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Fast die Hälfte aller österreichischen Konsumenten achten beim Lebensmitteleinkauf auf Gütezeichen

Greenpeace: Ein Drittel der Gütezeichen ist nicht vertrauenswürdig

12.02.2018

Die unabhängige Umweltschutzorganisation hat die 26 wichtigsten Lebensmittel-Gütezeichen überprüft. Im Report „Zeichen-Tricks“ gab es die besten Noten im Bio-Bereich, rote Karten jedoch für MSC, RSPO und  Rainforest Alliance.

In ihrem Anfang Februar veröffentlichten Report „Zeichen-Tricks“ hat Greenpeace die wichtigsten Kennzeichnungen für Lebensmittel, die von den zehn größten österreichischen Supermarktketten verwendet werden, genauer unter die Lupe genommen. Das alarmierende Ergebnis: Ein Drittel der im Handel verbreiteten Gütezeichen ist nach Ansicht der Umweltschutzorganisation nicht vertrauenswürdig oder sogar kontraproduktiv für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Die besten Noten vergibt Greenpeace im Bio-Bereich.

47 Prozent orientieren sich an Gütezeichen

Laut einer Online-Umfrage von Greenpeace achten 47 Prozent der Österreicher beim Einkauf von Lebensmittel auf Gütezeichen. Am bekanntesten unter den Konsumenten ist das konventionelle AMA-Gütesiegel – über 70 Prozent der Befragten fiel es auf Nachfrage spontan ein. Erst an zweiter Stelle wurden diverse Bio-Zeichen genannt. „Viele Menschen kaufen konventionelle Fleischprodukte, auf denen das AMA-Gütesiegel prangt, mit gutem Gewissen. Was sie aber nicht wissen: Ein Griff zu Bioprodukten hätte eine höhere ökologische Wirkung“, erklärt Nunu Kaller, Konsumentensprecherin bei Greenpeace in Österreich.

Die 26 wichtigsten Lebensmittel-Gütezeichen wurden von Greenpeace daher auf einer fünfstufigen Skala bewertet, von „Sehr vertrauenswürdig und besonders nachhaltig“ bis zu „Absolut nicht vertrauenswürdig bzw. kontraproduktiver Beitrag zu Nachhaltigkeit“. Der Schwerpunkt lag auf den Umweltkriterien, zusätzlich wurden Tierschutz- und Sozialkriterien berücksichtigt. „Über allem stand für uns die Frage, ob man als Konsumentin oder Konsument dem Gütezeichen vertrauen kann“, sagt Kaller.

14 Gütezeichen schnitten sehr gut ab

Die gute Nachricht vorweg: Immerhin 14 der 26 überprüften Gütezeichen sind laut der NGO empfehlenswert – darunter alle Bio-Siegel, Fairtrade, das V-Label oder das „Ohne Gentechnik hergestellt“-Zeichen. Und auch ein Blick auf die Bio-Marken der Supermärkte endet positiv: Diese gehen in ihren Produktionsstandards teilweise sogar weit über die EU-Bio-Verordnung hinaus. Nur im Mittelmaß ortete Greenpeace das konventionelle AMA-Gütesiegel. Besonderer Kritikpunkt war die immer noch erlaubte Fütterung mit gentechnisch veränderten Futtermitteln in der heimischen Schweinehaltung. Auch der Einsatz von Antibiotika bei AMA-Schweinen sei laut Greenpeace weiterhin ungebremst hoch. Für sechs Siegel gab es eine dunkelrote „Fünf“, wurden also als „absolut nicht vertrauenswürdig“ bewertet. Eines davon ist das Meeresfisch-Siegel MSC. Aber auch das Palmöl-Label RSPO, das Aquakultur-Label ASC, Pro Planet, Rainforest Alliance fielen durch.

Positiv überzeugt haben die gängigen Biomarken, von Hofers „Zurück zum Ursprung“ bis zu Rewes „Ja!Natürlich“. „Hier können wir Österreichs Handel ausdrücklich loben, die jeweiligen Bio-Eigenmarken der einzelnen Supermärkte sind durchgehend vertrauenswürdig. Der Griff nach Bio-Produkten, die regional erzeugt wurden, ist in jedem Fall die ökologischste Kaufentscheidung, die man im Supermarkt treffen kann“, betont Kaller.

Greenpeace spielt den Ball der Politik zu

Die unabhängige Umweltschutzorganisation fordert nun von der österreichischen Politik gesetzliche Maßnahmen gegen den herrschenden Missbrauch bei sogenannten Nachhaltigkeits-Gütezeichen. Greenpeace möchte, dass Gütezeichen, die der Umwelt mehr schaden als nutzen, vom Markt verschwinden. Wer mit einem Nachhaltigkeits-Zeichen werben will, sollte künftig ökologische Qualitäts- oder Produktionsstandards nachweisen müssen, die deutlich über den üblichen Produktionsbedingungen oder gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. Darüber hinaus fordert Greenpeace, dass Gütezeichen erst dann auf die Lebensmittel gedruckt werden dürfen, wenn die hergestellten Produkte tatsächlich die für das Gütezeichen definierten Kriterien erfüllen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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