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Die Fairtrade-Produzenten werden von der Coronakrise derzeit doppelt getroffen - wirtschaftlich wie gesundheitlich

Fairtrade: Jahresbilanz 2019 und Corona-Ausblick

15.05.2020

Der geschätzte Umsatz mit Fairtrade-Produkten stieg 2019 in Österreich auf 351 Mio. Euro (+5,4%) an. Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie zeigt jedoch wirtschaftliche und gesellschaftliche Fehlentwicklungen der Vergangenheit auf und trifft Partnerunternehmen national und international stark.

Seit der Gründung von Fairtrade 1993 haben sich Portfolio und Umsätze konstant nach oben entwickelt.

Die Aktivitäten der Fairtrade-Partnerunternehmen, -Gemeinden und -Schulen sorgten im Jahr 2019 dafür, dass die Produzentenorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika mehr als 53,7 Mio. USD an Direkteinnahmen aus Österreich generieren konnten. „Wir freuen uns, dass auch 2019 viele Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich dem fairen Handel ihr Vertrauen geschenkt und auf das Fairtrade-Siegel geachtet haben“, so Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.

Plus bei Kaffee, Kakao, Bananen

4.621 Tonnen Fairtrade-Rohkaffee wurden nachgefragt (plus 11 % ggü. dem Vorjahr). Auch Fairtrade Bananen konnten um weitere 13 % zulegen (auf 31.535 Tonnen). „Das bedeutet Direkteinnahmen für die Bananen-Produzenten von mehr als 17,7 Mio. USD“, zeigt sich Kirner erfreut. Weiter gewachsen ist auch die Nachfrage nach Fairtrade-Kakaobohnen, mit einem Plus von 6 % auf 3.423 Tonnen. „Der Fairtrade Kakao-Mindestpreis wurde im Jahr 2019 um 20 % angehoben, um den Kleinbauernfamilien ein besseres Einkommen zu ermöglichen. Diesen Schritt trugen unsere österreichischen Kakaopartner aus Überzeugung mit“, sagt Kirner. Die Nachfrage nach Rohrzucker stieg um 1 % auf 2.882 Tonnen, Fruchtsaftkonzentrat zeigte eine rückläufige Entwicklung auf 938 Tonnen (-0,4 %), und auch Fairtrade-Rosen verzeichneten aufgrund einer Verpackungsänderung einen Rückgang auf 33,5 Mio. Stiele (- 8 %).

Covid-19-Pandemie 2020: Reaktion von Fairtrade International

Die weltweite Verbreitung des Coronavirus ist ein Schock, der viele Bereiche der Gesellschaft nachhaltig verändern wird. Die Auswirkungen auf Fairtrade sind noch ungewiss. „Die Menschen in den Ländern des globalen Südens sind leider doppelt betroffen“, so Kirner. „Einerseits können die einbrechenden lokalen Märkte nicht durch privatwirtschaftliche oder staatliche Rücklagen kompensiert werden. Andererseits trifft das Virus auf Gesundheitssysteme, die Krisen in diesem Ausmaß nicht gewachsen sind.“ Als unmittelbare Reaktion hat Fairtrade International daher mit Hilfe seiner Mitgliederorganisationen eine Fonds in der Höhe von 3,1 Mio. Euro aufgesetzt.
Dieser wird kurzfristig dafür eingesetzt, in den Produzentenländern dringend notwendige medizinische Güter wie Mundschutz und Medikamente anzuschaffen. Langfristig sind mit diesen zusätzlichen Geldmitteln Investitionen in die Infrastruktur oder in Fortbildungsprogramme der von der Pandemie besonders stark betroffenen Regionen geplant. „Die Krise macht sichtbar, was in unserer Gesellschaft wirklich wichtig ist. Lebensmittel müssen mehr Stellenwert erhalten. Die Menschen, die entlang der Lieferketten beschäftigt sind, sollen von ihrer Arbeit menschenwürdig leben können. Biologischer Anbau, der Schutz der Umwelt oder die Förderung regionaler Wirtschaftsstrukturen sollten künftig die Regel sein“, so Kirner. Zusammen mit der fortschreitenden Klimaveränderung warten in Zukunft große Herausforderungen. Auch politische Akteurinnen und Akteure müssen Maßnahmen setzen. „Denn gegen den Klimawandel gibt es keine Schutzmaske“, so Kirner abschließend.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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