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Jetzt setzen auch globale (Fast) Food-Konzerne auf Vegan

30.04.2019

Innovative Lebensmittelhändler forcieren mit ihren Premium-Eigenmarken schon seit geraumer Zeit alternative Lebensmittel, ihr besonderes Augenmerk gilt den veganen Fleischersatz-Produkten. Spar und Billa/Merkur in Österreich, Migros und Coop in der Schweiz, sie  liefern einander ein heißen Match um den Pionierstatus bei den Veggie-Produkten.

Von Hanspeter Madlberger

Die Zeit ist reif, dass die veganen Warengruppen von Nischen- zu Mainstream-Märkten anschwellen. Bislang waren es auf Erzeugerseite vor allem Startups, welche die Nachfrage nach fleischlosen Lebensmitteln bedienten, denen eine besondere Umweltverträglichkeit attestiert wird. In Befolgung der Gorbatschow-Mahnung: “Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte“  investieren in jüngerer Zeit immer mehr Großunternehmen der Food-Branche in die Einführung von Vegan-Produkten.

Den Anfang machte Molkereiriese Danone, als er bereits im Jahr 2016 für 11,3 Milliarden € den US-Sojamilch-Erzeuger Whitewave samt seiner europäischen Marke Alpro erwarb. Laut „Handelsblatt“ vom 24. April stehen pflanzenbasierte Produkte aktuell für rund ein Sechstel des Danone-Konzernumsatzes. Dieser Tage wagt das kalifornische Unternehmen Beyond Meat, seit zehn Jahren als Produzent von veganen Fleischersatz-Produkten am Markt, den Börsengang. Auf diese Weise soll frisches Kapital in Höhe von 184 Millionen $ dem Unternehmen zufließen, das 2018 bei einem Umsatz von 88 Millionen $ noch 30 Millionen Verlust schrieb  Dass Beyond Meat-Altaktionäre wie der US-Fleischriese Tyson Foods und Microsoft-Gründer Bill Gates weiter an Bord bleiben, beflügelt die Fantasie der Investoren.

Wie die „Lebensmittelzeitung“ kürzlich berichtete, will der Margarine-Konzern Upfield (Markeninhaber von Rama) sich als Weltmarktführer für pflanzliche Ernährung  profilieren und dabei neue Kategorien entwickeln. Haupteigentümer von Upfield ist der US Private Equity Riese KKR. In dessen Portfolio sich, nebenbei bemerkt, auch die renommierte Nürnberger GfK befindet. Eifrig unterwegs in Sachen veganem Fleischersatz sind in Deutschland Wurstproduzent Rügenwalder Mühle  und Geflügel-Spezialist PHW (Paul Wesjohann) mit der Marke Wiesenhof (z.B. Bruzzler Veggie). Ambitionierte „Kunstfleisch“-Forschung betreibt die niederländische Mosa Meat, an der, wie die Fleischerzeitung 2018 berichtete, die Firma Bell Foods, mehrheitlich im Eigentum der Coop Schweiz, eine Beteiligung hält. In Österreich zeigt Neuburger mit seinen aus Kräuterseitlingen hergestellten vegetarischen Bio-Grillwürsten Hermann auf. Damit besetzen die Mühlviertler das junge, wachstumsträchtige Segment der vegetarischen Bio-Produkte. 

Incredible oder Impossible Burger?

Besonders spannend verläuft das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Fastfood-Ketten McDonalds und  Burger King’s bei der Einführung von veganen Fleischersatz-Laberln. Dieser Tage startete McDonalds in Deutschland den Testverkauf des Big Vegans TS, eines veganen Burgers, der von Nestlé produziert wird. Die Rezeptur setzt sich aus Soja und Weizen-Proteinen zusammen und entspricht dem Incredible Burger, den die Schweizer in einigen Ländern unter der Dachmarke Garden Gourmet an den Einzelhandel verkaufen. Vorläufer des ersten veganen McDonalds Burger ist der im Vorjahr einführte vegetarische Burger auf Quinoa-Basis. 

Anfang April kündigte Burger King’s die Einführung  des Impossible Whooper, eines veganen Burger an, dessen Rezeptur vom Startup Impossible Foods, dem Rivalen von Beyond Meat, stammt. Diese Neuheit im Sortiment ist deshalb besonders bemerkenswert, weil Burger King`s bislang mit seiner Werbung vor allem die Hardcore-Rindfleisch-Grill-Fans ins Visier nahm. Der Impossible Whooper, ein Anschlag auf den Markenkern oder ein Zugeständnis an die weltweit wachsende Zahl der Flexitarier, die den gelegentlichen Fleischverzicht praktizieren? Die beiden US-Fast Food Riesen haben sich wohl auch deshalb  für den Einstieg in das Geschäft mit veganem Fleischersatz entschieden, weil etliche kleinere Mitbewerber wie White Castle und klassische Restaurants wie Red Robin mit dem Impossible Burger bereits schöne Umätze erzielen. Allerdings haben Marktforscher in UK  herausgefunden, dass 39% der Konsumierenden die Ansicht vertreten, dass vegane „Kunstfleisch“-Produkte nicht so gesund sind wie frisches Gemüse.

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger war unter anderem bei Henkel Austria und der Handelskette A&O beschäftigt, arbeitete 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift Regal, war 21 Jahre Herausgeber der Handelszeitschrift Key Account und ist seit Herbst 2014 als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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