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Jörg Grossauer, Country Manager Bolton Austria

Jörg Grossauer: "Borotalco gewinnt weiterhin Neukunden"

24.04.2017

Das italienische Familienunternehmen Bolton führt in seinem Portfolio die Deodorant-Marke Borotalco. Sie ist in Österreichs Handel gut distribuiert und bringt so manche Konkurrenz ins Schwitzen. Das bestätigt Jörg Grossauer, Österreich-Verantwortlicher in einem Interview mit der Handelszeitung.

 

Handelszeitung: Für den österreichischen Handel und auch die Konsumenten ist Borotalco eine junge Marke. Wer und was steht dahinter?

Jörg Grossauer: Ich habe vor fünf Jahren die Bolton-Gruppe übernommen. Das italienische Unternehmen ist im FMCG-Bereich tätig und produziert alle Produkte selbst. Das dynamisch wachsende Unternehmen setzt drei Mrd. Euro um und beschäftigt in ganz Europa mehr als 3000 Mitarbeiter. Die Markenprodukte sind in mehr als 125 Ländern erhältlich, viele davon kennt man auch hier in Österreich: Rio Mare, UHU, Collistar oder Somatoline. In Österreich haben wir mit Borotalco Deodorant 2014 gestartet.

In Wahrheit ist das für eine Marke heute nicht allzu viel Zeit, um am Markt zu ­reüssieren. Wie hat sich der Erfolg eingestellt?

Jörg Grossauer: Bolton ist ein Experte in den Bereichen FMCG, wie bereits erwähnt, und bei Personal & Beauty Care. Zur Veranschaulichung: Wir machen 45% Umsatz mit Food, 18% mit Personal Care und Wellbeing, 18% mit Haushaltsartikeln, 13% mit Adhesives und 6% mit Beauty Care. In Italien wurde Bolton in den 50er-Jahren geründet, hier in Österreich haben wir drei Saisonen hinter uns. Es ist wichtig, in Saisonen zu denken, denn im Sommer macht man doppelt so viel Umsatz wie im Winter. Die laufende Betonung auf unseren USP ist für die Marke besonders wichtig. Italienische Produkte stehen – wie unsere eben – für Schönheit und Körperpflege. Die klare Differenzierbarkeit zu anderen Produkten zieht sich wie ein roter Faden durch die Marken. Das klassische Antitranspirant riecht frisch und neutral, ist somit unisex anzuwenden und hat diesen unverkennbaren Geruch nach Baby-Puder. Dieser zieht sich durch alle Varianten durch. Wir haben uns in Österreich in einem sehr dichten und hart umkämpften Markt nachhaltig etabliert und möchten diesen Status noch weiter ausbauen.

Gibt es in Österreichs Handel überhaupt noch Wachstumspotenzial?

Jörg Grossauer: Ja, vor allem aluminiumfreie Deos rücken immer stärker in den Fokus. Wir bieten je nach Konsumentenwunsch auch das passende Produkt an. Wir punkten seit 2015 mit Borotalco Pure, einer aluminiumfreien Alternative. Die Lobby rund um aluminiumfreie Deos ist sehr stark geworden, und wir haben reagiert. Dieses Deo in Sprayform erreichte Platz sechs in der zweiten Saison am Markt im DFH. (Nielsen , DFH KW 28–51/2016, Einzelranking der alufreien Aerosole). Um den Bedürfnissen noch einmal besser nachzukommen, wurde das alumiuniumfreie Sortiment im Oktober 2016 um eine zweite Duft-Linie Borotalco Pure Natural Freshness erweitert.

Ist der Deomarkt nicht schon sehr gesättigt?

Jörg Grossauer: Ja, das ist richtig, und trotzdem haben wir mit Borotalco gesamt einen Marktanteil von 3,8% (Nielsen, wertmäßiger MA, Woche 53/2015–51/2016). Im Drogeriefachhandel sind es sogar 4,2 %. In den heimischen Regalen finden sich zwischen 220 und 330 Deos. Dabei handelt es sich vorwiegend um Sprays, es ist die gefragteste Applikationsform am österreichischen Markt. Unter diesem großen Angebot haben es mittlerweile sogar zwei Borotalco-Produkte in die Top-Ten der Deosprays im DFH (letztes HJ) geschafft. Das Borotalco Original Spray liegt an zehnter und die aluminiumfreie Variante Borotalco Pure sogar an sechster Stelle. Auch die Marktanteilsentwicklung spricht für sich. 2016 haben wir eine Steigerung von 43,2% im LH und DFH versus 2015 erreicht, im DFH alleine sind es im selben Zeitraum 39%.

Diese Zahlen sind wirklich beachtlich, man erreicht das doch nicht nur ausschließlich über eine klare Markenstrategie?

Jörg Grossauer: Nein, natürlich nicht, wir haben werbetechnisch in Borotalco viel investiert. Durch Werbung haben wir die Konsumenten zum Erstkauf gebracht, durch Qualität zum beindruckenden Wiederkauf. Und wir gewinnen weiterhin Neukunden. Unsere gewichtete Distribution liegt bei 99% mit der Variante Original, mit Invisible bei 95% und Pure (aluminiumfrei) bei 85%. Gestartet haben wir 2014 mit zwei Duftrichtungen und liegen heute bei sechs Varianten mit 18 SKU. Die Marke Garnier konnten wir am Markt bereits überholen.

Von welchen Marktkennzahlen sprechen wir hier?

Jörg Grossauer: Der Gesamtmarkt beträgt 55,2 Mio. Euro, DFH nimmt 68,5% ein und LH 31,5%. dm Drogeriemarkt ist dabei am stärksten, gefolgt von Bipa und Müller. Der Spray ist die beliebteste Variante mit 52,7% vor dem Roll-on mit 24,2%, dem Vapo mit 15,8% und dem Stick mit 5,5%.

Was darf man nun von Borotalco in ­Zukunft erwarten?

Jörg Grossauer: Die Marke steht immer im Vordergrund, der Werbedruck bleibt erhalten, ebenso wie das Preisniveau. Auch 2017 wird es sechs Duftrichtungen geben. Die Variante „White“ erhält einen Relaunch und wird zu Invisible Fresh. Die alumiumfreie ­Range besteht aus zwei Varianten: Pure Natural Freshness und Pure Clean Freshness, bei der Original und Invisible ändert sich sonst nichts. Und wir wollen die offenen Potenziale im Handel noch stärker vorantreiben und ausnützen.

Autor/in:
Gabriele Jiresch
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