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Gesunde Pillen

12.07.2002


Dass die neue Gewerbeordnung kein großer Wurf ist, darüber herrscht weitgehend Einigkeit...

Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel wächst und gedeiht. Die Bereitschaft der Österreicher zur Selbstmedikation steigt. Viele Konsumenten ziehen den anonymen, unkomplizierten Kauf im Supermarkt der Beratung in der Apotheke vor. Das Wachstumspotenzial für den LEH wird als enorm eingeschätzt.

Wellness hat Konjunktur, sich um Gesundheit und Wohlbefinden zu kümmern, entspricht dem Zeitgeist. Eine Reihe unterschiedlichster Produktkategorien widmet sich diesem Trend. Ein Kernsegment sind die so genannten OTCs, auch wenn diese Produktgruppe z. B. im LEH noch nicht zu den Kernkompetenzen zählt.

Erstmals von Nielsen erhoben, ist der OTC-Bereich derzeit eine knappe Milliarde schwer. Sicher ist, dass der OTC-Bereich derzeit einer der am stärksten wachsenden Märkte ist und speziell für den Handel noch enorme Wertschöpfungspotentiale vorhanden sind. Allein das Segment der Nahrungssupplemente ist gesamt (DFH+LEH) lt. Nielsen rund 450 Mio. Schilling schwer, wovon jedoch noch weniger als im LEH abgesetzt wird.
Supplemente sind als Nahrungsergänzung- und als Arzneimittel auf dem Markt. Üblicherweise sind es Produkte, die in Form von Kapseln, Dragées, Kau- oder Brausetabletten sowie Pulvern angeboten werden.
Im Vergleich zu den rezeptfreien Arzneimitteln weisen Nahrungsergänzungen ein deutlich größeres Wachstum auf.

Das Spektrum der als Nahrungsergänzungsmittel angebotenen Substanzen ist sehr breit und reicht von Vitaminen und Mineralstoffen über sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Flavonoide, Carotinoide) bis hin zu Auszügen bestimmter Lebensmittel. Auch wenn sich die Dynamik vergangener Jahre etwas abgeschwächt hat, ist durch den Rückgang ärztlicher Verordnungen und Restriktionen der Sozialversicherungen hinsichtlich der Kassenfreiheit auch für die Zukunft mit deutlichen Steigerungen beim Absatz von OTC-Produkten im DFH, aber auch im LEH zu rechnen.

Wichtiger Faktor für die weitere Marktentwicklung wird auch das legislative Vorgehen der EU, die durch Freigabe diverser Substanzen zum rezeptfreien Verkauf bzw. als Nahrungsergänzungsmittel zur Dämpfung der staatlich getragenen Gesundheitskosten beiträgt.

Wissenschaftliche Studien bestätigen immer öfter den günstigen Effekt von Nahrungsergänzungen im Präventionsbereich. Geschätzte 20% der Bevölkerung nehmen mehr oder weniger regelmäßig Supplemente ein. Frauen signifikant mehr als Männer. Mit steigendem Alter nimmt die Einnahmehäufigkeit zu. Außerdem korreliert die Nahrungssupplementierung mit einer höheren Bildung und vermehrter sportlicher Aktivität.
Obwohl die Bevölkerung generell einen guten Versorgungszustand aufweist, ist die Aufnahme einzelner Nährstoffe in bestimmten Gruppen (abhängig von Geschlecht, Alter, sozialem Status) unterhalb der Referenzwerte. Dies betrifft einzelne Vitamine ebenso wie Mineralstoffe. Grund hierfür ist nicht die ungünstige Zusammensetzung der verfügbaren Lebensmittel, sondern falsches Ernährungsverhalten.

Einzelne dieser Nährstoffe haben nicht nur die bekannten nutritiven Eigenschaften, sondern auch noch weiter gehende physiologische Effekte.
Jüngere Studien widerlegen auch, dass Nahrungsergänzungen lediglich der Gewissensberuhigung dienen. Ganz im Gegenteil, sorgt beispielsweise erst die Einnahme von Vitaminpräparaten für eine ausgewogene Nährstoffversorgung und einen gesundheitsbewussten Lebensstil.
Als Kaufort dominiert noch, aufgrund der Beratung, die Apotheke. Dort werden auch knapp 80% des Gesamtumsatzes getätigt. Informationsquellen zu Supplementen sind Arzt, Apotheke und Fernsehen.

Als eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf von Supplementen wird deren Zusammensetzung erachtet. Von der Einnahme versprechen sich Konsumenten einen verbesserten Krankheitsschutz. Empfundene Veränderungen als Folge des Supplementenkonsums sind die Besserung des Allgemeinbefindens, der Leistungsfähigkeit, Fitness und Vitalität. Schon heute nehmen Umsatz und Ertrag überproportional mit der Ausdehnung dieses Sortimentsbereiches zu. Eine zu zaghafte Präsenz des OTC-Sortiments sei eher kontraproduktiv. Wer sich grundsätzlich diesem Bereich widmet, sollte sich, so OTC-Experten, daher für ein größeres Angebot entscheiden. Denn Kompetenz würde erst ab einer bestimmten Regalpräsenz wahrgenommen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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