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Handelszonen immer gleicher!

22.01.2009

Bei den wichtigsten Einkaufsstraßen in Österreich ist eine zunehmende Uniformität zu erkennen. In allen größeren Geschäftsstraßen sind immer öfter die gleichen Shops anzutreffen. Insbesondere international tätige Handelsketten versuchen, in möglichst allen Straßen vertreten zu sein, um eine gute Marktabdeckung zu erreichen. Und die Akzeptanz dieser Unternehmen bei den Konsumenten ist hoch, denn in Zeiten der Reizüberflutung orientieren sich die Konsumenten gern an bekannten Symbolen. Ein differenziertes Angebot geht dabei jedoch verloren.

Die aktuelle Studie "Geschäftsstraßen Top 20 - Ausgabe 2008", die im Dezember fertig gestellt wurde, bestätigt einen langfristigen Trend: Es gibt weniger Geschäfte in den großen Einkaufsstraßenstraßen. Dabei gehen allerdings nicht etwa Verkaufsflächen verloren, vielmehr werden die Geschäfte größer. Flächenexpansion im dichten Stadtgebiet ist jedoch nur sehr eingeschränkt möglich. Erweitern kann man nach oben oder durch den Ausbau eines Innenhofes. In vielen Fällen werden dabei auch kleine Geschäfte von Filialisten verdrängt, die sich die Mieten in den Top-Lagen nicht mehr leisten können. Der Filialisierungsgrad steigt damit weiter.

In den Geschäftsstraßen Österreichs zeigt sich ein deutlicher Rückgang der Lebensmittelhändler. Einerseits sind Mieten in den Top-Lagen deutlich gestiegen, wodurch sich Supermärkte zusehends in die Seitengassen zurück ziehen. Andererseits ist die Erreichbarkeit mit dem Auto ein wesentliches Entscheidungskriterium für Konsumenten und die ist in Shopping Centern ungleich besser gegeben.Große Retailketten versuchen sukzessive, ein flächendeckendes Filialnetz aufzubauen. Es liegt also in ihrem Interesse, in allen wichtigen Einkaufsstraßen vertreten zu sein. Viele davon betreiben auch mehrere Standorte innerhalb einer Einkaufsstraße. So führt Marionnaud beispielsweise 30 Shops in 18 Straßen. Spitzenreiter ist allerdings Palmers, der mit insgesamt 36 Standorten in allen Top 20 Geschäftsstraßen Österreichs vertreten ist. Für den Konsumenten ergibt sich daraus zwar ein hoher Wiedererkennungswert, die Abwechslung bleibt allerdings auf der Strecke. Ein individuelleres oder exklusiveres Angebot findet sich nur mehr im hochpreisigen Segment, wie etwa am Wiener Graben oder der Salzburger Getreidegasse.

Große international tätige Mieter wollen auch große Shops. Neben Shopping Centern finden sich daher auch in den Geschäftsstraßen immer größere Verkaufsflächen. Die räumlichen Gegebenheiten im Stadtgebiet erlauben aber keine beliebige Erweiterung der Flächen. Die Gesamtfläche ist in allen großen Geschäftsstraßen daher seit Jahren annähernd gleich geblieben. Folglich werden Hinterhöfe ausgebaut und Shops zusammengelegt, wodurch sich die Zahl der Geschäfte zugunsten von großen Outlets und Flagship-Stores verringert. Für den Kunden steigt zwar das Sortiment innerhalb der bekannten Shops, lokale Angebote werden allerdings zurückgedrängt. Die durchschnittliche Shopgröße in den Top 20 Geschäftsstraßen beträgt 169 m². Am größten sind die Shops in der Wiener Mariahilfer Straße mit durchschnittlich rund 459 m² Verkaufsfläche. Das kommt daher, dass sie als größte Einkaufsstraße Österreichs über besonders viele Flagship-Stores sowie einen Peek & Cloppenburg verfügt.

Als klares Indiz für die zunehmende Uniformität gilt auch der stetig steigende Filialisierungsgrad im österreichischen Einzelhandel. Spitzenreiter sind der Lebensmittel- und Drogeriehandel mit einem Filialisierungsanteil von 90% bzw. 86%. Auch der Schuhhandel wird zu 71% von filialisierten Unternehmen betrieben. Im Bekleidungshandel hingegen sind noch mehr kleinere Marktteilnehmer am Markt, der Anteil der Filialisten liegt hier bei rund 48%. Im gesamten Einzelhandel ist bereits mehr als die Hälfte der Handelsfläche von filialisierten Unternehmen besetzt. In den Einkaufsstraßen sind es sogar rund 65%, da sie zu einem überwiegenden Teil von internationalen, filialisierten Bekleidungshändlern geprägt sind. Die Marktbereinigung setzt sich also weiter fort, besonders deutlich in den Top-Geschäftsstraßen.

Einkaufsstraßen sind auf Fashion und Lifestyle ausgerichtet. Knapp die Hälfte der Verkaufsfläche entfällt laut Studie auf Bekleidungs- oder Schuhgeschäfte. Für Lebensmittelhändler bleibt da wenig Platz, auch weil die vielen internationalen Geschäfte die Mietpreise stark in die Höhe treiben. Viele der Supermärkte weichen daher in Seitengassen aus oder verlagern ihre Standorte direkt in die Wohngebiete. Mitgrund für den Rückzug der Lebensmittelhändler ist auch das oftmals fehlende Parkplatzangebot. Gerade frische Lebensmittel werden allerdings nur ungern in öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert. Die großen Geschäftsstraßen übernehmen folglich immer weniger eine Nahversorgerfunktion und decken vielmehr den mittelfristigen Bedarf ab, also vor allem Bekleidung, und verstärken damit ihre überregionale Bedeutung. Anders ist die Situation in Shopping Centern. Hier stellen Lebensmittel- und Verbrauchermärkte einen wichtigen Anteil der Verkaufsfläche dar und fungieren als Kunden anziehende Magnetmieter. Auf den Fashion Bereich entfällt hingegen nur ca. ein Drittel der Verkaufsfläche.

Nur etwa 10 % der österreichischen Geschäftsstraßen können Zugewinne erzielen, knapp die Hälfte verliert an Bedeutung, sprich an Passanten, an Umsätzen, an Mietern. In Zukunft wird es weniger überregional bedeutende Handelszonen geben, die sich auch immer mehr angleichen. Einkaufsstraßen sind Handelsagglomerationen und funktionieren in vielerlei Hinsicht nach denselben Erfolgsfaktoren wie Shopping Center: Die Größe, die Auswahl, die Erreichbarkeit, die Einkaufsatmosphäre und die Verfügbarkeit von Parkplätzen etwa sind wichtige Kriterien für den Erfolg einer Handelszone. Und genauso wie bei Shopping Centern, können sich jene Geschäftsstraßen, die diese Faktoren schlechter erfüllen als andere, nicht behaupten und verlieren zusehends an Bedeutung.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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