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Gastkommentar

05.03.2004

Es tut sich was im europäischen Handel. Das Zauberwort heißt IFS. „International food standard Zertifizierung“ heißt eine kluge Geschäftsidee, und diese soll und wird den europäischen Handelunternehmen ein Höchstmaß an Transparenz und Sicherheit bei den von ihnen gehandelten Produkten bringen. Nutznießer dieser im Kern durchaus sinnvollen Aktivitäten ist in erster Linie die lizenzvergebende Stelle sowie die exklusiven Lizenznehmer, die die derzeitige Nachfrage kaum befriedigen können. In zweiter Linie profitiert der Handel, der einen gläsernen Produzenten erhält, ohne für die nicht unerheblichen Kosten dieses Systems aufkommen zu müssen.
Auf der Strecke, und das ist betrüblich, bleibt vorerst der Konsument. Denn all diese zwangszertifizierte Transparenz endet schamhaft beim Wareneingang, an der Rampe des Händlers.

Während ein Produzent von Fischfilets, weil Stand der Technik, in der Lage ist von jeder beliebigen Packung binnen weniger Stunden nicht nur den Namen des Fischkutters zu eruieren, dem der glückliche Fang gelungen ist,
nein, sogar der Fangort kann GPS-genau angegeben werden, auf Wunsch gibt es auch die Namensliste der Matrosen die den Fang aufgearbeitet haben, inklusive der Temperatur des Kühlraumes an Bord.
So gelangt die perfekt dokumentierte Palette an die Rampe des Lagers, doch dann reißt der Faden ab. Wer zeigt ihnen die lückenlose Einhaltung der Kühlkette ? Wer hat eine Ahnung davon, seit wann die Packung im Regal liegt? Wo ist die Transparenz der effizienten Nagetier- und Insektenbekämpfung im Lager, genügt doch meist ein Blick auf die Paletten mit Trockenfutter für Hunde und Katzen oder auf das Bio-Regal, um einen kleine Exkursion in die Biologie der Reismehlkäfer oder der Mehlmotte usw. unternehmen zu können. Dass die meisten Regale, die die diversen Haushaltsmehle beherbergen, noch immer jeder Hygieneanforderung spotten, die an einen Produzenten gerichtet wird, ist ein weiteres Mysterium der mangelnden Transparenz.
Ist es ein Zufall dass die meisten Lebensmittel-Rückrufaktionen in der EU wegen Überschreitung der mikrobiologischen Parametern erfolgen?
Die sinnvollen Bemühungen, die transparente Qualitäts- und Sicherheitskette vom Urproduzenten bis zum Teller des Konsumenten lückenlos zu gestalten werden offensichtlich ohne den freundlichen Druck der Verbraucherverbände wohl nicht sehr erfolgreich sein.

Folgendes Szenario ist heute noch Utopie, aber wer weiß: Produzent zum Einkäufer: „Und zum Abschluss des Listungsgespräches habe ich da auf meiner IFS-Checkliste noch einen Punkt. Ich ersuche Sie, mir Ihr gültiges HACCP-Zertifikat vorzulegen, damit ich dokumentieren kann, meiner Sorgfaltspflicht nachgekommen zu sein, ob ich Ihnen mein Qualitätsprodukt zur Lagerung und zum Verkauf anvertrauen darf.“

Dr. Klaus Hasenhütl ist als Konsulent für Produktentwicklung & Qualitätsmanagement für die Lebensmittelindustrie tätig. Seine Spezialgebiet sind Cerealien, insbesondere Müsliriegel.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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