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Händler drosseln Expansionstempo

10.02.2009

Die unsichere Wirtschaftslage lässt die Händler vorsichtiger werden, denn sie haben ihre Expansionsziele im Vergleich zum Vorjahr deutlich gedrosselt. RegioPlan hat 445 expansionswillige Unternehmen aus den wichtigsten 20 Handelsbranchen nach ihren Plänen befragt, das Ergebnis: Rund 1.800 Standorte werden österreichweit in diesem Jahr gesucht. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 2.200 Standorte.

Der Bekleidungshandel ist immer noch jene Branche, in der die meisten Standorte gesucht werden.

Expansionswille abhängig von der Branche!

Der Bekleidungshandel ist immer noch jene Branche, in der die meisten Standorte gesucht werden, jedoch um 13 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Der Lebensmittelhandel, auf Platz zwei der expansivsten Branchen, scheint sich dagegen weniger von der drohenden Krise beeinflussen zu lassen. Die Anzahl der gesuchten Standorte ist gleich geblieben. In der Gastronomie und im Sportartikelhandel ist die Expansionslust sogar gestiegen. Der Elektro- und der Schuhhandel hingegen steigen deutlich auf die Bremse.

Vorsicht, aber noch keine Krise im Handel!

"Wir sehen noch keine gravierenden Veränderungen oder Umsatzeinbrüche im Einzelhandel", erklärt DI Wolfgang Richter, Geschäftsführer vom Standort-berater und Handelsexperten RegioPlan Consulting. Von Krise also keine Spur? "Noch", meint Richter, "die Bankenkrise betrifft die meisten Konsumen-ten nicht persönlich, zusätzlich ist die Inflation gesunken, doch die Folgen der Wirtschaftskrise werden den Handel mittelfristig nicht verschonen", so Richter weiter. "Allmählich beginnen die vielen Katastrophenmeldungen bei den Konsumenten zu wirken. Sie bekommen Angst und kaufen weniger. Das zweite Halbjahr wird schwierig, aber nicht jede Branche wird gleichermaßen betroffen sein."

Expansionslust gesunken!

Trotz hoher Marktkonzentration und Übersättigung stieg die Expansionslust der Händler seit 2006 extrem stark an und erreichte 2008 seinen Höhepunkt mit rund 2.200 gesuchten Standorten. Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage lässt 2009 dieser Expansionsdrang merklich nach und sinkt wieder auf das Niveau von 2007. Aktuell suchen 445 Unternehmen insgesamt nach 1.831 Standorten in Österreich, das sind um 17 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. "Der Expansionsdrang ist dennoch nach wie vor hoch", erläutert Mag. Hanna Bomba-Wilhelmi, Geschäftsführerin und Head of Marketing bei RegioPlan, die Untersuchungsergebnisse der aktuellen Studie "Wer expandiert in Österreich - Ausgabe 2009. "Im Boomjahr 2007 wurden ebenso viele Standorte gesucht wie für das prognostizierte Krisenjahr 2009, das ist beachtlich", so Bomba-Wilhelmi weiter. Das Angebot vor allem an geeigneten Immobilien ist aber begrenzt. Gute Standorte zu finden ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhafen und umso schwieriger, je mehr Standorte ein Unternehmen bereits hat. Ein profitables, flächendeckendes Filialnetz aufzubauen bedarf sorgfältiger Planung. RegioPlan hat bereits zahlreiche große Unternehmen bei ihren Expansionsvorhaben beraten und begleitet und hat dafür maßge-schneiderte Lösungen. "In Krisenzeiten sind Standortanalysen kein nice-to-have sondern eine Notwendigkeit", ist Bomba überzeugt.

Elektrohandel besonders vorsichtig!

Der Expansionsdrang in Österreich wird im wesentlichen vom Bekleidungs-, Lebensmittel- und Elektrohandel, sowie der Systemgastronomie getragen. Der Expansionsmotor ist der Bekleidungshandel mit knapp 580 gesuchten Standorten. Der Lebensmittelhandel hält nach rund 260 Standorten Ausschau und liegt damit auf Platz zwei der expansivsten Branchen. Danach folgt die Systemgastronomie und der Elektrohandel. Doch im Gegensatz zur Gastronomie, wo sogar mehr Standorte gesucht werden als im letzten Jahr, bricht in der Elektro- und Telekombranche die Nachfrage deutlich ein. Keine Veränderung zum letzten Jahr verzeichnet hingegen der Lebensmittel- und der Spielwarenhandel.

Krise "noch" nicht beim Handel angekommen!

Eine Häufung von schlechten Nachrichten löst immer eine Konsumzurückhaltung aus. Derzeit reagieren die Konsumenten aber erstaunlich gelassen auf die täglich neuen Hiobsbotschaften und geben weiterhin Geld aus - noch. Das hat zum Teil mit der gesunkenen Inflation zu tun aber auch damit, dass sich die Konsumenten von der Bankenkrise nicht persönlich betroffen fühlen. Das wird sich dann ändern, wenn die Krise auch in der realen Wirtschaft voll angekommen ist. "Wir gehen davon aus, dass Österreich nicht so stark betroffen sein wird wie etwa die USA oder Deutschland, die viel stärker vom Export abhängig sind, verschont werden wir jedoch nicht", ist Richter überzeugt. "Ab dem zweiten Halbjahr wird es für einige Händler schwierig werden", prognostiziert DI Richter.

Nicht alle Branchen gleich stark betroffen!

Nicht alle Branchen wären von einer Konsumzurückhaltung gleich stark betroffen. Der Lebensmittel- und Drogeriehandel werden eine Konsumzurückhaltung am wenigsten spüren, da es sich hier um tägliche Verbrauchsgüter handelt. Aber auf Branchen wie den Möbel-, Elektro-, Schuh- oder Schmuckhandel aber auch den Bekleidungshandel kommen schwierigere Zeiten zu. "Zuerst ver-schiebt man größere Investitionen wie eine neue Küche oder ein Auto, verzichtet auf die Designeruhr oder den Flat-TV und zur Not kann auch das neue Outfit warten", erklärt Bomba-Wilhelmi.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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