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Kommentar

02.05.2003


Rufe nach dem Kadi: Die Beteiligung der Rewe an Adeg könnte immer noch wackeln.<BR><BR>von Wolfgang Friedrich

Angebot und Nachfrage
Was sagen Ihnen die Marken „Zwickt voll“, „Uriel“, „Never“ oder „Langenzersdorfer“?

Das sind keine neuen Private Labels einer Handelsorganisation, sondern Teil der Botschaft der österreichischen Markenartikel-Industrie an die Konsumenten, beim Einkauf den Markenartikeln den Vorzug zu geben vor schnöden Imitationen.
Was stimmt, ist: Die Markenartikelhersteller stehen durch die extreme Nachfragemacht der Handelsriesen unter starkem Druck. Spar (Marktanteil 32 %) und Billa-Merkur (37 %) dominieren zwei Drittel des Marktes; gemeinsam mit den nächsten drei Anbietern beträgt der Anteil am Lebensmittel-Sektor sogar über 90 %.

Fraglich ist, ob Kunden, gefüttert mit den Bildern der „Originale“, ein Geschäft sofort verlassen, wenn die gewünschten Markenartikel nicht zu haben sind, und nur dort kaufen, wo sie finden, was sie suchen. Haben Sie das auch schon beobachtet? Kommt ja fast stündlich vor.
Ich kritisiere nicht, dass einige der 46 Marken, die die diesjährige Kampagne genutzt haben, Konkurrenz in Form von Handelsmarken bekommen, auch aus dem eigenen Haus. Das mag notwendig sein, um Standort und Arbeitsplätze zu sichern – nach dem gesunden Motto: „Wenn wir’s nicht machen, macht’s die Konkurrenz.“ Einige bisher vertretene Marken konnten sich mit der Strategie der 2003-er Kampagne nicht anfreunden und machten nicht mit. Dazu gehörten Manner, Erdal, Kelly und Claro. Die Firmenleitung von Claro bezeichnete die Kampagne gar als pure „Heuchelei“, weil „fast alle namhaften Markenartikler Handelsmarken produzieren“ (WirtschaftsBlatt v. 18. 4. 2003). Mit zarter Arroganz werden „gute Geschäfte“ dadurch als solche identifiziert, dass sie „die Originale führen“. Ist es aber nicht so, dass „Erntegold“, „Clever“ oder „NaturPur“ ebenfalls als Marken „gelernt“ wurden? Der Handel hätte meiner Meinung nach Zielgruppe 1 für diese Kampagne sein sollen.
Groß ist die Macht der Konsumenten. Wenn die nach „echten“ Marken schreien, wird sich der Handel schon beugen. Müssen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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