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Gastkommentar

28.10.2004

„Business Ethics“, „Corporate Social Responsibility“, „Corporate Governance“.

Diese Begriffe haben in den USA seit Jahren einen gesicherten Stellenwert im Handels-Alltag, aber auch im Lehrprogramm der renommierten Universitäten. Auch an der WU gibt es einen aktuellen Vorschlag, das Spannungsfeld von Betriebswirtschaft und Ethik zum Pflichtfach aufzuwerten. Papier ist allerdings geduldig. Die Gefahr, dass die Selbstreflexion eines Unternehmens zu einer „zahnlosen“ Geschichte wird, ist stets vorhanden. Mir ist noch immer ein Wort des in der Öffentlichkeit sehr unfair dargestellten Ex-Konsum-Chefs Hermann Gerharter im Ohr, der seine Mitarbeiter mit folgender – übrigens damals auch zutreffender – Aussage aufrütteln wollte: „Wir sind Konzept-Riesen, aber Umsetzungs-Zwerge“. Der Rest ist Geschichte.

Zurück zu den Fakten: Die führenden Handelsunternehmen sind gut beraten, sich nicht in die Enge einer geistigen Greißlerei zu begeben, sondern ihre Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft zu reflektieren. In der Wirtschaft ist zwar wichtig, was ausgesprochen wird. Was ungesagt bleibt, ist manchmal noch wichtiger. Im Wissen um die Gefahren großer Marktmacht, hat etwa Tesco ein „Audit Committee“ geschaffen, das sich aus externen Experten zusammensetzt. Nicht „Augen zu und durch“ lautet das Motto, sondern Transparenz und Kritikfähigkeit.

Die aktuelle Diskussion in Österreich könnte zur heilsamen Zäsur für alle Beteiligten werden. Man hat Großes geschaffen, aber das einzig Konstante ist der Wandel. Der Traum von einer allgemeinen Harmonie bleibt eine nicht erfüllbare Wunschvorstellung. Den 1000-Euro-Lohn der aus der Steiermark einpendelnden Kassafrau zum Herzstück von „cost cutting“ zu machen, führt in eine Sackgasse, denn am Ende des Tages zählen im Handel immer die Menschen. Der heimische Handel ist jedenfalls gut beraten, von einer Strategie des „anything goes“, Abstand zu nehmen. Allzu leicht geraten sonst die Spitzenleistungen, die ohne Zweifel erbracht worden sind, in Vergessenheit. Dies trifft natürlich auch auf das Verhältnis zwischen Handel und Industrie zu, das in Zeiten intensiven Wettbewerbs einer besonderen Belastungsprobe ausgesetzt ist.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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