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Europameisterschaft: Chance oder Eigentor

21.05.2008

Euro 2008. Die Europameisterschaft bewegt – aber nicht alles, was möglich erscheint, wird auch ganz genau so eintreffen. Überraschungen sind vorprogrammiert.

Großveranstaltungen haben die Handelsszene schon immer stimuliert – und dabei kann man durchaus an jene fliegenden Händler im alten Rom denken, die ihre Geschäfte vor allem dann gemacht haben, wenn gerade ein sensationelles Wagenrennen oder ein Gladiatorenkampf angesetzt war. Die für den Handel so segensreiche Verbindung von „Panem et circenses“ hat sich im Rahmen pompöser klerikaler Ereignisse (man denke nur an Vatikanische Konzile) ebenso manifestiert, wie in sehr weltlichen sportlichen Events.
Womit wir auch schon exakt beim Thema sind. Olympia wirft ja derzeit ebenso seine Schatten voraus wie die EM 2008 – wobei letztere zu unübersehbaren und teilweise bizarren Auswirkungen auf die österreichische Handelslandschaft führt. So hat etwa die Bestattung Wien eine fußballförmige Urne kreiert, in der Fans ihre letzte Ruhe finden können.
Da wirkt das Eis, das in einer fußballförmigen „Coppa Europa“ kredenzt wird, ja nahezu unaufgeregt, und die EURO 2008-Gratis-Gewinnschecks einer Boulevardzeitung rangieren wohl unter „ferner liefen“. Klar aber, dass zahlreiche Fans jetzt schon mit großer Begeisterung der Fußball-EM entgegenfiebern. Ein Umstand, dem auch ein neues Bildersammel-Album Rechnung trägt – ganz nebenbei bemerkt, auch ein Millionengeschäft!
Aber: Was hat man von Computermäusen mit passenden Teamtrikots von Deutschland, der Schweiz, Italien, Spanien oder Frankreich zu halten, was von der vorsorglichen Reservierung von Sitz- und Schlafplätzen für die von den Haftanstalten kalkulierten rund 400 Häftlinge, die im Gefolge von Randalen und Exzessen „untergebracht“ werden sollten. Immerhin: In Deutschland gab es ja bei der EM 2006 rund 9.000 Festnahmen. Die Wirtschaft erwartet indessen rundherum Positives: Allein im Wiener Raum gibt es 5.000 Anforderungen für Arbeitskräfte, 539 Millionen Euro erwartet sich die Tourismusbranche, nach Berechnungen des Sportökonomie-Institutes könnten der österreichischen Wirtschaft durch die EURO 629 Millionen Euro zugute kommen.
Auch der Geschäftsführer der AMA-Marketing, Dr. Stephan Mikinovic (Bild), sieht die EM positiv: „Ein unverzichtbarer Bestandteil jeden gelungenen Festes sind Speis und Trank. Sport macht hungrig und durstig, auch – oder gerade wenn – man ihn als Zuschauer konsumiert. Die Getränke- und Lebensmittelproduzenten wissen das und rüsten ordentlich auf. Die Kassen werden für alle klingeln und für die kulinarische Bildung unserer Gäste sorgen die vielen AMA-Plakate, die die EM-Städte pflastern.“
Mit einem Wort also: Alles „Wonne und Waschtrog“?
Dass es nicht nur Gewinner der EM geben könnte, nimmt eine Veranstaltung des Forum Erlebnis Handel(n) in ihren Fokus. Am 19. Mai findet im Wiener Palais Eschenbach eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Europameisterschaft 2008 – Chance oder Eigentor?“ statt, die die Auswirkungen von Großveranstaltungen auf den Handel zum Thema hat. Wenn, moderiert von Handelszeitungsredakteur Dr. Georg Strzyzowski, der Obmann der Sparte Handel, KR Dr. Fritz Aichinger, AMA-Marketing-Geschäftsführer Dr. Stephan Mikinovic, Egger Privatbrauerei Geschäftsführer Bernhard Prosser, Kleine Zeitung Geschäftsführer Gerhard Valeskini, Castrol Marketingmanagerin Michaela Rockenbauer und Henkel E-Businessleiter Mag. Michael Haimerl die Effekte der WM diskutieren, dann werden sicherlich auch kontroversielle Gedanken und Meinungen geäußert werden.
Dr. Christian Th. Jirik, Sprecher des Forums und Landesleiter des Verbandes Österreichischer Wirtschaftsakademiker (VÖWA): „Vom 7. bis 29. Juni pilgern zigtausende Fans nach Österreich, was der heimischen Wirtschaft ein gewaltiges Plus in Aussicht stellt. Die Bilder der EM werden um die ganze Welt gehen – eine unbezahlbare Chance für unsere Unternehmer.

Für den Großteil der österreichischen Unternehmen ist diese Chance tatsächlich ,unbezahlbar‘, es stellt sich allerdings die Frage, ob es in diesem Spiel nur Gewinner gibt: Wer bleibt auf der Strecke, wie gehen letztendlich Unternehmen mit dieser Situation wirklich um, welchen Unternehmen bringt diese Großveranstaltung tatsächlich etwas?“
Und Jirik diagnostiziert: „Wenn man sich mit dieser Materie näher zu beschäftigen beginnt, stellt man rasch fest, welche ungleichen Machtverhältnisse herrschen in einem Spiel, in dem es letztendlich nur ums große Geld geht. Je mehr man mit Unternehmern über die bevorstehende Europameisterschaft spricht, umso kuriosere Dinge fallen einem auf. Das beginnt schon damit, dass ich mir in meiner Heimatstadt nur ungern vorschreiben lassen möchte, welches Bier ich während dieser Tage zu trinken habe, und das zu Preisen, welche sogar Oktoberfestverhältnisse übertreffen.
Ich stelle mir die Frage, ob sich hier in Zusammenhang mit der Europameisterschaft 2008 nicht Unternehmen mittelfristig ein Eigentor schießen? Ich persönlich werde nach dem Spektakel erst recht wieder zu meinen bevorzugten Marken greifen“.
Zu dieser Problematik wird im Palais Eschenbach nicht nur in Form des genannten hochkarätigen Podiums diskutiert. Der Markenexperte Klaus Dieter Koch wird für diesen Abend extra aus Nürnberg anreisen, um über seine Erfahrungen aus der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu berichten.

Neutrales Netzwerk
Das „Forum Erlebnis Handel(n)“ versteht sich als eine überparteiliche und branchenneutrale Plattform von Handelsunternehmen und deren Zulieferbetriebe.
Die Mitgliedschaft im Forum ist für natürliche Personen kostenlos, die Registrierung im Forum kann auf der Webseite www.forumerlebnishandeln.at selbst vorgenommen werden.
Dort finden sich auch weitere Informationen zur Anmeldung für die Veranstaltung am 19. Mai 2008 im Palais Eschenbach sowie die von der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich herausgegebene Broschüre für Unternehmer zur Fussball-EM.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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