-Forschung

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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