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EU-Saatgutverordnung - Gemäßigte Kritik aus Österreich

08.05.2013

Die EU-Kommission hat am Montag in ihrem bereits im Vorfeld umstrittenen Entwurf für eine Saatgut-Verordnung Ausnahmen für die Nutzung traditioneller Sorten sowie für Kleinunternehmen vorgeschlagen.

Rund 220.000 Österreicher haben online schon gegen die Pläne der EU gestimmt, „alte Gemüsesorten“ durch teure Zulassungsverfahren sterben zu lassen.

Der zuständige Konsumentenschutz-Kommissar Tonio Borg sagte in Brüssel, für althergebrachte Sorten würden weiter abgeschwächte Registrierungsvorschriften gelten, die Erfordernis nach Tests entfalle für sie. Aus Österreich kam Kritik, allerdings in ziemlich abgeschwächter Form.

Konkret sieht die EU-Kommission vor, dass Unternehmen bis zu zehn Angestellten und einem jährlichen Umsatz von bis zu zwei Millionen Euro das für Nischenmärkte bestimmte Saatgut ohne Registrierung auf den Markt bringen können.

Ausgenommen von dem Anwendungsbereich der Verordnung ist nach Angaben der EU-Kommission der Einsatz von Saatgut für private Zwecke. Hobbygärtner könnten weiterhin jede Art von Pflanzenvermehrungsmaterial erwerben und ihr Saatgut in kleinen Mengen auf dem Markt bereitstellen, erklärte die Kommission. Jetzt müssen der EU-Ministerrat und das Europaparlament darüber entscheiden.

Durchaus zufrieden reagierte Umweltminister Nikolaus Berlakovich: „Unser Widerstand hat sich gelohnt.“ Man habe „Verbesserungen im Sinne Österreichs durchgesetzt.“ Er wolle nun weiter für den Erhalt der Biodiversität bei Saat- und Pflanzgut kämpfen, bestehende Allianzen mit anderen Ländern sollen vertieft werden. Darüber hinaus haben im Internet mehr als 220.000 Österreicher ihre Solidarität mit den Umweltschutz-Organisationen Global2000 und Arche Noah bekundet. Die heimischen Handelsketten Rewe und Spar sind dafür ebenfalls sprichwörtlich auf die Barrikaden gestiegen, werben sie doch explizit mit „alten Sorten“.

Kaum Positives konnten dem Entwurf die Vertreter von Global 2000 abgewinnen. Agrarsprecherin Heidemarie Porstner: „Dieser neue EU-Vorschlag ist kein Beitrag zum Gemeinwohl, sondern dient den Interessen der Agrarkonzerne. Beispielsweise können viele Landwirte von den Ausnahmeregelungen nicht profitieren und werden an der Weitergabe von eigenem Saatgut gehindert. Der Saatgutmarkt liegt somit in der Hand der großen Konzerne.“

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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