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Gefahr in Verzug bei LMIV

19.09.2014

Drei Monate vor Inkrafttreten der Lebensmittel-Informationsverordnung fehlen noch jede Menge Daten, was zur Auslistung der entsprechenden Artikel führen könnte.

Die Zeit drängt: Mit 13. Dezember 2014 tritt die EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) in Kraft.

Max Pohl
m.pohl@wirtschaftsverlag.at

Es sollte hinlänglich bekannt sein: Die mit 13. Dezember 2014 auch in Österreich in Kraft tretende EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) verlangt von allen Lebensmittelunternehmen entlang der Wertschöpfungskette die Erfassung spezifischer Artikelstammdaten wie Zutatenlisten, Nährwert- und Allergenangaben in einer Datenbank. Diese Daten sind für Konsumenten bestimmt, die ihre Kaufentscheidung ohne Zugriff auf die Verpackung treffen – also beim Online-Kauf oder beim Kauf von loser Ware im stationären Handel.
Obwohl die ECR-Arbeitsgruppe „Extended Packaging“ gute Basisarbeit geleistet hat und mit GS1 Sync ein professionelles Tool zur Datenerfassung zur Verfügung steht, läuten knapp drei Monate vor dem Start alle Alarmglocken. Andreas Nentwich, Geschäftsführer der Markant Österreich und ECR-Austria-Co-Chairman auf Demand-Side, fordert die Industrie auf, „die Daten ohne Wenn und Aber so zeitgerecht zur Verfügung zu stellen, dass auch die nachstehende Erfassung und Verarbeitung im Rahmen von GS1 Sync bzw. durch den Handel noch vor dem 13. Dezember erledigt werden kann“.

Alfred Schrott, Manner-Vorstand und Nentwichs Gegenüber auf Supply-Side im ECR-Board, sieht das genauso, gibt aber zu bedenken, „dass der Aufwand enorm ist“. Es gelte, etwa 100 Felder auszufüllen, um ein einziges Produkt zu beschreiben. Und alle diese Daten müssten schließlich auch noch einer Erstprüfung unterzogen werden.
Gemeinsam appellieren Nentwich und Schrott an alle Beteiligten, „mit Hochdruck daran zu arbeiten“. Denn: „Uns läuft die Zeit davon.“ Mit einer durch die EU ermöglichten Übergangsfrist sei nicht zu rechnen. Aber man könne sehr wohl davon ausgehen, „dass Konsumentenschutzorganisationen genauestens überprüfen werden, ob den Anforderungen der LMIV Genüge getan werde, und dass Fehler unbarmherzig aufgezeigt werden“.

Warnsignale nicht überhören
So weit will es Rewe International erst gar nicht kommen lassen. Deren Vorstandsvorsitzender Frank Hensel hat in einem Brief an den Geschäftsführer des Bundesgremiums des Lebensmittelhandels Richard Franta bereits über mögliche Konsequenzen informiert: „Um gesetzeskonform zu agieren, müssten die Artikel aus dem Sortiment genommen werden, wenn die erforderlichen Daten nicht übermittelt werden. Das hätte schwerwiegende Umsatzeinbußen für die betroffenen Geschäftspartner, jedoch auch für den Handel zur Folge“, schreibt Hensel. und bittet Franta „uns bei der praxisgerechten, dem aktuellen Status quo entsprechenden Umsetzung in Österreich zu unterstützen“. Franta in einer ersten Reaktion zur handelszeitung: „Die Faktenlage ist bereits seit drei Jahren bekannt. Wir stehen u.a. mit dem Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in ständiger Verbindung, um die LMIV auf Kurs zu bringen.“

Die Bereitstellung und Übermittlung der relevanten Daten für die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) bedeute sowohl für den Handel als auch für die Produzenten einen erheblichen Mehraufwand im täglichen Geschäftsablauf, betont Frank Hensel. „Um gesetzeskonform zu agieren, muss der Handel den tagaktuellen Abgleich der relevanten Artikeldaten mit den Industriepartnern gewährleisten. Das betrifft besonders die umgehende Richtigstellung der Artikeldaten bei Änderungen von Rezepturen und Inhaltsstoffen. Damit wird die richtige Kennzeichnung in den Filialen sowie auch in den Online-Shops deutlich komplexer“, so der Vorstandsvorsitzende der Rewe International in dem erwähnten Schreiben an das Bundesgre-mium des Lebensmittelhandels.

Mögliche Gefahrenquellen
Darüber hinaus sieht Hensel potenzielle Gefahrenquellen für die Konsumenten, zum Beispiel „eine mögliche Kreuzkontamination beim Aufschneiden der losen Ware mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen in der Feinkost-Theke“ sowie „eine mögliche Fehllieferung über den Online-Shop, in dem ein Produkt gemäß neuer Rezeptur bestellt, tatsächlich aber das Produkt mit alter Rezeptur (aufgrund von noch bestehenden Lagerständen) ausgeliefert wird (oder umgekehrt)“.
„Aus meiner Sicht wäre es daher sinnvoll, gemeinsam mit den entsprechenden Interessenvertretungen, vor allem der Industrie, in der WKO auf diese Warnsignale hinzuweisen. Je näher das Datum der Inkraftsetzung dieser Verordnung rückt, umso dringlicher wird die Forderung nach einer Kulanzlösung – eventuelle Übergangsfristen für die rechtmäßige Umsetzung der Verordnung“, so Hensel abschließend.

Potenzial nicht erkannt
Unverständlich ist, dass offenbar vielen Herstellern nicht bewusst ist, dass ihren Produkten bei Nichterfüllen der LMIV-Anforderungen die Verkaufsgrundlage entzogen wird. Umgekehrt reicht eine einmalige Erfassung der geforderten Daten über GS1 Sync, um bei allen Handelsorganisationen im gesamten EU-Raum vertrieben werden zu können. Und kleine Produzenten haben immer noch die Möglichkeit individueller Lösungen mit einzelnen Händlern.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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