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Keine Furcht vor dem Online-Handel

08.10.2012

E-Commerce und Nahrungsmittel – diese Begriffe schlossen sich lange gegenseitig aus. Moderne Logistikdienstleistungen und an die Bedürfnisse von Lebensmittelhändlern angepasste Software schaffen die Probleme jetzt aus der Welt.

Text: Dr. Verena Maas, moleSoftware GmbH

Man muss kein Prophet sein, um die Entwicklung vorauszusehen: Genauso wie das Internet Branchen wie Buch- und Bekleidungshandel, Reisebuchungen oder Verkauf von Elektronik umgekrempelt hat, wird es dies auch mit dem Lebensmittelhandel tun. Die Zeit ist reif, denn bislang unüberwindbare Stolpersteine wie Kühlketten oder der Umgang mit Retouren sind inzwischen auf die Größe von Kieselsteinen geschrumpft: Immer noch eine Herausforderung, aber mit dem richtigen Schuhwerk locker zu meistern. Noch steht der elektronische Food-Verkauf (E-Food) am Anfang und ist eher eine Nische in den ansonsten riesigen Feldern E-Commerce beziehungsweise Lebensmittelhandel. Dies untermauert die im Frühjahr 2012 erschienene Studie „Online Food Retailing“ der Unternehmensberatung A.T. Kearny. Die Autoren bescheinigen dem E-Food-Bereich derzeit einen kleinen Marktanteil (0,2 Prozent des gesamten E-Commerce-Umsatzes in Deutschland; in Österreich und der Schweiz dürfte das Verhältnis ähnlich sein), aber auch ein riesiges Wachstumspotenzial (bis auf 1,5 Prozent im Jahr 2016).

In England und vor allem den USA sind die Marktanteile bereits heute erheblich größer. Insbesondere in der Schweiz sollten sich Händler möglichst den neuen Techniken zuwenden. Denn dort legen Kunden großen Wert auf Service und lassen sich nicht allein durch niedrige Preise bei der Stange halten. Wer als Händler frühzeitig auf den Online-Verkauf setzt, nimmt den Startvorteil mit. Die Konzepte und Techniken, die E-Food in der Praxis in der momentanen Phase zum Erfolg werden lassen, sind jedenfalls schon entwickelt und erprobt – es herrscht Aufbruchsstimmung in der Branche. Von Vorteil sind dabei die heute schon bei Kunden bekannten starken Marken der Lebensmittelhändler. Insbesondere bei verderblicher Ware wie Nahrungsmitteln hilft das Vertrauen, um auch online erfolgreich zu sein. Doch geht es nicht nur darum, den eigenen Absatz zu vergrößern. Es gilt vielmehr auch, sich bald möglichst gegen neue Wettbewerber zu positionieren. Denn beim Onlinehandel gelten andere Regeln als im stationären Verkauf: Die hinlänglich bekannten E-Commerce-Platzhirsche dringen viel schneller in neue Produktwelten vor, als dies beim Ladenverkauf und seinen hohen Investitionskosten möglich wäre. Zudem drängen bereits reine Online-Food-Verkäufer in den Markt.


Sanfter Ausbau statt radikalem Umstieg

Natürlich soll kein Lebensmittelhändler über Nacht ausschließlich zum E-Food- Verkäufer werden. Der elektronische Vertrieb muss stattdessen den stationären Handel ergänzen. Das Stichwort lautet Multichannel-Commerce: Zum angestammten Vertriebskanal (Ladengeschäft) kommt noch der Online-Absatz hinzu. Multichannel- Commerce ist der strategische Ansatz, die potenziellen Kunden auf allen (modernen) Vertriebs- und Kommunikationskanälen zu erreichen. Eines der derzeit bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzten Konzepte erlaubt es den Kunden, ihren Einkaufskorb bequem per Internetbrowser bei ihrem angestammten Lebensmittelhändler zu bestücken und die gewünschte Abholzeit anzugeben. Der Händler stellt die Auswahl bereit, und der Kunde muss den Einkauf vor Ort nur noch einsammeln (Drive-in-Konzept). In Deutschland bietet beispielsweise Rewe seinen Kunden in ausgewählten Märkten diese Einkaufsmöglichkeit.

Daneben gibt es den klassischen Versandhandel. Auch hier stellt der Kunde online den Warenkorb zusammen. Er holt ihn jedoch nicht selbst ab, sondern lässt sich die Ware nach Hause liefern. Dank spezieller Logis-tikdienste wird die Kühlkette hierbei nicht unterbrochen, so dass auch frische Produkte wie Fleisch, ofenfrische Backwaren oder Tiefkühlkost verkauft werden können. Beide E-Food-Konzepte erfüllen ein elementares Bedürfnis von jungen Familien, Studenten und Berufsanfängern: Sie wollen vor allem Zeit sparen beim Einkauf. Laut einer GfK-Studie haben die Einkaufsgänge dieser Gruppen zwischen 2006 und 2011 um 16 % abgenommen. Dies ist im Vergleich zu älteren Zielgruppen ein Rückgang um mehr als das Doppelte. Händler, die sich dank Internetverkauf den Lebensgewohnheiten ihrer Kunden anpassen, sind daher klar im Vorteil. 

 

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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