Direkt zum Inhalt
Die Testsieger des Schokoladen-Checks 2018

Global 2000 Schokoladen-Check: Viele noch nicht zertifiziert

13.06.2018

Die NGOs Südwind und GLOBAL 2000 veröffentlichen gemeinsam den Schokotafel-Check 2018. Das Ergebnis zeigt, dass es weiterhin notwendig ist von Handel und Markenfirmen die Umstellung ihrer Schokoladen auf Bio und Fairtrade einzufordern.

Die Österreicher gehören mit 8,5 Kilo pro Kopf-Schokokonsum nach Deutschland (11,5 kg), der Schweiz (11,1 kg) und den Niederlanden (8,9 kg) zu den Spitzenreitern im Schokolade-Naschen. Beim Schokoladen-Check 2018 wurden 27 Schokolade-Tafeln unterschiedlicher Marken in österreichischen Supermärkten gekauft und auf ihre ökologische und soziale Qualität getestet. Bewertet wurden die Süßwaren anhand eines Ampelsystems. Testsieger waren „Carino Zartbitter“ von EZA, „free from Bio-Vollmilch-Schokolade“ sowie „Premium Zotter“ von Spar, „Bio-Vollmilchschokolade mit ganzen Haselnüssen“ von Ja! Natürlich und „Fairglobe Bio-Vollmilch-Schokolade“ von Lidl. 12 weitere Produkte konnten ebenfalls mit „grün“ bewertet werden, sechs waren nicht ausreichend zertifiziert, 4 wurden als sozial und ökologisch bedenklich eingestuft. „Wir freuen uns über das Plus an bio-fairen Schokoladen in den Supermarktregalen. Trotzdem sind viele noch unzureichend oder gar nicht zertifiziert. Gerade die großen Marken stehen in der Verantwortung,“ sagt Caroline Sommeregger, Kakao-Expertin von Südwind, zum Ergebnis. Erschwerend kommt für Sommeregger hinzu dass, auch Supermärkte ihre bio-fairen Produkte leicht genug zugänglich machen. Teilweise wird die einzige bio-faire Schokolade des Sortiments nur bei den laktosefreien Produkten angeboten.

 Pestizidalarm

Besonders erschreckend: In 17 der 24 getesteten Schokoladentafeln konnten Pestizide nachgewiesen werden. Teilweise bis zu sechs verschiedene in einer Tafel. Zwar bergen die festgestellten Mengen keinen direkten Gesundheitsrisiken für Konsumenten, aber einige der Chemikalien (wie z.B. Chlorpyrifos und Cypermethrin) sind hormonell wirksam, was auch in kleinsten Mengen Auswirkungen haben kann. Die nachgewiesenen Rückstände deuten auf einen massiven Einsatz in der Produktion hin, obwohl Kakao auch ohne solche Schadstoffe hergestellt werden kann. Das beeinflusst nicht nur die Gesundheit der Schoko-Fans, sondern vor allem die der Kakao-Bauern und Plantagenarbeiter, sowie die Umwelt.

Kakaoplantagen statt Schule

Alleine in Europa werden im Jahr 2017 Schätzungen zufolge fast 30 Milliarden Euro mit Schokolade umgesetzt. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl sind dies etwa 55 Euro/Person. Dafür werden weltweit rund 4.2 Millionen Tonnen Kakaobohnen pro Jahr produziert. Doch das Geschäft mit der beliebten Nascherei hat auch einen bitteren Beigeschmack. Zwar wird der Großteil der Schokolade in Europa (Weltmarktanteil 47%), gefolgt von den USA (20%) konsumiert, doch die Kakaoproduktion erfolgt ausschließlich im Globalen Süden (Afrika, Lateinamerika und Asien). Dort wird für die Ernte und Verarbeitung des Rohstoffs noch immer Kinderarbeit eingesetzt. Alleine in Ghana und in der Elfenbeinküste arbeiten über zwei Millionen Kinder im Kakaoanbau. Schon 2001 haben sich alle großen Schokolade-Unternehmen im Harkin-Engel-Protokoll auf die Abschaffung von Kinderarbeit im Kakaoanbau geeinigt. Laut dem Abkommen soll die Kinderarbeit bis 2020 beseitigt werden. Die Zeit könnte für die Schoko-Hersteller allerdings knapp werden, schließlich sind es nur noch knappe 18 Monate um ihr Ziel zu erreichen.

Niedrige Preise & Marktkonzentration

Die negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen der Kakaoproduktion sind auf den geringen Preis zurückzuführen den Bauern für ihre Ware bekommen. Dabei spiegeln die unterschiedlichen Preise am Supermarktregal nicht unbedingt höhere oder niedrigere Kosten beim Rohstoffeinkauf wider. Hier spielen viele andere Faktoren, wie etwa die Vermarktungsstrategie, Preisschwankungen, schlechte Organisation der Betriebe oder Ernteeinbußen, ein große Rolle. Heute ist der Kakaoanbau allgemein kaum noch rentabel. Die finanzielle Not macht den Anbau von Kakao nicht gerade zu einer attraktiven Branche, sondern veranlasst Bauern eher dazu in andere Agrarsektoren abzuwandern. Und das, obwohl die weltweite Kakaoproduktion sogar bis zu 20 Prozent gesteigert werden müsste, um den Bedarf der kommenden Jahre zu decken.

Marktkonzentration

Zusätzlich wird der Markt von wenigen großen Konzernen dominiert. Die Europäische Kommission hat 2015 die geplante Übernahme der Industrieschokoladensparte der „Archer Daniels Midland Company“ (ADM) durch Cargill nach der EU-Fusionskontrollverordnung unter Auflagen genehmigt. Damit wird die Herstellung von Industrieschokolade in Zukunft zu etwa 75 Prozent von den fusionierten Kakaokonzernen „Cargill/ ADM“ (USA) und dem Schweizer Konzern „Barry Callebaut“ kontrolliert. Auf der Ebene der für den Endkunden produzierenden Schokoladen- und Süß­warenhersteller (Mars, Mondelez, Nestlé etc.) beherrschen sechs Konzerne fast 70 Prozent des Marktes. Durch den steigenden Anteil von Eigenmarken-Schokoladenprodukte trägt auch die Konzentration im Einzelhandel zu einer zunehmenden Abhängigkeit der Produzenten bei. Zum Beispiel haben allein in Österreich die drei Handelsketten Rewe, Spar und Hofer zu ca. 85 Prozent die Oberhand.

 

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung
Werbung