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60 Prozent des Gemüses und 50 Prozent des Obstes im heimischen Handel kommen aus Österreich

Im Obst- und Gemüse-Regal spielt die Musik

05.06.2018

Keine andere Frischwarengruppe bekommt von der Ernährungswissenschaft ein so hervorragendes Gesundheitszeugnis ausgestellt. In keiner anderen Warengruppe wird Frische für den Konsumenten so unmittelbar erlebbar. Daher verfügt der stationäre Lebensmittelhandel bei Obst und Gemüse über die allerbesten Karten gegenüber dem Online-Handel. Geht’s fresher, als Amazon Fresh? Ja, natürlich!

Entsprechend cool und trendy verläuft beim Geschäft mit Obst und Gemüse der Wettbewerb zwischen den Handelsriesen. Ein Marketing-Kräftemessen zwischen nationalen und regionalen Playern, zwischen  Supermarkt- und  Discount-Formaten, zwischen Filialisten und Kaufleuten. Um in diesem Match zu bestehen, braucht der Händler vor allem eines, Marktinformationen! Was tut sich auf der Angebotsseite, bei den Produzenten, bei den Großhändlern, Importeuren und Frischlogistikern? Und wie entwickelt sich die Nachfrage, auf welche Innovationen springen die wählerischen  Konsumenten an? Unser Scout bei der Suche nach den interessantesten und erfrischendsten  News im europäischen Obst- und Gemüse-Business ist der deutsche Informationsdienst „Fruchtkontor“, der fünfmal die Woche die aktuellsten Meldungen ins Netz stellt. 

Was leistet Eurogroup, die Obst- und Gemüse-Importtochter der Rewe Group?

60% beträgt hierzulande der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse (Stand: 2017), 50% erreicht er bei Obst. Unser großer nördlicher Nachbar muss vergleichsweise viel mehr Grünzeug importieren. In Deutschland lag im Berichtszeitraum 2015/2016 der Gemüse-Selbstversorgungsgrad bei 37%,  bei Obst waren es gar nur  22,1%.

Entsprechend groß ist für eine Handelsgruppe, wie die Rewe Group in Köln der Stellenwert einer grenzüberschreitenden Einkaufsorganisation. Vor Jahren wurde der internationale O+G-Einkauf in eine eigene Firma, namens Eurogroup ausgegliedert. Ursprünglich als Joint Venture mit der Coop Schweiz errichtet, ist Eurogroup seit Jahresbeginn 2016 zu 100% im Eigentum des Rewe Konzerns. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Direktbeschaffung von Frischware aus dem Ausland.

Die Eurogroup als REWE-Group-internes Beschaffungsunternehmen für Obst & Gemüse  ist einer der Lieferpartner für Obst & Gemüse der REWE Group und versorgt auch die REWE International AG mit Waren. Sie

o stellt sicher, dass die Ware auf schnellstem Weg von Produktionsgebiet in das Distributions-Logistiksystem der Rewe International gelangt,

o dient der Bündelung von Warenströmen und ermöglicht eine optimale Auslastung von  Transportraum, was wiederum zu einer Reduktion von CO2 führt

o und nutzt dabei Cross-Docking-Plattformen, die aber nicht selbst betrieben werden.

Alle logistischen Aktivitäten finden in enger Verzahnung von Supply-Chain- und Beschaffungsorganisation statt.

In Deutschland gibt es einen Plan für 5 Kopflager, die nicht von der Eurogroup, sondern von der REWE Group Fruchtlogistik GmbH, Köln betrieben werden. Leipzig (Sachsen), Berkhof (Niedersachsen) und Eitting (Bayern) sind bereits am Netz. Als viertes Kopflager wird  Wiesloch (Baden-Württemberg) nach Freiwerden und Umbau der Bestandsimmobilie bis 2020 aufgeschaltet.
Während laut „LZ“ vom 2. November 2017 die Kopf-Läger der Rewe Group Fruchtlogistik in Deutschland rund  60% des Fruchtvolumens des Rewe-Einzelhandels abwickeln, erreicht das Eurogroup-Kopflager in Verona bereits eine Direktquote von über 90%. 2017 erzielte Eurogroup zusammen mit ihrer ökologisch ausgerichteten Schwesterfirma Campina Verde einen Umsatz von über einer Milliarde €.

Preisanstieg bei Amazon Fresh in Deutschland

Der Preisvergleichs-Informationsdienst günstiger.de machte eine hochinteressante Entdeckung: Stichproben ergaben, dass ein Jahr nach dem Start von Amazon Fresh in Deutschland zwei Drittel der Artikel des Online-Händlers im Vergleich zum Vorjahr teurer geworden sind.  Damit verringerte sich auch der Preisvorsprung des Newcomers gegenüber dem  Rewe Lieferservice. Konnten im  Jahr 2017 die Amazon Fresh-Kunden die Waren  im Schnitt um  15% billiger erstehen als die Online-Shopper der Rewe, so schrumpft diese Differenz  im Mai 2018 auf 4%. Vor einem Jahr waren 86% der Amazon-Fresh -Artikel billiger als vergleichbare Produkte des Rewe-Lieferservice-Sortiments. Laut aktueller Studie  ist Amazon nur in 54% der Fälle günstiger als Mitbewerber Rewe. Hingegen war  bei 19% der Stichproben Rewe billiger als Amazon Fresh. Zwar sind beide Lieferdienste im Vergleich zum Vorjahr teurer geworden, aber bei Rewe betrug der Preisanstieg nur 5%, bei Amazon Fresh hingegen 20%.  Preisvergleiche zwischen den beiden Anbietern sind wegen der unterschiedlich strukturierten Liefergebühren gar nicht so einfach. So ist den Amazon-Fresh-Kunden die Mitgliedschaft bei Amazon Prime vorgeschrieben, dafür ist ein fixer Jahresbeitrag von 69.- € zu entrichten.

Fresh Cut europaweit im Vormarsch.

Frisch geschnittenes Fertiggemüse, insbesondere in Form von Fertigsalaten, im Branchenjargon „Fresh Cut“ genannt, gilt  als Wachstumssortiment in Europas Supermärkten. In den Niederlanden entfallen schon ein Drittel der Verbraucherausgaben für frisches Gemüse auf vorgeschnittene Ware. In Großbritannien liegt dieser Anteil bei 17%, in Belgien bei 11%, Deutschland wird mit knapp 5% als „Schlusslicht“ eingestuft. Aber laut GfK stieg dort im Jahr 2017 der Haushaltsverbrauch um 15%. Starke Produzentenländer sind neben den Niederlanden auch Frankreich und Italien.  Unser südlicher Nachbar ist spezialisiert auf die Produktion von Baby Leaf Salaten, Rucola und Vogerlsalat (Feldsalat). Einen Überblick über die aktuelle Marktbedeutung von vorbereitetem Gemüse im österreichischen LEH finden Sie im beigefügten RollAMA-Chart.

Wie sich dieser Markt entwickelt, darüber berichtet des niederländische  Gemüsezucht­unternehmen Rijk Zwaan, ein Big Player im Salat-Geschäft, auf dem European Convenience Forum, das diese Woche in Hamburg über die Bühne geht. Zwei Innovationen sollen weitere Verkaufsimpulse setzen:  Bei der Züchtung Knox ™ verzögert sich die Rosaverfärbung bei frisch geschnittenen Salaten. Und die neue Salatsorte Salanova ®  zeichnet sich dadurch aus, dass 100% der Blätter verwendbar sind, selbst wenn der Salat mechanisch geerntet wird. Ein radikaler Beitrag zur Abfallvermeidung.

Auch die Gastronomie greift verstärkt zu  Fresh Cut Produkten,  dieser Trend wiederum beschert dem Gastro-Großhandel steigende Umsätze. Speziell Fastfood-Ketten setzen immer mehr auf Vegetarisches, Fresh Cut-Ware  als Inbegriff von arbeitssparender Ultrafrisch-Convenience steigert die Personalleistung der Betriebe.

Fresh Cut und lange Transportwege passen nicht zusammen, daher avanciert regionale Produktion zum Qualitätskriterium. Wie berichtet, startet die zur Bell Food Group und damit zur Coop Schweiz gehörende  Firma Eisberg im kommenden Herbst in Marchtrenk mit der Produktion von Fertigsalaten. Ein wertvoller Beitrag zur Steigerung der Inlands-Wertschöpfung.

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger war unter anderem bei Henkel Austria und der Handelskette A&O beschäftigt, arbeitete 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift Regal, war 21 Jahre Herausgeber der Handelszeitschrift Key Account und ist seit Herbst 2014 als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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