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Interview

12.06.2003

Zukunft des Handels in Österreich

Interview. Der Generalsekretär-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Östereich, Dr. Reinhold Mitterlehner nimmt zu brisanten Themen des Handels Stellung.

Chancen für den Handel in der Zukunft sieht der Generalsekretär-Stellvertreter Dr. Reinhold Mitterlehner in einem Umdenken der Agierenden und einer Einstellung auf neue Gegebenheiten.

Handelszeitung: Die Handelslandschaft in Österreich ist zur Zeit geprägt von Umstrukturierungen, die teilweise Unruhe in die Branche bringen. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Dr. Mitterlehner: In den vergangenen Jahren wurden in Österreich riesige Überkapazitäten geschaffen. Bei uns kommen heute auf einen Einwohner 1,5 m2, im Vergleich zur BRD liegen wir damit höher (1,3 m2/Einwohner). Aber ein Ende der Flächenausweitung ist noch nicht abzusehen. Derzeit stehen zumindest 100 Großprojekte in Planung. Durch diese Umstände bricht die Nahversorgung im Grenzbereich zusammen, Stadtzentren werden entleert und veröden. Nun kommt die Politik zum Zug, Land und Bund sind gefordert, koordinierte Maßnahmen der Raumordnung zu treffen. Ich sehe die derzeitige Raumordnung als zahnlosen Tiger. Seit zwei Jahren existiert eine neue EKZ-Verordnung, die aber in Wahrheit noch nicht umgesetzt wurde. Wünschenswert wäre eine stärkere Einbeziehung der betroffenen Gemeinden und Nachbargemeinden. Statt verödeten Ortszentren soll es eine lebendige Handelslandschaft in den Städten geben und nicht häßliche Konsumkästen auf der grünen Wiese, im Rahmen einer Neuordnung der Raumordnung auf Bundesebene.
Priorität hat meines Erachtens der Stadtbereich. Ausgeweitet auf die Randgebiete und die Gemeinden könnte man hier eine gute Lösung schaffen.

HZ: Sie sehen diese Maßnahmen als Steuerungsmöglichkeiten für eine bessere Handelsstruktur. Wie sieht es mit einer weiteren Förderung aus?
Dr. Mitterlehner: Für eine argumentierbare Idee halte ich eine Förderung der Nahversorgung durch die Verkehrsanschlussabgabe. Sie wird de facto nicht eingehoben und könnte von der Gemeinde eingehoben werden. Eine Möglichkeit wäre die Verwendung der Kommunalsteuer von Großmärkten für die Förderung der Nahversorgung. Das wird politisch schwierig. Nehmen Sie die Ladenöffnungszeiten. Es wird nicht zu verhinder sein, dass wir uns hierzulande mit den Ladenöffnungszeiten an internationale und vor allem EU-Standards anpassen.

HZ: Ein aufwühlendes Thema für den Handel ist zur Zeit Road Pricing.
Dr. Mitterlehner: Selbstverständlich. Warenwirtschaftssystem wird immer wichtiger, Kostenoptimierung ist ein Kernthema. Road Pricing bevorzugt den Diskonter, denn er hat keine Rückfahrten bei Mehrweggebinden. In gewisser Weise fragt sich der Handel, an wen er die Kosten des Road Pricings weitergeben kann, es wird mit Sicherheit ein härterer Kampf um den Kunden entstehen. Eine Alle zufrieden stellende Lösung haben Industrie, Handel und Politik in diesem Bereich noch nicht gefunden.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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