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Guter Start für Nestlé

23.04.2018

Dank steigenden Nachfrage aus Asien und Europa ist Nestlé zu Jahresbeginn wieder schneller gewachsen. Trotzdem hat der Konzern weiterhin mit Herausforderungen an mehreren Fronten zu kämpfen.  

Das um Sondereffekte bereinigte organische Wachstum des Nahrungsmittelherstellers lag im ersten Quartal bei 2,8 Prozent. In absoluten Zahlen kletterte der Umsatz um 1,4 Prozent auf 21,3 Mrd. Franken (17,8 Mrd. Euro), auch die Aktie legte um 1,1 Prozent zu. Damit schnitt der Schweizer Konzern auch besser ab als von Analysten erwartet. Obwohl alle Regionen zu dem positiven Ergebnis beigetragen haben ist das Wachstum vor allem dem steigenden Absatz in Schwellenländern zuzurechnen. Das organische Wachstum in Afrika, Ozeanien und Asien war mit 4,7 Prozent am stärksten. "Die Entwicklung des organischen Wachstums setzt uns auf Kurs, um unseren Ausblick für 2018 und unsere Ziele für 2020 zu erreichen", sagte Nestle-Chef Mark Schneider, der für das laufende Jahr mit einem organischen Wachstum zwischen 2 und 4 Prozent rechnet.

Unerwünschte Preiserhöhungen

Früheren Wachstumsraten von 6 Prozent und mehr hinkt der Konzern mit diesen Aussichten aber hinterher. Grund dafür sind auch die verhaltenen Preiserhöhungen, wegen der geringen Inflation. Im ersten Quartal stiegen die Preise Konzernweit nur um 0,2 Prozent. In Amerika und Europa sanken sie sogar. Zu schaffen macht Nestlé vor allem die schlechte Konsumentenstimmung im viertgrößten Markt Brasilien. Durch den dortigen deflationären Druck kam es zu einer negativen Preisanpassungen von 0,4 Prozent. In der Region Nord- und Südamerika resultierte allgemein ein schwaches Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In West- und Osteuropa ist die Lage zwar ähnlich, vor allem in Russland, aber dort ist die Lage durch das Wachstum im Bereich Heimtiere weniger brenzlig. Gut gelaufen ist auch das Kaffeegeschäft in Großbritannien, unter anderem durch die Neueinführung von Nescafe Gold.

Preiskrieg mit Händler-Verband

Wie schwierig das Umfeld ist, zeigt auch der Streit zwischen Nestle und den europäischen Einzelhändlern-Verband Agecore, mit keinen geringeren Mitgliedern wie der deutschen Edeka und Coop in der Schweiz. Im Zuge der Preisverhandlungen haben die Händler im Verlauf des ersten Quartals mehrere Nestlé-Produkte aus den Regalen genommen, um den weltweit größten Nahrungsmittelkonzern zum Einlenken zu zwingen. Eine Einigung steht bisher noch aus.

Die Sorgenkinder

Die Marktverhältnisse sind alles andere als einfach. In der Sparte Wasser haben widrige Wetterverhältnisse die Nachfrage nach Nestle Waters in Europa und Nordamerika beeinträchtigt (+0,5%). Während der größte Bereich der Region Südasien, die Säuglingsnahrung ebenfalls hinter den Erwartungen, obwohl hier Innovationen bei Maggi und KitKat sehr gut ankamen. Dafür konnte die Sparte Hautgesundheit, die dem Konzern letztes Jahr wegen Wertminderung eine Gewinneinbuße bescherte, im letzten Quartal schon ein "verbessertes Wachstum" verzeichnen. Im gesamten Geschäfts-Bereich bleibt nach wie Nespresso, mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Bereich, auf der Überholspur

Abstoßen & Ausbauen

Um den Konzern am laufenden zu halten stößt Schneider schlecht laufende Geschäftsfelder ab. Den Verkauf des US-Süßigkeitengeschäfts an den Nutella-Hersteller Ferrero hat der Konzern Ende März abgeschlossen. Andere Segmente wie Babynahrung, Tiernahrung, Wasser und Kaffee will Schneider dagegen ausbauen auch über Zukäufe. Das Kaffee-Geschäft in den USA etwa hat der Konzern über zwei kleinere Übernahmen gestärkt. Zudem kaufte Nestle die auf Vitamine und Nahrungsmittelzusätze spezialisierte kanadische Firma Atrium Innovations. All das soll helfen, bis 2020 wieder ein mittleres einstelliges Wachstum zu erreichen, bis sich der Konzernumbau in den Zahlen niederschlägt kann es aber noch dauern.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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