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Kassasturz bei Rewe und Spar

17.12.2014

Die Umsätze bei Rewe und Spar haben in Österreich den Plafond erreicht, die Bruttospannen sind konstant. Aber die Personalkosten steigen, die Erträge sind im Keller. 

Unser Blick in die Gewinn- und Verlustrechnungen der Handelskonzerne zeigt zahlreiche Baustellen.
Kerstin Neumayer, Merkur-Vorstand, und Markus Kaser, Interspar-Chef, lobten beim diesjährigen ECR-Infotag in einer Art Doppelconference die Vorzüge der jeweiligen Vertriebsschienen. Über den Verdrängungswettbewerb wurde nichts gesprochen.
Markus Kaser

Hanspeter Madlberger

 

Vorweihnachtliche Festesfreude will heuer im Handel nicht so recht aufkommen, angesichts der anhaltend flauen Verbrauchernachfrage. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich ja seit Ausbruch der Weltfinanzkrise im Jahr 2008 nicht grundlegend verbessert. Mittlerweile hat auch der als nachfragestabil geltende Lebensmittelhandel („gegessen wird immer“), seine Schrammen abbekommen. Wie den Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnungen von Rewe und Spar zu entnehmen ist, spüren auch die beiden Branchenriesen die Folgen der europäischen Langzeitkrise immer deutlicher. Begleiten Sie uns bei der Expedition in das Zahlenreich von Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg, Spar, Interspar, Hervis und SES.
Erste Station in unserem Faktencheck ist der Umsatz. Dessen Wachstum hat sich bei der Rewe wie bei der Spar in den letzten Jahren verlangsamt, die Marktanteile der Nummer 1 und der Nummer 2 im heimischen LEH sind solcherart festgezurrt. Die Formate der Rewe lagen 2013 laut Nielsen bei einem Anteil von 35,4% (2012: 35,3%), Spar kam auf 30,1% (2012: 29,9%).

Schwaches Umsatzwachstum 2012/2013 bei Rewe und Spar
Die Billa AG, in der die Handelsfirmen Billa Österreich, Penny Österreich, Penny Italien und Standa Italien zusammengefasst sind, erreichte 2013 ein Umsatzplus von 1,9%. In absoluten Zahlen stiegen die Erlöse um 113,8 Mio. Euro (alle Umsatzzahlen sind netto ausgewiesen, also ohne Mehrwertsteuer). Dieses Wachstum geht zur Gänze auf das Konto von Billa Österreich, die heimische Supermarktkette legte um 157,6 Mio. € zu und kompensierte damit die Einbußen von Penny und Standa. Im österreichischen LEH ist Billa der Wachstumsmotor der Rewe mit einem Plus von 4,8%, gefolgt von Merkur (+ 3,3%) und Bipa (+ 2,9%).
Über die Umsatzentwicklung von Penny Österreich schweigt sich der Geschäftsbericht der Billa AG aus, er vermerkt lediglich, dass der Penny-LEH-Marktanteil laut Nielsen von 4,66% (2012) auf 4,54% (2013) gesunken ist. Als Grund für den Rückgang wird die Übergabe von zehn Penny Filialen an Billa im September 2012 angegeben. So wie im Jahr zuvor umfasste das Filialnetz von Penny 288 Standorte.

Aufschwung bei Adeg
Eine Überraschung liefert die Performance der Adeg AG: Ihr Umsatz stieg 2012/2013 um 212,4 Mio. Euro (+ 70,46%) auf 513,9 Millionen Euro. Zurückzuführen ist dieser „Aufschwung“ auf die im Jänner 2013 durchgeführte Übernahme des Teilbetriebes „Rewe Großhandel“, der die Belieferung der Tankstellen-Shops umfasst. Die Zahl der belieferten Adeg-Geschäfte sank von 415 auf 396, dazu kommen als weitere Lieferadressen 462 Tankstellen. In der jüngsten Presseaussendung der Adeg ist allerdings von 430 Adeg-Märkten die Rede.

Die Holdag-Gruppe, Holding des österreichischen Spar-Konzerns, steigerte ihren Umsatz 2013 im In- und Ausland um 2,8% auf 8,672 Milliarden Euro. Das inländische Kernunternehmen, die Spar Österreichische Warenhandels AG, legte 2013 bei ihrem Nettoumsatz um 4,3% auf 4,038 Milliarden Euro zu. Davon entfiel auf die Interspar-Hypermärkte ein Umsatz von 1,018 Mrd. Euro, was gegenüber 2012 ein Plus von 3,2% ergibt. Die Verkaufsfläche der Spar-Gruppe in Österreich (inklusive Märkte der Spar-Kaufleute) erhöhte sich 2013 um 2,0% auf 1.107.860 m2. Der Umsatz der Sportfachmarktkette Hervis (Inland und Ausland) sank von 441 Mio. Euro (2012) auf 424 Mio. Euro (2013). Die Verkaufserlöse der Mieter in den Shopping Centers der SES stiegen von 2,53 Milliarden Euro (2012) auf 2,56 Mio. Euro (2013), also um bescheidene 1,2%.

 

Überkapazitäten fordern ihren Tribut

Bereinigt man diese Wachstumsraten der Rewe und Spar-Formate in Österreich um die Inflationsrate in Höhe von zirka 2% (2013), dann bleibt als hartes Resümee: Die beiden führenden Handelsgruppen des Landes, die zusammen für knapp zwei Drittel des LEH Umsatzes aufkommen, stoßen an ihr Limit. Mehr geht bei der aktuellen Konjunkturflaute nicht. Zu hinterfragen ist daher die ökonomische Sinnhaftigkeit aller Expansionspläne, die stur auf die Beseitigung der eigenen „weißen Flecken“ abzielen. Schon jetzt haben wir im Verbrauchermarkt-, im Supermarkt- und im Diskontsektor erhebliche Überkapazitäten.

Investitionen amortisieren sich immer später
Die Amortisationsdauer von Investitionen in das Flächenwachstum wird daher immer länger, hohe Abschreibungen sind bei stagnierendem Umsatz in der Kalkulation immer schwieriger unterzubringen. Auch bei Modernisierungen bestehender Standorte, die unverzichtbar sind, ist Augenmaß angesagt. Beispiel Bipa: Die Parfümeriekette der Rewe meldet einen Rückgang des EGT von 27,6 Mio. Euro (2012) auf 9,8 Mio. Euro (2013) und begründet diesen Ertragseinbruch mit „dem Start eines groß angelegten General­renovierungs­programms“. Bleibt zu hoffen, dass diese Investitionssaat in den nächsten Jahren aufgeht.

Schlaglichter auf das Match Merkur gegen Interspar
Überkapazitäten im LEH heizen den Verdrängungswettbewerb an, mit massiven betriebswirtschaftlichen Folgen für die Beteiligten. Als sich kürzlich Merkur-Vorstand Kerstin Neumayer und Interspar-Chef Markus Kaser beim ECR-Info-Tag, angefeuert von ZIB-2-Starmoderator Armin Wolf, über die Vorzüge ihrer jeweiligen Marktmodelle austauschten, amüsierte sich das Publikum. Das Thema „Verdrängungswettbewerb“ aber blieb ausgespart.
Aktuelle Daten des GfK-Haushaltspanels lassen die Brisanz dieses Matches erahnen. Im Zeitvergleich 1. HJ 2012 vs. 1. HJ 2013 legte Interspar bei der Käuferreichweite von 48,2 auf 49,0% zu, hinkt aber damit weiterhin deutlich hinter den Merkur-Märkten zurück, deren Reichweite von 58,8% auf 58,1% sank. Dass Merkur mit 127 Filialen (Stand 1. Jänner 2014) mehr Kunden erreicht, als Interspar mit 60 Standorten, liegt auf der Hand. Interspar verdankt seinen Reichweitenzuwachs nach Expertenansicht den intensiven Flugblattaktionen, während die frequenzsteigernde Wirkung des „Mr. Anonym“, der uns jetzt verlässt, offenbar nachließ.

Die Kunden sind im Großen und Ganzen loyal
Bei der Bedarfsdeckungsquote, Indikator für die Shopperloyalität, konnte die Rewe-Tochter gegenüber dem Tannen-Großformat erneut punkten. Merkur hält im ersten Halbjahr 2014 bei 14,7% (2012: 14,8%), Interspar bei 13,2% (2012: 13,4%). Wenn die Kunden eines 2000m2 großen Merkur im Schnitt mehr einkaufen als die Kunden eines 4000m2 großen Interspar, muss das einen Grund haben. Und der heißt vermutlich „Friends of Merkur“. Übrigens: Der Durchschnittseinkauf bei Merkur stieg von 22,86 Euro (2012) auf 23,08 Euro (2013).

Aktionsschlachten ohne Einfluss auf den Rohgewinn
Spektakulär manifestiert sich der Verdrängungswettbewerb in den seit Jahren tobenden Sonderangebotsschlachten. 2013 feierte Billa seinen 60. Geburtstag (heuer ist die Spar an der Reihe). Wie hat sich dieser Aktionshype auf die Roherträge der Einzelhandelsformate ausgewirkt?
Die Billa AG (mit Billa, Penny, Standa) erreichte 2013 eine Bruttospanne von 28,7% (bezogen auf den Nettoumsatz), 2012 lag dieser Wert bei 28,6%. Deutlich besser schneidet, wie nicht anders zu erwarten, Bipa ab. 2013 schaffte der Parfümeriefilialist eine Bruttospanne von 37,9%, ein Jahr zuvor waren es „nur“ 37,0%. Dazwischen liegt Merkur mit einer Spanne von 32,8% (gleicher Wert in den Jahren 2012 und 2013).
Die Spar Warenhandels AG weist 2013 eine Bruttospanne von 29,1% aus, 2012 lag sie bei 29,2%. Die Werte sind insofern mit jenen von Billa und Merkur nicht ganz vergleichbar, weil ja der Spar-Konzern neben seinen Filialumsätzen auch Großhandelsumsätze (Belieferung der Spar-Kaufleute) tätigt, während Billa, Penny und Merkur reine Filialisten sind.
Bei der Adeg AG, zu 100% ein Großhändler, sank die Rohspanne von 12,0% (2012) auf 9,4% (2013). Vermutlich besteht hier ein Zusammenhang mit der Übernahme des Großhandels für die Tankstellenshops. Generell aber haben sich die Bruttospannen bei Rewe und Spar kaum verändert.

Stark gestiegene Personalkosten
Dass sich die Personalkosten, der bedeutendsten Aufwandsposition des Einzelhandels, ebenfalls kaum verändert hätten, kann man hingegen nicht behaupten. Bei der Billa AG stieg der Personaufwand in Prozenten des Nettoumsatzes gemessen, von 13,2% (2012) auf 13,6% (2013), bei Merkur schnellte die Personalkostentangente von 16,4% auf 17,1% hinauf, bei Bipa gar von 14,6% auf 15,8%. Lediglich bei der Spar AG blieb der Personalaufwand konstant auf dem hohen Niveau von 16,6% (2012) bzw. 16,5%.(2013).
Der Diskonter Hofer kann angesichts dieser Zahlen seiner Mitbewerber in fröhlich-selige Weihnachtsvorfreude verfallen. Personalkostenführerschaft aufgrund einer sensationell hohen Personalleistung, das ist die nie versiegende Ertragsquelle des Paradediskonters.
Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf den Betriebserfolg, also das operative Ergebnis vor der Einbeziehung allfälliger Beteiligungserträge und Zinsen. Und da wird es nun wirklich eng. Die Billa AG weist als Betriebserfolg 2013 einen Gewinn von 55 Mio. Euro aus, was 0,9% des Umsatzes entspricht. Merkur rutschte in einen Verlust von 0,3% ab, Bipa bilanziert mit 2,3% Gewinn, die Spar Warenhandel mit 1,62%. So schmelzen die Milliarden­umsätze unserer Handelsriesen zu ein paar Millionen an operativem Gewinn zusammen. Eine schöne Bescherung.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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