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Gerhard Drexel: Aufhören, wenn’s am schönsten ist

30.06.2020

Was haben Bundeskanzler Sebastian Kurz und der dreißig Jahre ältere, scheidende Spar AG-Chef Gerhard Drexel gemeinsam? Beide sind sie Meister der Message Control, der zentralen Steuerung einer ganzheitlichen, in sich stimmigen Informationspolitik.

Ergebnis dieser Strategie: Ein Markenimage, wie es prägnanter kaum sein kann. Ein Image, das in der Politik wie in der Wirtschaft das wichtigste Kapital generiert und akkumuliert, nämlich eine breite Vertrauensbasis, die sich in Kundenbindung niederschlägt. An der Wahlurne ebenso wie bei der täglichen Abstimmung an den Registrierkassen.

Message Control ebnet den Weg zur Marktführerschaft, schweißt die eigenen Leute zu einem  Team zusammen und treibt desorientierte Mitbewerber an den Rand der Verzweiflung. Spätestens seit seinem Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden der Spar AG vor 20 Jahren übt Gerhard Drexel diese Kontrolle mit fester alemannischer Hand aus. Verhilft damit „seiner“ Spar zu Resilienz als Unternehmen und zu Kontinuität im Marktauftritt. Die „One Brand“-Strategie, (Einheit von Laden- und Eigenmarke) liefert dazu die Marketing-Grundlage.  Die Ära Drexel steht so für nachhaltiges Umsatz- und Marktanteilswachstum.

Die Treiber des Marktanteilwachstums

Bis vor wenigen Jahren stieg der Spar-Marktanteil vor allem infolge der kontinuierlichen Flächenexpansion. Dieses war das Ergebnis von Akquisitionen (Pampam, Meinl, Zielpunkt),  vom Ausbau der Einkaufszentren zu Bastionen des Flaggschiffes Interspar und einer dezentralen, von den sechs Zweigniederlassungen aus systematisch betriebenen Gewinnung neuer Standorte für Spar Supermärkte und Eurospar Superstores. In jüngerer Zeit, da der LEH in unserem Land immer mehr unter Overstoring leidet, rückt das Wachstum der like-for-like Sales in den Vordergrund. Befeuert wird dieses einerseits durch die erhöhte Schlagzahl bei den Aktionen, anderseits durch das Umsatzwachstum bei den ertragsstarken Premium-Eigenmarken wie z.B. Spar Natur Pur.

Wenn das zweite Halbjahr 2020 für die Spar so gut wie das erste läuft, dann übernimmt Fritz Poppmeier am 1. Jänner 2021 als neuer CEO eine Spar, die erstmals in ihrer Geschichte die Marktführerschaft im heimischen LEH innehat. Das letzte Mal fand dieses denkwürdige Ereignis in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts statt, als Karl Wlaschek den bereits  maroden Konsum beim Umsatz überholte. Für Poppmeier und die neue Generation der Spar Führungscrew ist diese Pole Position kein Ruhekissen, sondern im Gegenteil, eine  Riesenherausforderung. Anders als seinerzeit der Konsum ist die Rewe alles andere als eine lahme Ente. Von Aldi und Lidl ganz zu schweigen.

Gerhard Drexel scheidet zum Jahreswechsel 20/21 aus dem Spar Vorstand und damit aus dem operativen Geschäft aus, aber er verschwindet nicht von der Bildfläche. Als neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates der Spar Holding, löst er den ehemaligen Metro-Topmanager Bernd H. J. Bohte (76).  ab. Dieser gehörte seit 2003 dem Kontrollgremium an und übernahm 2015, nach dem Tod von Hans M. Reisch, den Vorsitz. Wer Drexel kennt, geht davon aus, dass er weiterhin nach innen und nach außen hin den legendären Spar-Spirit verströmen wird. Als neuer Aufsichtsrats-Chef kann er sich zu seinen Lieblingsanliegen wie Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung in der öffentlichen Diskussion zu Wort melden.

Mag die Hofübergabe noch so ausgewogen und perfekt getaktet sein, mit dem neuen Führungsteam brechen für die Hauptzentrale in Salzburg neue Zeiten an. Was bleibt und dem genetischen Code des Tannenimperiums entspricht: Alle Führungskräfte, die in neue Funktionen aufsteigen, sind „Eigenbau“, haben die unternehmensinterne „Ochsentour“ erfolgreich absolviert. Aber sie übernehmen zum Teil neue Aufgaben.

Drexels Machtfülle wird aufgeteilt

Vor allem im Spar Vorstand kommt es zu beträchtlichen Kompetenzverschiebungen. Kernfunktionen, die bisher von Drexel wahrgenommen wurden, werden künftig zwischen  dem neuen Vorsitzenden Fritz Poppmeier und dem in den Vorstand aufrückenden Markus Kaser aufgeteilt. Als neuer Vorsitzender ist der Grazer Jurist Poppmeier die neue Galionsfigur des Konzerns, zeichnet für Unternehmensstrategie, PR und Nachhaltigkeit verantwortlich. Daneben behält er seine bisherigen Ressorts, als da sind die Verantwortung für die sechs Zweigniederlassungen, die Logistik, die Expansion, die Betreuung der Spar Kaufleute (läuft unter „Einzelhandels-Vertrieb) und die Regio Kaffeerösterei.

Markus Kaser:  Die neue Nummer Eins im Spar Warengeschäft

Kaser aber „erbt“ von Drexel die zentrale Funktion eines jeden Handelsunternehmens: Ihm obliegt die Steuerung von Sortiment, Eigenmarken-Programm, Einkauf und Marketing (Werbung und Promotions). Darüber hinaus zeichnet er auch für CSR und IT(sprich: Digitalisierung) verantwortlich. Kein Zweifel: Markus Kaser ist der neue starke Mann im Warengeschäft der Spar.

Bemerkenswert sind auch die Veränderungen bei Interspar/Maximärkte. Kaser, bisher Geschäftsführer der Interspar-Tochter, übernimmt, ebenfalls von Drexel, die  Ressortverantwortung für die Großfläche auf Vorstandsebene. Neuer Interspar- Geschäftsführer in Kasers Team wird Johannes Holzleitner, der seit 2012 unter Drexel den Bereich Lieferantenpolitik und  Sortimentsstrategie leitete und in dieser Funktion beachtliches Format bewies. Somit verlagert sich der berufliche Schwerpunkt des Salzburgers vom Warengeschäft  in den Vertriebsbereich.

Zu seiner Nachfolgerin und damit zur neuen Einkaufschefin und ersten Adresse für die Industrie avanciert Tanja Wiesmann, sie hat sich seit 2001 (!), also in 20 Jahren ihre Sporen als Sortimentsmanagerin im Warengeschäft der Spar verdient.  Weiters übernimmt Wiesmann von Holzleitner auch die Geschäftsführung der Firma EKS. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich  das Einkaufskontor Salzburg, ein Dienstleistungsunternehmen, das die Zentralregulierung gegenüber Lieferanten abwickelt. Nicht nur für die Food- und Nonfood-Lieferungen an Spar, Interspar/Maxi und Hervis, sondern auch für das Warengeschäft der Metro Österreich. Bekanntlich hält die Spar AG eine 32%-Beteiligung an Metro Österreich.

Zusätzliche Aufgaben kommen auf  Hans K. Reisch zu, der schon seit 2001 im Vorstand des Konzerns für Finanzen, Filialen (Spar Supermärkte, Eurospar) und Tann verantwortlich zeichnet und ab 2021 zusätzlich  für Controlling, Personal, Personalentwicklung und Recht zuständig sein wird. Überdies avanciert der Enkel des Spar-Gründers zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden.

Oberösterreicher: Marcus Wild kommt, Rudolf Staudinger geht

Nicht gerade leicht zu lösende Aufgaben warten auf das neue Vorstandsmitglied Marcus Wild. Sein „Kind“, das er zu beachtlicher Größe aufzog, die Konzerntochter SES, Immobilieninvestor und Managementgesellschaft der Spar Shoppingcenters in Österreich Italien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Tschechien, ist von den Corona-Shutdowns stark betroffen. Aber auch vom Verdrängungswettbewerb zwischen Amazon und den Shopping Malls mit ihren zahlreichen eingemieteten Nonfood-Retailern. Außerdem muss sich Wild demnächst auch auf Vorstandsebene um das Sorgenkind Hervis kümmern.

Neben Gerhard Drexel wechselt mit Rudolf Staudinger (er wird ebenfalls heuer 65) ein  weiteres Spar-Urgestein vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Ebenso wie Wild entstammt er einer oberösterreichischen Spar-Aktionärsfamilie. Staudinger hat seinerzeit die ZN Marchtrenk zu einem Musterbetrieb unter den sechs Regionalzentralen aufgebaut. Sein größter Verdienst: Er hat die Spar in Italien, wo bekanntlich die Wirtschaft nach besonders undurchsichtigen Spielregeln abläuft, vor drohenden finanziellen Kalamitäten bewahrt und das Geschäft in sichere Bahnen gelenkt. Damit schuf er die Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung der gesamten ASPIAG. Auch Guntram Drexel, Cousin von Gerd, zählt zu den Vätern des ASPIAG-Langzeiterfolges. Paul Klotz, der seit 2000 der Geschäftsführung von DeSPAR Italien angehört, tritt ab 2021 im Vorstand der Spar die Nachfolge Staudingers an und wird dort das gesamte Auslandsgeschäft leiten.

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger war unter anderem bei Henkel Austria und der Handelskette A&O beschäftigt, arbeitete 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift Regal, war 21 Jahre Herausgeber der Handelszeitschrift Key Account und ist seit Herbst 2014 als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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