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Handels-KV: Gewerkschaft will Ausgleich

29.10.2018

Die Verhandlungen für den Handels-KV starten mit einigen Forderungen der Gewerkschaft. Arbeitnehmervertreter wollen neben einer „ordentlichen Gehaltserhöhung“ einen finanziellen Ausgleich für die Arbeitszeitflexibilisierung, sowie eine leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche.

Die Angestellten müssten "vom goldenen Herbst profitieren", forderte Franz Georg Brantner, Verhandlungsleiter der Arbeitnehmervertreter vergangene Woche anlässlich der anstehenden Handels-KV-Verhandlungen. Ausgangspunkt der Verhandlungen bildet die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate. Die Teuerung lag in dem Zeitraum bei rund 2 Prozent. Mehr Gehalt ist laut der Gewerkschaft Privatangestellten (GPA) vor allem auf Grund der guten Umsatz- und Gewinnentwicklung in der Handelsbranche gerechtfertigt. Aktuell liegt das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte im alten Handels-KV bei 1.586 Euro brutto pro Monat (1.276 Euro Netto) und im neuen KV bei 1.636 Euro brutto (1.308 Euro Netto). Beim Abschluss im vergangenen Jahr einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf eine Erhöhung der Mindestgehälter von 2,35 bis 2,6 Prozent. Seit Dezember 2017 gilt der neue, reformierte Handels-KV. Die rund 80.000 Handelsbetriebe haben allerdings bis Ende 2021 Zeit, auf das neue Schema umzusteigen. Die großen Handelsketten haben laut Gewerkschaftsangaben noch nicht auf den neuen Handels-KV umgestellt.

Eine Entschädigung für mehr Arbeit

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen will die GPA auf einen Ausgleich für die im Juli von ÖVP, FPÖ und NEOS beschlossene Arbeitszeitflexibilisierung drängen. Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass angeordnete 12-Stundendienste wahrscheinlicher werden, vor allem zur Weihnachtszeit. Das könnte vor allem Frauen mit Kinderbetreuungspflichten vor große Probleme stellen. Immerhin sind knapp zwei Drittel der rund 400.000 Angestellten im Handel in Österreich Frauen, im Einzelhandel liegt der Frauenanteil noch etwas höher. Außerdem ist nach Karl Dürtscher, Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, die Freiwilligkeit bei Überstunden angesichts der knappen Personalressourcen in der Handelsbranche und zahlreichen "All-In-Verträgen" problematisch.

Mehr Urlaub und mehr Zeit

Eine weitere zentrale Forderung der Gewerkschaft in den kommenden KV-Verhandlungen ist die schon seit langem verlangte, leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche. Momentan kommen Beschäftigte im Handel laut Kollektivvertrag nur dann in den Genuss von sechs Wochen Urlaub im Jahr, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten. Wobei die Baumarktketten Hornbach und Obi hier als Positivbeispiel voran gehen (Vollzeit-Einstiegsgehalt von 1.820 brutto und 6 Wochen Urlaub ab dem zweiten Jahr). Die Gewerkschaft hat sich aber noch weitere Ziele gesetzt: Die Arbeitszeit pro Mitarbeiter an den umsatzstarken Tagen 24. und 31. Dezember soll beschränkt und besser bezahlt werden. Weiterbildung sollte durch einen Anspruch auf die 4-Tage-Woche und einen Rechtsanspruch auf Bildungskarenz gefördert werden. Für ältere Arbeitnehmer drängen die Arbeitnehmervertreter auf altersgerechte Arbeitszeitmodelle, da die Altersteilzeit im Handel derzeit nur wenig genutzt wird. Außerdem wünscht sich die Gewerkschaft eine Karenzanrechnung auf alle dienstzeitabhängigen Ansprüche.

Die Sicht der Arbeitgeber

Die Arbeitgeber sehen bei den Verhandlungen lediglich bei den Karenzanrechnungszeiten Spielraum. Peter Buchmüller, Obmann der WKÖ-Bundessparte Handel argumentiert damit, dass man hier im Handel schon weiter als andere Branchen ist. Ein weiteres Entgegenkommen dahingehend wäre gleichzeitig auch ein Zugehen bei der Arbeitnehmerforderung nach einer 6. Urlaubswoche. Denn Buchmüller ist der Ansicht, dass der Handel in diesem Punkt bereits vorbildlich ist, da beispielsweise Ausbildungszeiten angerechnet werden. Der GPA-Wunsch nach einem Anspruch eine 4-Tage-Woche ist Seitens der WKÖ durchaus zu diskutieren, allerdings dürfe es keinen verpflichtenden Anspruch geben, sondern vielmehr ein Einverständnis zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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