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Interview

30.09.2004

Dr. Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender der Spar Österreichische Warenhandels-AG, hat keine Berührungsangst.

Im Interview mit LK-Handelszeitung sagt er: „Ich begrüße sämtliche Ermittlungen der Bundeswettbewerbsbehörde. Die Ermittlungen sind im positiven Sinne bewusstseinsbildend für die gesamte Branche und tragen dazu bei, dass der Wettbewerb in Österreich gerechter und korrekter wird.“

LK-Handelszeitung: Herr Dr. Drexel, Billa steht derzeit unter medialem Dauerbeschuss. Ein Umstand, den Spar in irgendeiner Weise für sich nutzen kann?
Dr. Gerhard Drexel: Wir halten uns da heraus und kümmern uns lieber um unsere Kunden. Auch gegen Spar wurden Verdächtigungen kolportiert. Können Sie ausschließen, dass davon etwas „hängen bleibt“?
Es hat ja nur derjenige etwas zu befürchten, bei dem sich die Verdächtigungen als richtig erweisen. Wir hingegen sind nie direkt mit Verdächtigungen konfrontiert worden, wir haben das immer nur aus den Medien erfahren. Wir haben eine menschenfreundliche Unternehmenskultur und verhalten uns dieser Kultur entsprechend nach innen und außen.

Halten Sie die Untersuchungen der Bundeswettbewerbsbehörde, die unter dem Titel „Geschäfts- und Lieferbedingungen im LEH“ stehen, für geschäftsschädigend?
Ich begrüße sämtliche Ermittlungen der Bundeswettbewerbsbehörde. Die Ermittlungen sind im positiven Sinne bewusstseinsbildend für die gesamte Branche und tragen dazu bei, dass der Wettbewerb in Österreich gerechter und korrekter wird.

Sie haben einmal darauf verwiesen, dass die Renditen in der Lebensmittelindustrie ungleich höher sind als jene im Lebensmittelhandel und die Lieferanten daher nicht wehleidig sein sollen. Sind Sie noch dieser Meinung und trifft das auch auf mittelständische Produzenten aus Österreich zu?
Diese Aussage in einem Interview bezog sich vor allem auf die multinationalen Lebensmittel-Konzerne.

Spar, Eurospar und Interspar sind die Image-Sieger im jüngsten LEH-Monitor von Fessl/GfK. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
Wir sind ständig bemüht, unsere Märkte, unser Sortiment und unsere Angebote mit den Augen der Kunden zu sehen und die konsequente Arbeit an diesen Eckpunkten hat sich bemerkbar gemacht. Daneben ist natürlich vor allem das Kundenservice eine traditionelle Stärke der Spar, die wir durch ein einzigartiges Miteinander und die ständige Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch weiter ausgebaut haben.

Wie läuft das Geschäft im Jubiläumsjahr und werden Sie ein Minus-51-Prozent-Jahr anhängen?
Minus-50%-Aktionen sind im Jahr des 50. Geburtstages, wie wir es heuer feiern, schlüssig, für die Kunden logisch und gut verständlich, und sie laufen daher auch sehr gut. Dennoch darf man für solche –50%-Aktionen keinen „Nobelpreis für Kreativität“ erwarten. Sie können aber sicher sein, dass wir für nächstes Jahr sehr viele kreative Ideen in Vorbereitung haben.

Spar war in den vergangenen Jahren der Wachstumssieger. Wann wird Spar die Nr. 1 im LEH sein?
Wir stellen uns diese Frage nicht! Umso mehr wird sie uns von Redakteuren gestellt. Für uns ist es nicht entscheidend, die Nummer 1 im österreichischen LEH zu sein. Denn, ob man nun 34,2 oder 35,6 oder 36,8 % Marktanteil hat, ist für die Kunden nicht wirklich relevant. Am Beschaffungsmarkt ist jedoch wichtig, dass man ganz vorne mit dabei ist und vor allem ein Wachstum vorweisen kann. Und das können wir – wir waren in den vergangenen vier Jahren jeweils Wachstumssieger im österreichischen LEH. Darauf kommt es an.

Danke für das Gespräch! Interview: Max Pohl

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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