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Handelstrends: nachhaltig, grün und global

25.07.2007

Größere Veränderungen sind für den Handel in Sicht und werden seine zukünftige Positionierung maßgeblich prägen. So lautet das Résumée der vom Wirtschaftsmagazin Gewinn veranstalteten diesjährigen MMM – Moderne Markt-Methoden – Fachtagung in Wien, die nicht nur einen Besucherrekord verzeichnen konnte, sondern auch mit hochkarätigen Vortragenden glänzte.

„Die großen Themen im Handel sind Umwelt, Nachhaltigkeit und Globalisierung“, stellte Professor Dr. Peter Schnedlitz, Leiter des Instituts für Handel und Marketing an der Wirtschaftsuniversität Wien, fest. „Das betrifft die Umstellung von Sortiment und Fuhrpark genauso wie die Erhöhung der Energieeffizienz und der sozialen Komponente sowie die eingehende Betrachtung der Arbeitskosten.“ Ein Blick auf die Big News der letzten Monate zeigt die Veränderungen sehr deutlich: Wal-Mart kämpft mit Spanne und Kosten und wird grün, Carrefour strukturiert um, Tesco entwickelt ein Energiekonzept und erstmals fand ein globaler Food Business Summit in Shanghai statt.
Wenn Shopping Malls die Jagdgründe des modernen Menschen darstellen, dann sind alle Chancen zur Kundenbindung zu nutzen – von direktem Kontakt bis zur Schaffung von neuen Zugangsmöglichkeiten. „Im Konsumentenverhalten sind drei treibende Kräfte wirksam: Selbstverwirklichung, Convenience und Authentizität“, erklärt Professor Schnedlitz, „es geht darum, Menschen neugierig zu machen aber nicht zu verwirren.“ Denn dem Kunden steht zu jeder Produktgruppe eine fast unüberschaubare Auswahl zur Verfügung, die ihn permanent vor Entscheidungen stellt. Ein neues Besinnen auf Qualität ist auffällig – nicht jeder ist ein Preiskäufer, und Premiumkäufer sind in allen Ländern der Welt im Kommen.
Das Gegenbild dazu in Richtung Exklusivität stellt „Shopping by invitation“ eines Einkaufstempels in Mumbai, Indien, dar: Nur wenn man eine Einladung erhält, darf man shoppen. Ein besonderes Kauferlebnis vermittelt auch das ehemalige Opernhaus von Opatija, Kroatien, das zu einem Shoppingcenter umgebaut wurde und mit Event & Entertainment starke Symbole des Shopping liefert.
„Der Claim für die Zukunft heißt: Bei uns macht Shoppen wieder Spaß“, ist Professor Schnedlitz überzeugt. „Weshalb immer mehr auf den menschlichen Faktor setzen, nicht nur durch markante Architektur sondern auch die Anwesenheit von mehr Personal.“
Es grünt so grün
In das gleiche Horn stößt die Spar Warenhandels-AG, die gesunde Ernährung als Positionierungskriterium ansieht. „Wir tragen hohe gesellschaftspolitische Verantwortung“, betont Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel, „und wollen unseren Kunden über einen lustbetonten, genussvollen und kulinarischen Zugang zu gesunder Ernährung verhelfen.“ Dazu wurde eine interdisziplinäre Initiative mit einem Expertenteam aus Ernährungsmedizinern und -beratern, Pädagogen und einer Haubenköchin vor mehr als zwei Jahren gestartet. Gesunde Ernährung ist heute das Branchenthema im Handel, dem Spar mit der Entwicklung von „gesunden“ Eigenmarken und Forcierung der Bio-Eigenmarke Natur*pur begegnet. Auch hat sich das Unternehmen hohe Informationstransparenz über Inhaltsstoffe auf die Fahnen geschrieben und realisiert sie mit freiwilliger Zusatz-Kennzeichnung bei seinen Eigenmarken auf jeder Packung. „Es geht uns darum, die gesellschaftliche Verantwortung und den ökonomischen Bedarf zusammenzuführen“, erklärt Dr. Drexel. „Wir bieten unseren Kunden gesunde Ernährung mit Herz und Verstand.“
Ehrlich und menschlich
Wenn Shopping, dann auch ethisch. Ohne Benachteiligung der Produzenten durch ruinös niedrige Preise, von denen sie nicht leben können. Konsumenten ist es heute wichtig, einen fairen Preis für qualitätsvolle und kontrollierte Produkte zu zahlen.
Dieser Goodwill hat der Fairtrade-Idee in relativ kurzer Zeit zu einem beachtlichen Markterfolg verholfen. „Fairer Handel ist eine Strategie zur Linderung von Armut und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung für Hersteller aus Afrika, Asien und Lateinamerika“, sagt Georg Gruber, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Produzentinnen und Produzenten erhalten faire Preise, unabhängig von den Weltmarktpreisen, sodass sie eigenverantwortlich wirtschaften, ihre Existenz weitgehend sichern und soziale Mindeststandards in punkto Gesundheit und Bildung erreichen können.
Ein Good Citizen im lokalen und regionalen Umfeld zu sein und Prioritäten in sozialen und Umweltfragen zu setzen gehört auch zum Erfolgsprogramm von McDonalds in Österreich. Das betrifft vor allem Qualität und Sicherheit der Produkte, die Gestaltung und das Management der Restaurants mit dem eigenen Abfallsammel- und Verwertungssystem,. „Gerade als Familienrestaurant nimmt McDonalds seine Verantwortung wahr und setzt sich für die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Gäste ein“, so Mag. Andreas Schmidlechner, Marketingdirektor von McDonalds Österreich.
Noch einen Schritt weiter geht Rewe mit seinem personifizierten Hausverstand in der neuen Billa-Werbekampagne. „Andere Themen und Wettbewerbsfelder als der Preis stehen nun im Mittelpunkt im Kampf um den Kunden“, betont Rewe-Vorstand Frank Hensel, „nämlich Nachhaltigkeit, Ernährung, Gesundheitsförderung, Lebensmittelqualität und Kinder.“
„Wir müssen mit Kreativität überzeugen, denn gute Qualität wird vorausgesetzt“, ist Thomas Weber, CEO der Palmers Textil AG, sicher. Er befindet sich in einem Umfeld mit globalen oder zumindest europäischen Anbietern, was eine klare Positionierung der Marke Palmers verlangt – die aber tagtäglich zu vitalisieren und aufzuladen ist. So entsteht eine internationale und begehrte Marke, die stimuliert und dabei Lebenslust, Freude, Ideen und Gefühle zum Träumen vermittelt.
Linda Wöss

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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