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Internationale Weintrends

28.10.2004

Der heimische Konsument greift regelmäßig nach ausländischen Weinen.

Im Jahr 2003 erstreckte sich die Rebfläche weltweit auf insgesamt 7,8 Mio. ha, dies entspricht einem Rückgang um 29.000 ha gegenüber 2002. Die 10 größten Weinbaugebiete sind Spanien (15,3 %), Frankreich (11,41 %), Italien (11 %), Türkei (7,48 %), USA (5,26 %), CHina (5,22 %), Iran (3,63 %), Portugal (3,16 %), Rumänien (3,03 %) und Argentinien (2,65 %). Mit 600 Mio. Doppelzentnern Trauben war der Produktionsstand Ende der 90er Jahre vergleichbar mit demjenigen zehn Jahre zuvor.

Die für 2003 geplante Produktion läge daher mit beinahe 611 Mio. Doppelzentnern insgesamt geringfügig unter dem Stand von 2002. Nach einer sehr hohen Weinerzeugung (ohne Saft und Konzentrat) in den Jahren 1999 und 2000 (281,1 bzw. 280,3 Mio. hl) kann die Produktion der Jahre 2002 und 2003 als „unterdurchschnittlich“ bezeichnet werden, wobei die Erzeugung 2003 bei etwa 261 Mio. hl liegt. Im Jahr 2003 betrug der weltweite Weinverbrauch 229 Mio. Hektoliter. Bei der Aufschlüsselung nach den wichtigsten Verbraucherländern wird die geografische Konzentration des Weinmarktes deutlich: 2003 wurden in den acht bedeutendsten Ländern beinahe 152,6 Mio. hl konsumiert, dies entspricht zwei Drittel der weltweiten Nachfrage. 2003 wurden 71,9 Mio. hl Wein weltweit exportiert.
Österreich importierte im Jahr 2003 53 Mio Liter Wein zu einem Wert von rund 132 Mio E.

Export boomt
Die Exportzahlen des heimischen Weins lassen Österreichs Winzer auch 2003 auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Während 2002 bereits ein Exportrekord erzielt wurde, konnte im Vorjahr dieses Ergebnis mit 11 % Mengenplus und 15 % Wertzuwachs erneut übertroffen werden. 2003 wurden laut Statistik Austria über 83 Mio. Liter Wein zu einem Gesamtwert von mehr als 69 Mio. Euro exportiert. „Das Ergebnis ist sehr zufrieden stellend, besonders wenn man das schwierige wirtschaftliche Umfeld bedenkt. Unsere Weine liegen international im Trend“, zeigt sich Michael Thurner, Geschäftsführer der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft (ÖWM) erfreut über die vorläufigen Exportzahlen. „Wir sind auf der Überholspur, besonders heimische Qualitätsweine werden verstärkt nachgefragt. Die Aufbauarbeit der letzten Jahre hat sich gelohnt.“

Hauptabnehmer Deutschland
Wichtigstes Exportland ist nach wie vor Deutschland mit ca. 64% der Gesamtexporte. Für die Wertschöpfung sind neben Deutschland besonders die Exporte in die Schweiz (durchschnittlich 7 Euro pro Flasche) und die USA (durchschnittlich 6 Euro) maßgeblich.

Auch die neuen Mitgliedsländer entwickeln sich positiv. Neben den traditionell hohen Fassweinexporten konnten auch beim Qualitätswein erste Erfolge verbucht werden. Die Durchschnittspreise beim Flaschenweinexport nach Tschechien und Polen lagen 2003 bereits bei ca. 2,2 Euro. „Die Basis für langfristige Exporterfolge in diese Länder ist geschaffen. Jetzt müssen wir konsequent am Image unseres Weinlandes weiterarbeiten, um den Verkauf nachhaltig zu steigern“, kommentiert Thurner die Zukunftsaussichten.
Spanien im Aufwind. Aus Iberien kommen heutzutage Weine mit absolutem Kultstatus.

Ende des vergangenen Jahrhunderts begann ein beispielloser Aufschwung der spanischen Weinkultur, der bis heute anhält. Das eigentliche Problem des spanischen Weinbaus ist die Sommerdürre, auf die die Reben mit Stress und Einstellung des Wachstums reagieren. Seit der Zulassung von Bewässerungssystemen 1996 wurde man bei vielen guten Herstellern auch dieses Problems Herr. Nachdem aufgrund der überseeischen Beziehungen früher vor allem amerikanische Eiche für den Ausbau verwendet wurde (und ein typischer Rioja noch immer den starken, charakteristischen Vanille-Ton davon hat), wird nun zunehmend die Verwendung von französischer Eiche modern. Einige Regionen: In La Mancha, dem Hochplateau südlich von Madrid, ist die Kellertechnik im fließenden Wandel zwischen Antike und High-tech; große Gär-Amphoren aus Ton sind ebenso gängig wie Barriques. In der Denominacion de Origen (D. O.) Valdepenas, welche den Kern von La Mancha bildet, reifen kräftige Rotweine vor allem aus Garnacha und Cencibel (Tempranillo) und gehören heute zu den gefragtesten des Landes.

Ähnlich im Trend liegt auch das Gebiet Ribera del Duero, wo das legendäre Weingut Vega Sicilia und heutige Größen wie Pesquera oder Abadia Returerta sicher zum guten Ruf beigetragen haben. In Katalonien spielt weiter der Cava die Hauptrolle, seit der verstärkten Verwendung von Chardonnay und Pinot noir gibt es immer bessere Qualitäten. Die größte Kellerei des Landes, Torres, untrennbar verbunden mit der D. O. Penedes, welche in der größeren D. O. (auch auf deren Betreiben) aufgegangen ist, liefert nach wie vor zuverlässige Produkte vom einfachen Trinkwein bis zum Premium-Produkt.

Italien im Wandel. Das Weinland Nr. 1 weltweit erlebt eine Phase des Umbruchs.

Fast wie hierzulande zeigten die Jahrgänge 2002 und 2003 einen Rückgang der Produktion, ebenfalls aus verschiedenen Gründen. War die Ernte 2002 in fast allen Weinbaugebieten Italiens verregnet, so war im Vorjahr die subtropische Hitze und der damit verbundene Trockenheits-Stress der Reben für eine Produktion von je „nur“ 48 Mio hl verantwortlich. Berücksichtigt man den deutlichen Absatzeinbruch auf dem italienischen Binnenmarkt, war dies für weitblickende Produzenten nicht unbedingt ein Nachteil. Wie auf der ganzen Welt wird auch in Italien, das die alten Griechen „Oinotria“, Weinland, nannten, die Nachfrage nach autochthonen, also das Gebiet und die Sorte besonders betonenden Weinen immer stärker. Produzenten, welche auf den „internationalen Stil“ mit ausgeprägtem Barriqueeinsatz, Umkehrosmose (Entzug von Wasser aus dem Most) und oft auch der Verwendung von Cabernet oder Syrah setzen, sehen sich zunehmend stärkeren Absatzproblemen gegenüber.

Uniforme Weine, die ihren „Charakter“ vor allem der modernen Technik verdanken, werden von den Opinion-Leadern in Italien wie dem Guide Gambero Rosso Vini d´Italia zunehmende kritisiert; der Einfluss von „Wein-Päpsten“ ist in Italien eher noch stärker als bei uns. Einige große Anbiete wie Zonin (1.800 Hektar) drängen verstärkt auf den österreichischen Markt. Einige Regionen: Piemont stabil, Venetien im starken Wandel (ehemalige Massenweine wie Valpolicella, Soave oder Bardolino setzen zunehmend auf Qualität), die Prosecco-Traube und ihre Schaumweine weiter im Trend; Friuli etwas teurer, Toskana wieder teurer, Süditalien stark im Kommen – Hersteller wie Antinori tätigten in den letzten Jahren große Investitionen z. B. in Apulien.


Frankreich schwelgt in Tradition. Trinken wie Gott in Frankreich – diese Formel gilt nach wie vor.

Die Urheimat der Weinkultur spielt zwar mengenmäßig auf dem heimischen Markt eine eher untergeordnete Rolle, in mancherlei Hinsicht ist sie immer noch Vorbild für alle anderen weinbautreibenden Nationen. Die berühmtesten (und teuersten) Weine der Welt, vor allem aus Burgund und Bordeaux, brauchen sich um ihren Absatz nicht zu sorgen: Für die Premiers Grands Crus von der Gironde und die Grands Crus sowie manche Premier Crus von der Cote d´Or gibt es einen Nachfragemarkt. So verdoppelten manche Chateaux wie Margaux, Lafite oder Latour im Vorjahr ihre Preise. Gerade aber in dieser Region, dem Medoc, gibt es jedoch auch eine Unzahl unbekannterer Hersteller, die auch und vor allem Rotweine dieses unverwechselbaren Typus produzieren. Die Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot wird auf der ganzen Welt „limitiert“, gelingt aber nur selten in dieser typischen Harmonie aus Kraft, Eleganz und Trinkvergnügen: Wenige Bordeaux haben mehr als 13 % Alkohol. Die Sopexa betonte heuer dieses ur-französische Kapital und Potenzial der Médoc-Weine mit einer ausgedehnten Werbetour durch ganz Europa. Ein gewisser Aufwind ist auch bei den Burgundern spürbar, wohl auch, weil die Sorte Pinot noir – Blauburgunder – auch bei den heimischen Winzern/Konsumenten wieder beliebter wurde. Die schwierige Sorte, die leicht anfällig für Fäulnis ist und hohe Ansprüche an den Standort stellt, erreicht nirgends auf der Welt so beindruckende „Wein-Monumente“ wie in ihrer Heimat.
In der Gastronomie wird es wieder beliebter, Champagner anzubieten; es bleibt abzuwarten, wann dieser Trend auch auf den Handel übergreift. Der Markt für die „Edelsprudel“ ist leicht rückläufig, wobei der Marktführer Moët & Chandon weiter Zuwächse verbuchen kann, im Premium-Segment mit der Marke Dom Perignon sind die Steigerungen sogar enorm. Loire und Rhone haben mit der „Globalisierung“ ihrer typischen Weine zu kämpfen: Das Loiretal hat mit den trockenen Sauvignon blancs wie Sancerre oder Pouilly-Fumé Konkurrenz auf der ganzen Welt bekommen, ebenso wie die Syrah-Weine vom Rhone.
Die südlichen, großen Weinbaugebiete Languedoc, Roussillon und Provence laden zur Entdeckung ein; ein Mini-Trend geht auch zum Banyuls, einem roten Süßwein, der wie kein anderer zu Schokolade passt.


Portugal zeigt Individualismus. Weine mit Charakter

Ähnlich wie in Österreich hat sich im Land des Fussball-Vize-Europameisters ein scheinbarer Nachteil als wahrer Glücksfall erwiesen. Lange Zeit war Portugal den meisten Weinfreunden nur durch seinen „gespriteten“ (die Gärung wird durch Zugabe von Brantwein gestoppt) Exportschlager Port, den Markenwein „Mateus Rosé“ und den Vinho Verde bekannt – die beiden letzteren schmecken wohl wirklich am Ursprungsort am besten.
Der wichtigste Bestandteil der roten Portweine, die Sorte Touriga Nacional, bringt auch hervorragende trockene Rotweine ganz eigenen Stils hervor, ebenso wie Touriga Francesa oder Tinto Cao oder den Tempranillo (hierzulande Tinta Roriz oder Aragonès genannt). Einige Regionen: Estremadura, die Halbinsel Setubal mit dem langlebigen Süßwein Moscatel und das Gebiet Alentejo sind zur Zeit sehr gefragt. Die DOC Barraida und Dao konnten in Sachen Qualität ebenfalls beständig zulegen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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