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Fachmarktgebiete: Für den Handel gut, für die Stadtplaner eine Herausforderung

Fachmarktgebiete: Fluch oder Segen?

15.05.2019

Die heimischen Fachmarktgebiete haben sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Für Händler sind sie so etwas wie ein „Händler-Wohlfühl-Paket“ und damit eine starke Konkurrenz für alle Einkaufsstraßen. Standort + Markt (S+M) präsentierte die neueste Studie zum Thema.

Die Beratergesellschaft Standort + Markt veröffentlichte zusammen mit Kooperationspartner Handelsverband die zehnte Auflage der Studie „S+M Dokumentation Fachmarktagglomerationen Österreich“. Die Erhebungen ergaben, dass es in Österreich bereits 264 Fachmarktagglomerationen, also willkürlich entstandene, sprich nicht einheitlich geplante, Fachmarktgebiete gibt. Ein immenser Anstieg, denn vor zwanzig Jahren gab es 113 im ganzen Land. Die Fläche stieg somit von 2,9 Mio. Quadratmeter auf 5,8 Mio. Quadratmeter. Damit haben sich sowohl die Fachmarktgebiete, als auch die Fläche mehr als verdoppelt. „Die Anzahl ist noch immer im Steigen, die Kurve flacht aber ab“, verrät Studienautor Roman Schwarzenecker von S+M. „Von den 5,8 Mio. m² Verkaufsfläche sind rund 5,3 Mio. m² Einzelhandelsverkaufsfläche, das heißt, jeder vierte Kaufkraft-Euro wird bereits dort gebunden“. Zum besseren Vergleich der Dichte der Fachmarktgebiete: In Österreich gibt es 131 Shopping Malls mit einer Gesamtfläche von 2,4 Mio. m², die 22 Wiener Geschäftsstraßen haben eine Gesamtfläche von 1,1 m².

Lebensmittelhandel immer stärker vertreten

In den derzeit 264 Fachmarktgebieten sind 6.800 Fachmärkte untergebracht, wobei es pro Fachmarktgebiet durchschnittlich 26 Shops sind. Deren Fläche wird tendenziell kleiner, wie auch die Gesamtfläche der Fachmarktgebiete kleiner wird. Eine Veränderung gibt es auch bei der Vermietung: Die Zahl der Fachmärkte und fachmarktähnlichen Anbieter hat sich sogar verdreifacht (von rund 1.400 auf 4.300 Shops). "Innerhalb von zwei Jahren lag der Verkaufsflächenzuwachs in dieser Agglomerationsklasse bei rund 100.000 m². Das ist eine diametral gegenteilige Entwicklung zum gesamten stationären Einzelhandel, wo wir zuletzt 100.000 m² oder 14 Fußballfelder Verkaufsfläche verloren haben", analysiert Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Weiteres Detail: Der Bereich Wohnungseinrichtung wird geringer, der Lebensmittelhandel legt zu. Vor allem die Diskonter sind in den Fachmarktgebieten im Vormarsch.

Jubelstimmung versus Kopfweh

Eine Supermarkt-Filiale macht in einem Fachmarktgebiet rund ein Drittel mehr Umsatz, als ein Supermarkt im Ortsgebiet. Der Grund dafür ist so simpel, wie logisch: Im Ortsgebiet ist man meistens nur mit einer Einkaufstasche, maximal mit dem Einkaufswagen, unterwegs. Ins Fachmarktgebiet fahren die meisten Kunden mit dem Auto, wo sie viel und damit größere Einkäufe leicht unterbringen. Denn Kunden schätzen an den Fachmarktgebieten vor allem, dass sie am Arbeitsweg bequem vorbeischauen können, hier Nahversorger finden und der Weg vom Parkplatz zum Shop sehr kurz ist. Was sie weniger mögen ist hingegen das Parkplatz-Hopping, wenn sie zu mehreren Shops müssen.  Auch die Sicht der Investoren ist aufgrund der vielen Nahversorgungsbetriebe (die eine Wertkonstante bewirken) und der spezifischen Nutzung („Single Use“ also kein Mix mit Bürogebäuden) Großteils positiv. Kopfweh macht diese Entwicklung aber den Stadtplanern. Einerseits nimmt damit die Ortsverödung zu, anderseits ist die Flächennutzung ineffizient. In den Fachmarktgebieten stehen so gut wie nur ebenerdige Gebäude, alle brauchen eine eigene Zufahrt und einen eigenen Parkplatz, was die Flächenversiegelung vorantreibt. Diesbezüglich beginnt aber bereits ein Umdenken. Das ist gut für die Umwelt, ändert aber nichts an der Problematik der Orte beziehungsweise Ortskerne. Die Händler in Wiens Einkaufsstraßen kämpfen darüber hinaus auch noch mit Demos und Straßensperren. „Demos sind ein Amazon-Förderprogramm“, so Rainer Will. Der Handelsverband fordert daher mit Nachdruck eine Entlastung der großen Wiener Einkaufsstraßen, insbesondere der Wiener Mariahilfer Straße, die Errichtung geeigneter Demozonen, eine Verlängerung der Demo-Anmeldefrist von 48 Stunden auf 72 Stunden und einen zentralen Ansprechpartner bei jeder Demonstration.

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