Direkt zum Inhalt

Handelsverband zur Fleischsteuer: "Klares Nein!"

09.08.2019

Seriöse Klimapolitik setzt auf höhere Tierwohlstandards und lokale Produktion. Steuererhöhung auf Grundnahrungsmittel wäre massive Belastung kleiner und mittlerer Einkommen.

Seit einigen Tagen wird in Deutschland nach einem Vorschlag des deutschen Tierschutzbundes über eine "Klimasteuer" auf Fleisch diskutiert. Die Mehreinnahmen sollen der Landwirtschaft für Maßnahmen Richtung tiergerechter, klimaschonender Haltung zukommen. Aktuell beträgt die Mehrwertsteuer auf tierische Produkte in Deutschland 7%, für Fleisch soll sie auf 19% erhöht werden. In Österreich werden Nahrungsmittel hingegen mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 10% (statt 20%) besteuert. Die industrielle Fleischproduktion gilt weltweit als einer der größten Verursacher von Treibhausgasen und ist global betrachtet für bis zu 20% aller CO2-Emissionen verantwortlich. Klimaentscheidend ist allerdings die Art und Weise der Fleischerzeugung sowie die Länge der Transportwege. So ist etwa importiertes Billigfleisch aus Brasilien oder den USA viel schädlicher für das Klima, als heimisches Qualitätsfleisch aus biologischer Produktion.

Heimisch besser als Import

Die Produktion eines Kilos Rindfleisch hinterlässt in der EU einen CO2-Fußabdruck von durchschnittlich 22 kg. Rindfleisch aus Brasilien kommt hingegen auf 80 kg, wobei hier der Transport noch gar nicht einberechnet ist. "Mit höheren Preisen auf heimisches Fleisch werden wir weder das Tierleid lindern noch das Klima retten. Im Gegenteil, damit würden wir untere Einkommensschichten zwingen, noch stärker auf Billiglebensmittel aus dem Ausland zurückzugreifen. Daher sagen wir ganz klar Nein zu einer Fleischsteuer und fordern stattdessen eine Stärkung der kleinstrukturierten österreichischen Landwirtschaft", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Dass Steuererhöhungen bei Grundnahrungsmittel als lenkungspolitische Maßnahme fruchtlos sind, hat im Übrigen bereits die Fett- und Zuckersteuer in Ungarn gezeigt. Trotz der Steuer hat sich das Kaufverhalten der ungarischen Bevölkerung langfristig nicht geändert.

"Auch der Tierschutz ist den österreichischen Handelsunternehmen seit jeher ein wichtiges Anliegen. Heimische Masthühner haben beispielsweise 40% und Puten sogar 75% mehr Platz zur Verfügung als im europäischen Durchschnitt", bestätigt Will. Sinnvoller wären daher etwa eine verpflichtende Lebensmittel-Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie sowie hohe Qualitätsstandards und Obergrenzen für Importfleisch. Ein unregulierter Freihandel etwa mit Südamerika (Mercosur) würde hingegen den europäischen Markt mit 100.000 Tonnen an Rindfleisch und weiteren Agrarrohstoffen überschwemmen. Das wäre eine Gefahr für die österreichische Rinder-Landwirtschaft.

Verlogene Argumentation

"Gerade deutsche Politiker, die sich zuletzt vehement für das klimaschädliche Freihandelsabkommen Mercosur sowie für höhere Fleischimportquoten aus den USA eingesetzt haben, um die eigene Automobilindustrie zu stärken, wollen jetzt plötzlich Klimaretter spielen. Das glaubt doch kein Mensch", so Rainer Will. Der heimische Handel steht für eine flächendeckende Nahversorgung der österreichischen Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln. Diese sollten auch in Zukunft für alle Bevölkerungsschichten leistbar bleiben, weshalb sich der Handelsverband gegen jede neue Form der Besteuerung von Grundnahrungsmitteln ausspricht.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Madlberger
03.06.2020

Zum Pfänderspiel luden die Grünen vergangenen Dienstag die Vertreter von Wirtschaftskammer, ARA und Handelsverband, als sie beim runden Tisch im Umweltministerium die Forderung nach einem Pflicht- ...

Madlberger
19.05.2020

Wie kann Österreichs Lebensmittelhandel unseren Bauern beim Restart tatkräftig zur Seite stehen? Darum ging es vergangene Woche beim Gipfelgespräch zwischen Bundesregierung, Lebensmittelhändlern ...

v.l.n.r.: Anton Santner (Geschäftsführer P8 Marketing), Prok. Dr. David Pfarrhofer (Institutsvorstand von market Marktforschung), Robert Machtlinger (CEO FACC AG), Mario Derntl, BA (z.l.ö.-Generalsekretär), DDr. Werner Steinecker (Generaldirektor Energie AG Oberösterreich und z.l.ö.-Präsident)
Thema
15.05.2020

Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft. Das gilt auch für den Bereich der Lehrlingsausbildung. Eine von z.l.ö. – zukunft.lehre.österreich. - in Auftrag ...

Rainer Will: "Für Stundungen muss man einen Liquiditätsengpass nachweisen und gleichzeitig soll die Einbringlichkeit der Forderungen gesichert sein - dieser Widerspruch muss aufgelöst werden!"
Thema
05.05.2020

Wer das wirtschaftliche Überleben seines Unternehmens und Arbeitsplätze sichern will, sollte dafür keine persönliche Haftung fürchten müssen. Dafür braucht es aber eine sofortige Klarstellung ...

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will fordert die Gleichbehandlung von Handelsbetrieben aller Lagen und Größen - und von der Politik, endlich eCommerce-Anbieter aus Drittstaaten in die Pflicht zu nehmen.
Handel
16.04.2020

Seit 14. April darf ein großer Teil des heimischen Handels wieder offen halten. Der Handelsverband hat die ersten Effekte der Wiederöffnung beleuchtet und stellt Forderungen für die Zukunft.

Werbung