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Handel testet Alternativen zum Plastiksackerl

16.02.2011

Der Kampf ums Plastiksackerl hat begonnen: Nachdem Kritik von Umweltorganisationen in den vergangenen Wochen laut geworden ist, sucht der Handel nach Alternativen. Fündig sind sie noch nicht geworden, wie ein Lokalaugenschein der APA zeigt.

Die Frage „Wollen Sie ein Gratissackerl?“ wird man in den dm-Drogerien so bald nicht mehr hören. Stattdessen können Kunden, die auf das Sackerl verzichten, Bonuspunkte sammeln. Das Unternehmen wolle Konsumenten für den Verzicht sensibilisieren, erklärte dm-Pressesprecher, Stefan Ornig, auf APA-Anfragen. Sehr geholfen habe dabei die mediale Diskussion, angeregt durch das seit heuer geltende Plastiksackerl-Verbot in Italien.

Seit Mai vergangenen Jahres verleiht dm Stofftaschen für ein Pfand von einem Euro, womit 2010 laut dem Unternehmen zehn Prozent der Plastiksackerl eingespart worden sind. Heuer sei die Nachfrage nach diesen Pfandtaschen so groß, dass der Drogeriemarkt mit der Produktion nicht mehr nachkomme. Deshalb werden in den nächsten Wochen „unbedruckte, nackerte Baumwollsackerl“ ausgegeben, so Ornig. Im Jänner seien pro Tag so viele Pfandtaschen ausgegeben worden, wie im Jahr davor in einem ganzen Monat. Mit der seit Anfang Februar laufenden Aktion „Ökopunkte statt Einwegsackerl“ habe dm alleine in der ersten Woche rund 130.000 Plastiktaschen eingespart.

Der Lebensmittelkonzern Spar setzt seit 2007 auf Bioplastiktaschen. Bisher nur bei Interspar erhältlich, sollen die kompostierbaren Sackerln demnächst an den Kassen von Spar, Eurospar und Spar Gourmet verfügbar sein, sagte Sprecherin Nicole Berkmann. Ein Viertel aller Tragetaschen bestehe mittlerweile aus umweltfreundlich verrottbarem Bioplastik. Bei den „Bio-Sackerln“ ersetzt Kartoffelstärke aus Europa den Plastik-Rohstoff.

Daneben werden sogenannte „longlifebags“ angeboten: Taschen aus Baumwolle oder anderem Gewebe, die auf mehrmalige Verwendung ausgerichtet sind. „Die umweltfreundlichste Alternative wäre der eigene Einkaufskorb, der lässt sich aber nicht zusammenklappen“, so Berkmann. Derzeit arbeitet Spar an Alternativen für den „Knotenbeutel“, die kleinen, durchsichtigen Gratissackerln in der Gemüse- und Obstabteilung. Papier statt Plastik sei deshalb nicht möglich, weil der Inhalt für die Verkäufer an der Kassa auf einen Blick sichtbar sein muss. Ab März testet Spar, ob milchige Bio-Sackerl die Plastik-Knotenbeutel dennoch ersetzen können.

Rewe (u. a. „Billa“, Merkur“, „Penny“) setzt auf Wahlmöglichkeit der Kunden, wie Pressesprecherin Corinna Tinkler sagte: „Der Kunde soll zwischen Plastiksackerl, Kartoffelstärkesackerl, die es in den Billa-Filialen gibt, oder Papiersackerl wählen können.“ Alternativen zum kostenlosen Knotenbeutel gebe es nicht. Zum Plastiksackerl-Verbot in Italien bemerkte Tinkler, dass die Länder mit ihren unterschiedlichen Sammel- und Verwertungssystemen nicht miteinander vergleichbar seien.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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