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Fairtrade Österreich: Mit Optimismus in die Zukunft

28.05.2018

Das Fairtrade-Siegel feiert 2018 nicht nur sein 25 Jähriges Jubliäum, sondern auch einen gestiegen Umsatz. Der faire Handel wächst auf ganzer Linie. Über das Erfolgsgeheimnis und zukünftige Herausforderungen spricht Fairtrade Österreich-Chef Hartwig Kirner im Interview.

„ Also es läuft derzeit echt gut“, sagt Hartwig Kirner im Interview, und zwar zu Recht. Während der letzten 25 Jahre ist der Umsatz von Fairtrade-Produkten um 13 Prozent auf insgesamt 304 Millionen Euro, gewachsen. Allein während des letzten Jahres wurden 43 Millionen US-Dollar (ca. € 35, 5 Mio.) durch den Verkauf der fair gehandelten Produkte eingenommen. Zwar sind zwischen 2016 und 2017 fast alle Produktkategorien gewachsen, besonders stark entwickelt sich aber weiterhin der Schokoladenbereich (+11,6% bei Kakaobohnen). 2018 gesellte sich zu den namenhaften Kooperationspartnern Zotter, Heindl und Manner, der Pralinenhersteller Gunz (Mozarkugeln). 44 Prozent des Gesamtumsatzes wurden durch das Geschäft mit zertifizierten Kakaobohnen erwirtschaftet. Von einer guten Dynamik wird auch das Geschäft mit Bananen angeschoben, immerhin wurden 12,5 Prozent mehr gelbe Früchte verkauft, als im Vorjahr (16% des Gesamtumsatzes). Die Bananen waren es auch, die dem Siegel erstmals Aufmerksamkeit im Regal gegeben haben und damit zum Erfolg viel beitragen haben. Es gibt lediglich ein kleines Problemkind im Sortiment: Fruchtsaft (- 2,4%). Wobei Fairtrade für die allgemein dürftige Lage am am österreichischen Fruchtsaftmarkt (2017: -2,1 %) lediglich mitgeschrumpft ist.

Fairtrade im LEH  

„Natürlich ist es schwer einem Handelsunternehmen zu erklären wie es seinen Job macht. Die Zusammenarbeit läuft aber wirklich super und der Lebensmittelhandel hat auch eine klare Vorreitertolle, was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, das muss man einfach ganz klar sagen. Die Händler sind wirklich professionell und kommunizieren das auch gut, “ erklärt Kirner zur Präsentation von Fairtrade-Produkten im LEH. Zwar gibt er zu, dass das ein oder andere Produkt mehr, doch wünschenswert wäre, trotzdem ist er mit den Handelsketten sehr zufrieden. Bei Spar, Rewe, Hofer und Co. hat sich gerade bei den Eigenmarken viel getan. Beispielweise vertreibt Lidl unter Qualitäts-Eigenmarke „Fairglobe“ mittlerweile rund 20 fair gehandelte Produkte. Ein Beispiel dafür, dass günstigere Produkte nicht gleich schlecht produziert sein müssen. Ausbauen würde Kirner gerne das Zuckerprojekt. Bisher verwenden die Getränkehersteller Keli und Vöslauer, Fairtraide-Zucker zur Produktion, weiter Kooperationspartner zu gewinnen wäre ein großer Fortschritt.

Neue Produktkategorien will der Spezialist für fairen Handel vorerst nicht angreifen. Grund dafür ist, dass noch viel Potential bei den schon bestehenden Produktgruppen besteht. Denn Fairtrade-Bauern können meist nur ein Drittel ihrer produzierten Waren auch tatsächlich fair handeln. Eine relevante Wirkung im Handel kann erst erreicht werden, wenn ein möglichst hoher Anteil der Ware fair verkauft werden kann. Zertifizierter Kaffee hat beispielweise trotz aller Erfolge nur einen Marktanteil von 7 Prozent. Neuen Herausforderungen will sich die Organisation erst stellen, wenn die 100 Prozent-Marke erreicht ist.  

Ziele & Herausforderungen

Einer der Unternehmens-Leitsätze ist „Fairer Handel braucht Zeit“, allerdings ist Kirner ein Optimist. Er ist davon überzeugt, dass in den nächsten 20 Jahren eine wesentliche Veränderung möglich ist: „Momentan ist Fairtrade ein bisschen mehr als die Ausnahme, das soll sich ändern.“ Dieses Jahr will die international tätige NGO vor alle eines, Wachsen und zwar am besten im zweistelligen Bereich. Was dagegen spricht? Kirner nennt es „Fehlentwicklung der Gesellschaft“. Heutzutage geben Kunden lediglich 10 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Seiner Meinung sollten wir lernen Essen und Trinken wieder einen Wert beizumessen und unseren Preis-Fetisch hinter uns zu lassen.

Ein weiterer Problempunkt ist die Entscheidungsstrukturen von Unternehmen, die potentielle Kooperationspartner wären. Österreich liegt auf Platz drei der weltweiten Top-Faitrade-Märkte. Das fällt aber wenig ins Gewicht, wenn Entschlüsse, wie die Zusammenarbeit mit Fairtrade, in Ländern getroffen werden, wo das Nachhaltigkeits-Zertifikat einen niedrigeren Stellenwert hat.   

Im Umbruch

Dennoch hat spürbar ein Umdenken begonnen. Kunden sind wieder bereit mehr für ihre Lebensmittel auszugeben. Aber das Engagement geht mittlerweile schon weit über den Supermarkt hinaus. Hierzulande gibt es 180 Fairtrade-Gemeinden (u.a. Linz und Graz), in denen durch gemeinnützige Projekten Fairtrade und lokale Produktion Hand in Hand gehen und gefördert werden. Die 2014 gestartete Schulkampagne hat schon 40 Partnerschulen, wo faire Schokolade verkauft wird. Nachhaltige Produkte werden außerdem immer beliebter. Fairtrade bietet eine Garantie das richtige zu kaufen, ohne die Herkunft der Produkte langwierig recherchieren zu müssen. Das hohe Vertrauen das dem Siegel zugemessen wird, erklärt sich durch die hohe Transparenz in der Lieferkette. Besonders weil der Verein auch thematisiert, wo die Grenzen des fairen Handels liegen. „Es kommt darauf an wie man Probleme kommuniziert“, erklärt Kirner den Erfolg des Fairtrade-Gütesiegels.

 

 

Autor/in:
Angela Flaggl
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