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Die Umsätze des Gastro-Großhandels haben sich in der Coronakrise sehr unterschiedlich verändert - das größte Minus hatte Österreich zu verzeichnen.

Erste Bilanz der Corona-Umsatzeinbrüche im Gastro-Großhandel

16.06.2020

Aufregend und  besorgniserregend sind die Fakten, die das Marktforschungsinstitut Gastro Data über die Corona-bedingten Umsatzeinbrüche im heimischen Gastro Großhandel  in einer brandaktuellen Studie präsentiert:

o Von den drei D-A-CH-Ländern ist Österreich deutlich stärker betroffen als Deutschland und die Schweiz.  

o Der Minusrekord beim Umsatz wurde im April verzeichnet, als das Geschäft des  Gastronomie-Zustellgroßhandels um 78,2 % unter dem Vorjahresniveau lag.

o Gereiht nach Bundesländern, waren die Einbrüche in Salzburg (April: -78,9%) am heftigsten, gefolgt von Wien und Tirol.

o Unterteilt nach Sortimentsgruppen, schrumpften die Umsätze bei Alkoholischen Getränken,  Alkoholfreien Getränken, Tiefkühlkost und Frischfisch am stärksten.

Die Veränderung nach Sortimentsgruppen. Zum Vergrößern bitte anklicken.
Das hat sich innerhalb der Vertriebsformen getan. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Dieser dramatische Befund des renommierten Marktforschungs- und Consultingunternehmen Gastro Data, mit Sitz in Neukirchen, OÖ wirft ein Schlaglicht auf eine Branche, die vom Shutdown besonders hart getroffen wurde, ohne dass Politik und Tagesmedien davon große Notiz nahmen. Selbst Wirtschaftskammer und Handelsverband gingen nur peripher auf die spezielle Problematik des Umsatzeinbruchs im Gastro-Großhandel ein. Dabei handelt es sich um eine Handelssparte, bei der mittelständische Familienunternehmen in Summe noch eine viel stärkere Marktposition einnehmen als im Lebensmittel-Einzelhandel, wo Handelskonzerne im Wettbewerb dominieren. Umso verdienstvoller ist dieser aufrüttelnde Bericht von Gastro Data, der die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft aufruft, alles zu unternehmen, um einen Kahlschlag in den Reihen des österreichischen Gastro-Großhandels  zu verhindern.

Retten, was noch zu retten ist.

Unter diesem Motto startet Österreichs Tourismuswirtschaft nach den Corona-Katastrophen-Monaten März, April und Mai jetzt in die Sommersaison. Die Umsätze im Außer-Haus-Konsum unter erschwerten Bedingungen (Kaufkraftverluste auf Konsumentenseite, Rückgang der Flugtouristik) wieder hochzufahren, kann aber nur gelingen, wenn Lebensmittel- und Getränke-Produzenten, Gastro-Großhandel und Gastronomie beim Wiederaufbau konstruktiv zusammenarbeiten.

Mit einem Jahresumsatz 2019 von rund 2,1 Milliarden Euro kommt der Gastro-Großhandel für knapp 40% des Wareneinsatzes unserer Gastronomiebetriebe auf. Damit erfüllen die Abhol- und Zustellgroßhändler eine zentrale Funktion bei der Warenversorgung von Küche und Keller in den Gastronomiebetrieben unseres Landes. Und sie sind zugleich ein bedeutender Absatzpartner der  Lebensmittel- und Getränke-Erzeuger und der Frischwaren produzierenden Landwirtschaft. Großhandelshäuser, die neben der Gastronomie auch andere Kundengruppen wie Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung, Einzelhändler oder Online-Shopper beliefern, können die Umsatzeinbrüche im Gastro-Geschäft deutlich besser abfedern als jene ihrer Kollegen, deren Umsatzerfolg mit den Verkäufen an die Gastronomie steht und fällt.

Notwendige Voraussetzung für das Gelingen des Neustarts im Gastro-GH ist eine Schadens-Bestandsaufnahme. Detailliert dokumentiert die Gastro Data-Studie gestützt auf seriöse, hochvalide Panel-Daten die Umsatzentwicklung des Gastro-Abhol- und -Zustellgroßhandels in den Corona-Shutdown–Monaten März und April. Hier die wichtigsten Ergebnisse des Befundes (siehe Charts):

D-A-CH-Vergleich

Der Umstand, dass Gastro Data und Kollegenfirmen in Deutschland und der Schweiz mit demselben  Marktforschungs-Modell arbeiten, erlaubt einen methodisch sauberen D-A-CH-Vergleich der Corona-Auswirkungen auf den Gastro-GH in den drei Ländern. Im März waren die Umsatzverluste des Gastro-GH in Österreich doppelt so hoch wie jene der Branche in Deutschland und der Schweiz. Hierzulande brachen die Umsätze im Vergleich zum März 2019 um 39,1% ein, in der Schweiz  lag das Minus nur bei 19,7%, in Deutschland bei 19,3%. Spektakulär waren auch die Unterschiede am Höhepunkt des Shutdown, im April. In A schrumpfte der Umsatz um 71,3%, in D um 54,8%, in CH nur um 47,0%.  

Zustellung versus Abholung

Wie nicht anders zu erwarten, fielen beim heimischen Gastro-Großhandel die Umsatzeinbußen im Zustellgeschäft (Gastro-Zustelldienste) deutlich heftiger aus als  im Abholbereich, also bei den C&C Märkten. Nach einem Minus von 42,4% im März brachen die Zustell-Umsätze im April um 78,2% ein, die Rückgänge bei der Abholung kletterten von 31,7% im März auf  57,5%.

Bundesländer-Vergleich

Österreich ist ein Land der Vielfalt, besonders in Hinblick auf die Gastronomietypen und das regionale Touristikangebot. Entsprechend unterschiedlich waren die Auswirkungen der angeordneten Schließungen auf den Gastro-GH in den einzelnen Bundesländern. Salzburg war sowohl im März (mit einem Minus von 44,2%) als auch im April (-78,9%) trauriger Rekordhalter. Der Rückgang in Wien, dem Hotspot des Städte- und Kongresstourismus, lag im März mit  -41,1%  noch knapp hinter jenem in den westliche Wintersport-Regionen, im April aber schnellte das Minus im Vorjahresvergleich auf  75,2%  hinauf. Relativ am glimpflichsten kam Niederösterreich (-66,3% im April) davon.

Unterschiede nach Sortimentsgruppen

Das Umsatzwachstum des Gastronomiegroßhandels der letzten Jahre resultiert in einem nicht geringen Maß aus dem Umstand, dass immer mehr Lebensmittel- und Getränkeproduzenten zwecks Steigerung der Reichweite und Senkung der Vertriebskosten die Absatzallianz mit dem Gastrogrosshandel suchen. Die Vorteile einer rationellen Beschaffung bietet  ein vollsortierter Gastro-Großhändler seinen Kunden. Jetzt geht es für alle Glieder der Lieferkette darum, die Umsätze rasch wieder hochzufahren. Das gilt vor allem für die alkoholischen Getränke, deren Großhandels-Umsätze im April um 79,1%  abgesackt sind. Tiefkühlprodukte (-76,1%), Molkereiprodukte (-73,2%) und AF-Getränke (-72,9%) hat die Corona-Krise besonders stark erwischt. Den prozentuell stärksten Rückgang erlitt die Warengruppe „Frischfisch“ (-85,1%), allerdings sind die Umsätze in dieser Kategorie wesentlich niedriger als beispielsweise bei den Getränken.

Strategische Ansätze für den Neustart

Die Gastro Data-Daten machen deutlich: Die Corona-Folgen sind von Region zu Region, von Sortimentgruppe zu Sortimentsgruppe, von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich. Daher erfordert auch der Wiederaufbau des Gastro-Geschäfts je nach Firmenstruktur differenzierte Maßnahmen. Data based Gastro-Marketing ist jetzt angesagt. Schon der Vergleich der eigenen Umsatzentwicklung mit jener in der gesamten Branche liefert den einzelnen Gastronomiegroßhändlern, vor allem aber auch den Herstellern, wertvolle Orientierung über ihre Wettbewerbs-Fitness und die dringend gebotenen Restrukturierungs-Maßnahmen. Gastro Data offeriert seinen Kunden aus Handel und Produktion dafür ein maßgeschneidertes Set an aktuellen, auf das Gastronomiegeschäft fokussierten MAFO-Daten.  

Anfragen per eMail an office@gastro-data.at werden umgehend  beantwortet.

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger startete seine Karriere als Handelsjournalist im Jahr 1970, also vor 50 Jahren. Damals war er als Mitarbeiter der A&O-Zentrale Chefredakteur der „A&O Revue“. Ab 1976 arbeitete er 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift „Regal“. Von 1993 war er 21 Jahre lang Herausgeber der Handelszeitschrift „Key Account“.
Seit Herbst 2014 ist er als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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