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Ex- Nestle-Chef Helmut Maucher verstorben

12.03.2018

Der Vorgänger von Brabeck-Letmathe ist am 5. März im Alter 90 Jahren verstorben. Maucher hat Nestle zum weltweit größten Lebensmittelkonzern aufgebaut.

Maucher sei eine hoch geschätzte Persönlichkeit sowie ein durchsetzungsstarker und weitsichtiger Unternehmenschef gewesen, der Nestle zu dem gemacht habe, was es heute ist, erklärte Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke. Schon der Vater des gebürtigen Allgäuers war Nestle-Angestellter. Maucher trat als Lehrling in seinem Heimatdorf Eizenharz ins Unternehmen ein. Danach wurde er Nestle nur zweimal untreu. Von 1951 bis 1958 studierte er und von 1970 bis 1972 arbeitete er für die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften.

1981 erreichte er die Spitze von Nestle und wurde Verwaltungsratsdelegierter. Die Verantwortung bei Nestle übernahm Maucher zu einem Zeitpunkt, als der Konzern unter politischem Druck stand. Wegen der Werbung für Babynahrung in der Dritten Welt wurde unter dem Motto "Nestle tötet Babies" zu einem Boykott von Nestle-Produkten aufgerufen. Durch Kontakte zu den kritischen Gruppen und einer Änderung der Unternehmenspolitik in Drittweltstaaten konnte die Situation entschärft werden. Während seiner Zeit als Verwaltungsratspräsident (1990 -1997) wurde der Umsatz von Nestlé verdreifacht, der Gewinn verfünffacht und der Wert der Nestle-Aktie verzehnfacht. In den 90er-Jahren war Maucher auch Teil der wichtigsten schweizer Verwaltungsräte von Credit Suisse, Bayer, L'Oreal, ABB, der Deutschen Bahn und der Union Bancaire Privee.

Trotz Pension aktiv und kritisch

Nach 16 Jahren an der Spitze des Lebensmittelkonzerns gab er 1997 die operative Führung an den Österreicher Peter Brabeck-Letmathe ab, blieb bis 2000 aber Präsident des Verwaltungsrates. Bei Bekanntgabe des Rückzugs vom operativen Geschäft erzählte Maucher, dass er sein Arbeitspensum von 80 auf 60 Stunden reduzieren wird, aber dafür mehr Golf spielen würde.

Auch als er nicht mehr aktiv im Geschäft tätig war, zeigte er sich äußerst kritisch gegenüber der neuen Managergeneration. Nachfolger Brabeck blieb nicht verschont – „Die sollten nicht so geldgierig herumlaufen und sich nur vom Geld motivieren lassen. Die verdienen doch alle genug", beschwerte Maucher sich 2006 in einem Interview.

Sein Wort "Wohlstandsmüll", als Umschreibung von arbeitsunwilligen und arbeitsunfähigen Menschen wurde zum "Unwort" des Jahres 1997 gewählt. 2004 wurde er mit dem "Preis Soziale Marktwirtschaft" und 2013 mit dem Hanns-Martin-Schleyer-Preis für seinen Mut und Gelassenheit, ausgezeichnet. Maucher forderte anlässlich der Preisverleitung von den Wirtschaftsführern Glaubwürdigkeit, "weil doch heute so viel gelogen, betrogen und geschummelt wird".

 

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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