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Fertiggerichte - Ethnofood

20.07.2006

Alles ist relativ – ist alles relativ? Wenn der schwedische Entdecker Sven Hedin berichtet, dass seinem tibetanischen Diener übel wurde, als er sah, wie der Forscher eine Ente am Spieß briet, dann ist es wohl auch nachvollziehbar, dass unsereiner vor dem Verzehr von Schlangen, Heuschrecken oder Igeln (noch?) zurückschreckt. Andererseits: Sehen diese Tiere denn abstoßender aus als etwa Weinbergschnecken, Austern oder Tintenfische?

Wie auch immer: Andere Völker – andere Speisen. Attraktive Fernreiseangebote machen es heute möglich, während Urlaubs- oder Geschäftsaufenthalten im exotischen Ausland bisher unbekannte Genüsse kennenzulernen und diese nach der Rückkehr auch im heimischen Supermarkt besorgen und in der häuslichen Küche zubereiten zu wollen. Ehtno-Food weckt also Reiseerinnerungen, und immer mehr Menschen tendieren dazu, sich Geschmack und Küche aus fernen Ländern nach Hause zu holen. Die Lebensmittelindustrie entspricht diesem Trend, hat ihn bereits zum Großteil umgesetzt und bietet ein reichhaltiges kulinarisches Angebot, das zum Nachkochen von Gerichten aus fremden Ländern anregt. Die Pizza, Wegbereiterin der Ethno-Foodbewegung, hat eine ganze Reihe südländischer, orientalischer und exotischer Zubereitungsvarianten nach sich gezogen. Zusätzlich zur italienischen Küche liegen jetzt bereits chinesische, mexikanische, türkische, griechische, indische und japanische Speisen voll im Trend. Viele Ethno-Gerichte wie Sushi oder im Wok zubereitete Speisen haben dazu noch das Image „leicht und vitalstoffreich“, sie bürgen für zusätzliche Abwechslung am Esstisch, und sie enthalten eine Fülle aromatischer orientalischer Gewürze und frischer Kräuter.

Die Scheu schwindet
Immer häufiger greifen auch die +50 Jahrgänge nach internationalen Fertiggerichten. Waren es im vergangenen Jahr noch 8,8 Prozent der 50- bis 59-jährigen (RollAMA/AMA Marketing), so weisen die aktuellen Daten bereits einen deutlich über 10 Prozent liegenden Anteil aus. Ethno-Food passt auch genau auf die Bedürfnisse gerade kleinerer Haushalte. Laut RollAMA werden in Einpersonenhaushalten pro Kopf 17,3 Euro für internationale Fertiggerichte ausgegeben.

Mag. Ulrike Pesta, Senior Client Executive bei ACNielsen:
Der Ethno Trend ist aufgrund fehlender eindeutiger Definition und auch der einzubeziehenden Warengruppen insgesamt kaum in harte Zahlen zu fassen. Im Conveniencebereich beobachten wir jedoch einen Trend in diese Richtung. Mehr als die Hälfte des Umsatzes machen bereits „nicht“ österreichische Gerichte aus. Die italienische Küche ist dabei nach wie vor am beliebtesten bei den Österreichern. Die Wachstumsträger sind jedoch mittlerweile stärker die asiatische und TexMex/US-Küche, wo auch viele Innovationen den Markt belebten.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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