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Handelsverband: Veraltete Raumordnung kostet Arbeitsplätze

26.09.2018

Die veraltete Raumordnung kostet Arbeitsplätze. Eine neue Studie von Handelsverband, Initiative Wirtschaftsstandort OÖ und GAW Wirtschaftsforschung zeigt die "unsichtbaren Kosten" der Raumordnung im Lebensmitteleinzelhandel.

Die aktuelle Studie „Geschäftsbauten für den Lebensmitteleinzelhandel im Raumordnungsrecht des österreichischen Bundesländer" analysiert erstmals im Detail die regional- und volkswirtschaftlichen Auswirkungen der neun unterschiedlichen Raumordnungen auf die Geschäftslokale des Lebensmitteleinzelhandels. Das Fazit: Der tiefgreifende Strukturwandel im LEH hat in den letzten 25 Jahren zu größeren Verkaufslokalen mit einem größeren Warenangebot geführt. Dadurch gelten heute für nahezu alle Geschäftsbauten des LEH weitgehende Standortrestriktionen, die in den Raumordnungsgesetzen festgelegt sind", erklärt Michael Mayrhofer, Professor für Verfassungs- und Verwaltungsrecht an der Universität Linz und einer der Studienautoren. Das Potenzial zur Kostensenkung im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) durch eine Optimierung und Modernisierung der Raumordnungen der Länder beträgt 323 bis 408 Millionen Euro. Könnte diese Summe gehoben und in Form von Preisreduktionen an die Konsumenten weitergegeben werden, würde die gesteigerte Konsumnachfrage nach Berechnungen von Prof. Friedrich Schneider hierzulande eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von 395 bis 493 Millionen und eine Lohnsumme von bis zu 246 Millionen Euro ermöglichen.

Geringe Geschäftsflächen, hohe Kosten

Die Untersuchung zeigt auch, wie hoch die "unsichtbaren Kosten" der Raumordnung sind. Immerhin erlauben die rechtlichen Regelungen den Unternehmen nicht, ideale Standorte zu errichten – sondern solche mit weniger Geschäftsfläche oder etwa speziellen Autoabstellplätzen. Das führt, laut Universiäts-Professor Friedrich Schneider unmittelbar zu höheren Kosten für den LEH und damit zu höheren Produkt-Preisen. Mit optimalen Geschäftslokalen könnten etwa die Personalkosten um 1,5 Prozent reduziert werden. Auch die Errichtungskosten neuer Standorte wären um rund ein Drittel geringer. Durch die unterschiedlichen Regelungen in den jeweiligen Bundesländern unterscheidet sich auch das Einsparungspotenzial in den Bundesländern. Besonders viel gewinnen könnte der LEH in Kärnten, Niederösterreich, Salzburg und Tirol, da in diesen Bundesländern die derzeitigen Gesetze die Schaffung idealtypischer LEH-Standorte nicht ermöglichen.

Sicherung der Nahversorgung?

In den 1970er Jahren entstanden in Österreich die ersten Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Damit wurde auch eine rechtliche Entwicklung angestoßen: Raumordnungsgesetze sollten die negativen Auswirkungen der EKZ – etwa die Schwächung der Ortszentren – in Grenzen halten. Im Laufe der Jahre wurden diese Regelungen immer restriktiver – zum Leidwesen der heimischen Handelsunternehmen. Zusätzlich haben die geltenden Regelungen es nicht geschafft, den LEH – abgesehen vom Großraum Wien – in den Ortszentren zu halten, da dies betriebswirtschaftlich oft nicht mehr möglich ist. Darüber hinaus wird verhindert, dass Standorte sich innerhalb wie außerhalb der Ortszentren weiterentwickeln können, wodurch diese zunehmend weniger relevant für den Konsumenten werden. In vielen Bundesländern (z.B.: Tirol, Kärnten) ist es für den LEH extrem schwer geworden, bestehende, in die Jahre gekommene und oft nicht mehr wettbewerbsfähige Filialen entsprechend zu erneuern. Auch brachliegende Gewerbeflächen wie z.B. leerstehende alte Autohäuser dürfen oftmals nicht als LEH-Filialen genutzt werden, da es gesetzlich nicht erlaubt ist.

Nur Vorteile

Der Handeslverband sieht jedenfalls keinen Grund dagegen, die Entwicklung Richtung LEH-Filialen mit 1.000 m2 zu erweitern und eine ausreichende Nahversorgung auch in strukturschwachen Regionen über den stationären Handel sicherzustellen. Dadurch könnten Ortszentren für die Bevölkerung wieder relevanter werden. Gleichzeitig würden Maßnahmen zur Erweiterung, den beschäftigungsintensiven stationären Handel gegenüber dem wachsenden E-Commerce weniger angreifbar machen. Denn dir aktuelle Raumordnung privilegiert den Onlinehandel, weil die Auslieferungslager von Amazon, Zalando und Co. von keinerlei Beschränkungen betroffen sind.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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