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Italien auf der BioFach 2007

04.09.2006

Die BioFach 2007 präsentiert Italien als Land des Jahres. 2.100 Aussteller aus zuletzt 73 Nationen und über 37.000 Besucher aus über 100 Ländern der Erde erwartet die Weltleitmesse für Bio-Produkte im Februar 2007 im Messezentrum Nürnberg. Aussteller-stärkste Nation nach Deutschland ist seit Jahren Italien. Zuletzt präsentierten 273 italienische Bio-Produzenten und Händler Tausende ihrer begehrten Delikatessen.

Bio-Landbau hat in Italien lange Tradition. In den siebziger Jahren stellten die ersten Bauern und Kooperativen um und belieferten auch die neu eröffneten Naturkostläden in Deutschland mit heiß begehrten Orangen, Zitronen, Reis und Bio-Pasta. Zu den Hartweizen-Nudeln gehört natürlich die beliebte Tomatensauce. So entwickelte sich eine Vielzahl von verarbeiteten Tomatenprodukten. Nicht zu vergessen: Olivenöl, am besten extra vergine, das sich bereits früh auf dem europäischen Bio-Markt großer Beliebtheit erfreute. Das italienische Bio-Angebot entwickelte sich rasant weiter: die Auswahl an mediterranen Feinkostspezialitäten wie Antipasti, Weinen, edlen Käse- und Wurstsorten oder süßen Deliktessen wie Maronen- oder Feigenmarmelade wächst. Bio-Bauern bewirtschaften in Italien rund eine Mio. ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. 47.000 Unternehmen – nach Angaben des 2005 neu gegründeten Bio-Dachverbands Federbio ( www.federbio.it), das sind 20 % mehr als 2004m, produzieren, verarbeiten oder handeln biologische Lebensmittel.

Umsatzzuwächse im Bioabsatzbereich gibt es eher im Norden, der Süden sowie die Inseln Sizilien und Sardinien haben zwar die höchsten Anteile im Bio-Anbau, die Konsumenten haben aber noch weniger Interesse an Bio-Produkten. Nach Schätzungen des italienischen Bio-Marktexperten Roberto Pinton (Umwelt- und Bioportal www.greenplanet.net) betrug der Umsatz auf dem italienischen Markt im Jahr 2005 rund 1,7 Mrd. EUR, außerdem wurden Waren im Wert von 700 Mio. EUR exportiert. Damit – rund 2,4 Mrd. EUR . verfügt Italien über einen der bedeutendsten europäischen Bio-Märkte. Im Vergleich dazu: In Deutschland, dem größten Bio-Markt Europas, lag der Umsatz 2005 bei rund 3,9 Mrd. EUR. Italienische Supermarktketten verzeichnen bei Bio-Produkten Wachstumsraten. Der Fachhandel, darunter etliche Bio-Supermärkte, kann sich sogar über ein zweistelliges Wachstum freuen. Nach Ansicht Pintons halten dabei Naturkostgeschäfte mit 45 % die größten Marktanteile, gefolgt vom konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (40 %), Großverbrauchern wie Kantinen oder Mensen (10 %) sowie Direktvermarktern (5 %).

In Italien gibt es etwa 1.000 Naturkostläden sowie 50 Bio-Supermärkte. Allein 44 davon gehören zu der Franchisekette NaturaSì, die auch in Spanien vier Bio-Supermärkte unterhält. Außerdem zählen zu dem Unternehmen zwei Bio-Restaurants, zwei Metzgereien mit der Bezeichnung CarneSi sowie ein Wellness Center. Die Umsätze von NaturaSi legten 2005 um 15 % zu. Die Firma Brio, deren Aktienmehrheit in den Händen der Bio-Bauern liegt, ist die größte italienische Handelsgesellschaft auf Erzeugerebene. Sie erzielte 2005 einen Umsatz von 29 Mio. EUR und will 2006 um weitere 6 Mio. EUR zulegen. Ein gutes Bio-Angebot führen auch die Lebensmittelketten Esselunga, Carrefour, Billa/Rewe, Conad, Crai, Despar/Spar, Selex, Todis und Pam.

Biobenessere, was so viel wie Bio-Wellness heißt, ist der Name eines 5 Mio. EUR-Projekts (kofinanziert durch die EU), das seit 2005 für erhebliche Publizität in Italien sorgt ( www.biobnessere.it). Allein 11.000 Werbetage mit Verkostungen und Preisaktionen fanden in Supermärkten oder Naturkostfachgeschäften statt, wobei mehr als 2,1 Mio. Menschen erreicht wurden. Ausrichter ist die regionale Bio-Bauernvereinigung Prober aus der Emilia Romagna, mit etwa 4.000 Mitgliedern die größte ihrer Art in Italien ( www.prober.it). Über 150 ganzseitige Zeitungsanzeigen, 100 TV- und Radio-Spots, Stände auf Messen und Konferenzen sorgten für rund 500.000 Kontakte, die den Bio-Firmen europaweit neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen.

Die Bio-Branche in Italien sieht sich mit der neuen Regierung unter Romano Prodi im Aufwind. Das Bekenntnis zum Öko-Anbau war Teil des Wahlprogramms der Mitte-Links-Grünen Parteien. Neuer Landwirtschaftsminister ist Paolo De Castro, der hohe Wertschätzung genießt. “Für ihn ist die ökologische Landwirtschaft wichtig und Teil einer Offensive für italienische Qualitätsprodukte,” so Bio-Markt Experte Pinton. Schon im ersten Monat seiner Amtszeit traf sich De Castro mit dem Vorsitzenden des Bio-Dachverbands Federbio zum Meinungsaustausch und berief einen Bio-Vertreter in die Kommission „Tavolo agro-alimentare“, in der die Regierung mit Verbänden der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft fachpolitische Fragen diskutiert. Daher sieht die Bio-Branche Italiens mit viel Optimismus in die Zukunft und erwartet sich einiges von der Umsetzung des Nationalen Bio-Aktionsplans, den bereits die Vorgängerregierung im Dezember 2005 verabschiedet, aber noch nicht umgesetzt hatte. (Quelle: oekonews.at)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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