Direkt zum Inhalt
Der Großteil der Lebensmittelabfälle fällt in den privaten Haushalten an. Der Handel ist nur für einen 5%-Anteil verantwortlich und arbeitet freiwillig eng mit Tafelorganisationen und Sozialmärkten zusammen.

Handel ist Vorreiter bei der Reduktion von Lebensmittelabfällen

25.09.2019

Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel geht laut Schätzung der Vereinten Nationen verloren, wobei die Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette stattfindet: Produktion, Vertrieb, Konsumation – in Restaurants, Geschäften und vor allem im privaten Umfeld.

"Lebensmittel sind zu kostbar, um weggeworfen zu werden. Daher unterstützt der heimische Handel freiwillige Initiativen wie 'Lebensmittel sind kostbar', um die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und die Weitergabe an Sozialorganisationen aktiv zu fördern. Supermärkte in ganz Österreich geben nicht mehr verkäufliche, aber noch genießbare Lebensmittel an Tafeln und andere Sozialeinrichtungen weiter. Maßnahmen, die in anderen europäischen Ländern gesetzlich vorgeschrieben werden mussten, sind in Österreich seit vielen Jahren gelebte Realität", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Eine entscheidende Säule im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ist die Weitergabe an Sozialeinrichtungen. Mittlerweile werden laut BMNT pro Jahr 12.250 Tonnen Lebensmittel vom Handel an Sozialorganisationen gespendet. Darüber hinaus werden 10.000 Tonnen an nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zur Futtermittelherstellung verwertet. Österreich ist damit im internationalen Vergleich ein absolutes Vorzeigeland. Lebensmittelgeschäfte, in deren Umgebung es eine Tafel, einen Sozialmarkt oder eine andere entsprechende Initiative gibt, arbeiten mit diesen zusammen – freiwillig, effizient und ohne gesetzlichen Zwang.

Gesetzlicher Zwang als zweischneidiges Schwert

Gesetzliche Regelungen wie in Frankreich und Tschechien, wo Lebensmitteleinzelhändler unter bestimmten Rahmenbedingungen gesetzlich verpflichtet wurden, überlagerte Lebensmittel an karitative Organisationen abzugeben, haben sich hingegen als weitgehend ineffizient und kontraproduktiv herausgestellt. Vielfach fallen große Mengen an Warenspenden in teils fragwürdiger Qualität an, welche von den Sozialeinrichtungen trotzdem übernommen und verteilt werden müssen. Fehlen den karitativen Einrichtungen die erforderlichen Lager und Transportmittel, ergeben sich in der Praxis weitere Probleme. Darüber hinaus gibt es in Österreich – im Gegensatz zu Frankreich – bereits seit 2004 ein Deponierungsverbot für organische Abfälle, demzufolge Lebensmittel biologisch verwertet werden müssen.

Nur 5% der Lebensmittelabfälle vom Handel

"Eines ist klar: Es braucht zusätzliche Anreizmodelle seitens der Politik, eine Vereinfachung der Lebensmittelweitergabe und Logistik sowie eine Verbesserung des in Österreich bewährten Fünf-Stufen-Prinzips. Neue Gesetze können hingegen wenig bewirken, zumal ein Großteil der Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten anfällt. Laut Greenpeace stammen 42% der heimischen Lebensmittelabfälle im Rest- und Bio-Müll aus Haushalten, aber nur 5% aus dem Handel", so Rainer Will. Entscheidend ist, die Lebensmittelverschwendung dort zu bekämpfen, wo sie tatsächlich passiert. Eine deutliche Reduktion wäre vor allem in den privaten Haushalten möglich. Hierzu braucht es entsprechende Anreize und Sensibilisierungsmaßnahmen beim Endverbraucher. Nur so kann das Ausmaß der Lebensmittelabfälle bis 2025 um 30% reduziert und bis 2030 halbiert werden.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

v.l.n.r.: Anton Santner (Geschäftsführer P8 Marketing), Prok. Dr. David Pfarrhofer (Institutsvorstand von market Marktforschung), Robert Machtlinger (CEO FACC AG), Mario Derntl, BA (z.l.ö.-Generalsekretär), DDr. Werner Steinecker (Generaldirektor Energie AG Oberösterreich und z.l.ö.-Präsident)
Thema
15.05.2020

Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft. Das gilt auch für den Bereich der Lehrlingsausbildung. Eine von z.l.ö. – zukunft.lehre.österreich. - in Auftrag ...

Der Wegfall der Gastronomie sorgte für verstärkte Einkäufe der Privathaushalte.
Thema
13.05.2020

Seit wenigen Tagen liegen die RollAMA-Marktdaten für das erste Quartal 2020 vor. 2.800 Haushalte zeichnen dafür ihre Einkäufe auf. Wie erwartet legte der Lebensmitteleinzelhandel im März kräftig ...

Rainer Will: "Für Stundungen muss man einen Liquiditätsengpass nachweisen und gleichzeitig soll die Einbringlichkeit der Forderungen gesichert sein - dieser Widerspruch muss aufgelöst werden!"
Thema
05.05.2020

Wer das wirtschaftliche Überleben seines Unternehmens und Arbeitsplätze sichern will, sollte dafür keine persönliche Haftung fürchten müssen. Dafür braucht es aber eine sofortige Klarstellung ...

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will fordert die Gleichbehandlung von Handelsbetrieben aller Lagen und Größen - und von der Politik, endlich eCommerce-Anbieter aus Drittstaaten in die Pflicht zu nehmen.
Handel
16.04.2020

Seit 14. April darf ein großer Teil des heimischen Handels wieder offen halten. Der Handelsverband hat die ersten Effekte der Wiederöffnung beleuchtet und stellt Forderungen für die Zukunft.

Thema
06.04.2020

Zumindest Lockerungen des derzeitigen Shutdowns sollten für Geschäfte aller Größenordnungen möglich sein. Der Handelsverband hat auch eigene Vorschläge, wie das funktionieren könnte.

Werbung