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Ja! Natürlich - Raus aus einem Meer von Plastik

16.01.2020

Österreichs älteste Bio-Marke stellte ihre Kampagne sowie die Hintergründe im Rahmen eines Pressegesprächs vor.

Ja! Natürlich Markenbotschafterin Martina Hörmer präsentiert Green Packging Maßnahmen gemeinsam mit Prof. Gerhard J. Herndl, Zoologe Universität Wien (links) und Verpackungsexperte Manfred Tacker, FH Campus Wien

"Das Verpackungsthema war für uns von Anfang an relevant; immerhin sollte etwas, das selbst bio ist, auch so verpackt sein. Seit 2011 ist Ja! Natürlich ein Vorreiter bei ökologischer Verpackung." holte Markenbotschafterin Martina Hörmer aus. "Das war damals gesellschaftlich kein Thema - auch für die Verpackungsindustrie nicht."

Verpackungen einfach weg zu lassen ist - trotz wachsender Zahl offen verkaufter Produkte - keine Lösung, wie Hörmer betont: "Was muss eine Verpackung leisten? Sie muss die Unterscheidbarkeit mit konventionellen Produkten sicherstellen, was ja auch das Gesetz verlangt. Darüber hinaus muss sie die Ware schützen, die nötige Hygiene garantieren und die Haltbarkeit verlängern. Dazu gibt es kein Patentrezept; man muss wirklich für jedes Produkt die passende Verpackung entwickeln." Das kann bei Äpfeln eine plastikfreie Kartonverpackung sein, bei Gemüse eine Banderole oder bei Früchten mit unverzehrter Schale ein Laserbranding. Bei Fleisch und Milchprodukten wie Käse ist Kunststoff aber als Barriere unverzichtbar - nach innen sowie nach außen.

Mehrstufenplan

Die Verpackungsstrategie von Ja! Natürlich folgt einem Plan mit drei Hauptpunkten.

1. Reduce: Verpackung überall dort wegzulassen, wo dies möglich ist. Offenes Obst und Gemüse mit Papieraufklebern, eine simple Banderole statt einer Einschweißung, der Ersatz von Plastikschalen durch Karton und ähnliche Maßnahmen fallen in diese Kategorie.

2. Replace: Dies bedeutet, Kunststoff-Verpackungen durch ökologischere Lösungen zu ersetzen. Also Karton statt Plastiktray mit Schrumpffolie, Zellulosenetze statt Plastiksäcken oder ein Laserlogo auf der nicht zum Verzehr gedackten Schale eines Produkts. Recht stolz  ist man bei Ja! Natürlich auch darauf, künftig Mehrwegflaschen statt Tetrapaks für die markeneigene Milch anzubieten. Bio-Samen und loser Tee werden ebenfalls in Graspapier-Säckchen angeboten.

3. Recycle: Woraus auch immer eine Verpackung besteht - sie muss bestmöglich recyklierbar sein.

So konnten seit 2011 gut 1.000 Tonnen Plastikmüll - das entspricht einer Kolonne von 140 Müllwägen - alleine von Ja! Natürlich eingespart werden. Diese Menge entspricht einem Äquivalent von eingesparten 4.390 Tonnen CO2, für deren Kompensation fast 700.000 Bäume gepflanzt werden müssten.

Über das Plastik im Meer

Der Zoologe Prof. Gerhard Herndl von der Uni Wien vermittelte die Fakten: "Obwohl Plastik erst seit den 1950er-Jahren verwendet wird ist es heute aus keinem Bereich mehr wegzudenken, die produzierten Mengen steigen auch heute noch stark an. Bei den daraus hergestellten Produkten entfällt ein Drittel auf Verpackungen, ein weiteres Drittel auf Gebäude und Autos und alle weiteren Anwendungen machen nochmals ein Drittel aus. Müllsammlung und Recycling funktionieren in Europa zwar ganz gut, aber selbst Österreich verlässt die Donau bei Hainburg mit mehr Plastik als sie bei Passau mitgebracht hatte.

Das große Problem sind aber südostasiatische Staaten: Das Trinkwasser ist schlecht bis gesundheitsgefährlich, also wird Wasser aus Plastikflaschen getrunken. Und aufgrund des Fehlens von Müllbehandlung oder gar Recycling finden pro Jahr rund 8 Mio. Tonnen Plastik ihren Weg ins Meer. Von Bakterien kann aber bestenfalls ein Zehntel dieser Menge abgebaut werden - die Plastikdichte steigt also laufend weiter."

Meist unsichtbar, aber überall

Die fünf Müllstrudel, welche sich im Indischen Ozean und je zwei Mal in Atlantik und Pazifik drehen, darf man sich jedoch nicht als plakative sofort erkennbare Menge von großen Teilen vorstellen, wie Herndl einschränkte: "Fast 90 Prozent des Plastiks ist Mikroplastik. Das am häufigsten vertretene Polyproyplen schwimmt an der Oberfläche, wird durch UV-Licht brüchig und zerfällt dann in immer kleinere Teile. Diese werden von Tieren mit Plankton verwechselt und kommen in den Nahrungskreislauf - inzwischen ist Mikroplastik in allen Lebewesen nachweisbar, auch in uns Menschen. Dazu kommt Mikroplastik, das wir direkt aufnehmen: über Zahnpasta, Shampoo und Kosmetika. Dieses primäre Mikroplastik ist so fein, dass es auch durch die Kläranlagen rutscht."

Was lässt sich gegen den Plastikmüll tun? Barrieren der Organisation Ocean Cleanup verdichten die Müllstrudel teilweise, um zumindest die großen Stücke entnehmen zu können. Kooperationen mit asiatischen Ländern sorgen beginnend auch schon in den Flüssen dafür, dass nicht mehr soviel Plastik das Meer erreicht. Die Müllvermeidung ist aber immer noch der beste Weg, wie der Meeresbiologe Herndl meint.

Was ist "Nachhaltigkeit"?

Mit dieser provokant klingenden Frage begann Verpackungsexperte Manfred Tacker vom FH Campus Wien sein Referat. "Alleine in Österreich werden jährlich mehr als 300.000 Tonnen Kunststoffverpackungen, rund die Hälfte davon für Lebensmittel, erzeugt. Nach dem Regierungsplan soll diese Menge in fünf Jahren um 20 Prozent oder rund 60.000 Tonnen schrumpfen. Die Forderung nach einer Kreislaufwirtschaft ist ebenfalls sinnvoll und richtig. Aber wäre es wirklich nachhaltiger, alle Produkte lose zu verkaufen? Nein, das brächte eine deutlich schlechtere Umweltbilanz mit sich!"

Tacker erklärte auch gleich, warum: "Die Landwirtschaft ist weltweit für rund ein Viertel des CO2-Ausstoßes verantwortlich, Verpackungen nur für knapp zwei Prozent. Verdirbt also ein Lebensmittel ohne Verpackung, war das viele in seiner Produktion entstehende CO2 auch noch vergebens." 

„Ein nachhaltiger Umgang beim Thema Verpackungen heißt nicht nur Vermeidung von Verpackung, sondern vor allem auch, den Materialeinsatz und die Wieder- und Weiterverwertung von Verpackungsstoffen zu optimieren. Dabei gibt es leider nicht die eine richtige Lösung im Sinne einer umweltfreundlicheren Verpackung, sondern man muss immer im Einzelfall die gangbaren Alternativen und ihre Sinnhaftigkeit prüfen“, kommentiert Verpackungsexperte Manfred Tacker von der FH Campus Wien die diesbezüglichen Erfahrungen von Ja! Natürlich. "Diesem Prozess müssen sich in den kommenden Jahren rund 30 Prozent aller Produkte unterziehen!"

Auch 2020 steht bei Ja! Natürlich Green Packaging im Fokus

Im angebrochenen Jahr plant Ja! Natürlich nicht nur das Obst & Gemüse Sortiment noch weiter von Plastik zu befreien – wie durch die kürzlich eingeführten Tragerl aus Karton für Äpfel, Birnen und Kiwi, die Folien ersetzen. 2020 werden verstärkt auch andere Produktkategorien nachhaltiger verpackt. So werden noch im ersten Quartal Teigwaren in Papierverpackung in die Regale kommen, loser Tee wird in Kürze in einer Verpackung aus Graspapier angeboten werden und im kommenden Frühjahr wird auch ein Viertel der Ja! Natürlich Bio-Samen bereits in Graspapier Säckchen ohne Aluminium-Innenbeutel angeboten. Allen voran hat Ja! Natürlich für 2020 die Einführung der langersehnten Milchglasflasche in der Mehrwegvariante angekündigt. Die im Frühjahr 2018 – vorerst in einer Einweg-Variante – eingeführte Ja! Natürlich Milch-Glasflasche hat alle Erwartungen übertroffen: fast ein Viertel der Ja! Natürlich Milch wird bereits in der Glasflasche gekauft! Seit dem ersten Tag war es erklärtes Ziel von Ja! Natürlich, möglichst bald auf ein Mehrweg-System umstellen zu können. Die intensiven Bemühungen aller Beteiligten haben sich gelohnt. Und so freut sich Ja! Natürlich im ersten Quartal 2020 die Ja! Natürlich Bio-Vollmilch sowie auch die Joghurts im Glas in einer Mehrweg-Flasche in die Regale von Billa, Merkur und Adeg zu bringen. Möglich ist dies nur durch das flächendeckend vorhandene Rückgabe-System der Handelsfirmen der Rewe Group in Österreich.

 

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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