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Konzentration im Lebensmittelhandel

23.04.2004

Die großen europäische Lebensmittelketten haben ihre Claims bereits abgesteckt - US-Konzerne nicht präsent.

Ähnlich wie in Westeuropa dürfte sich auch in den EU-Beitrittsländern die Konzentration im Lebensmittel-Einzelhandel fortsetzen. Schon jetzt dominieren die großen internationalen Player die Märkte in Mittel- und Osteuropa, und daran wird sich auch nach dem 1. Mai 2004 nichts ändern. Bisher ist die Marktkonzentration in den neuen EU-Ländern aber nur in Slowenien annähernd so stark wie in Österreich, wo die 10 größten Supermarkt-Ketten (nach Vertriebslinien) 84 Prozent des Marktes kontrollieren.

In Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn sind die meisten großen multinationalen Einzelhandelsketten schon präsent und haben ihre Claims abgesteckt, wie aus einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstitutes Fessel-Gfk hervorgeht. Die Märkte in Westeuropa sind weitgehend gesättigt, im Osten aber ist für Metro, Lidl, Carrefour, Ahold oder Tesco noch einiges zu holen. Deutschlands größter Handelskonzern Metro hat schon vor zehn Jahren seine ersten Cash&Carry-Märkte in Ungarn und Polen eröffnet. Inzwischen sind auch die Konzerntöchter Praktiker (Baumarkt), Media/Saturn (Elektrohandel), Fund die Real-Supermärkte vor Ort.
Die Kölner Rewe-Gruppe, seit der Übernahme von Billa, Merkur etc. Marktführer in Österreich, erwirtschaftet in Osteuropa mit 2,4 Mrd. Euro bereits rund ein Viertel ihres Westeuropa-Umsatzes. Der Drogerie-Konzern Schlecker will noch heuer in fünf mitteleuropäischen Ländern Niederlassungen eröffnen. Der deutsche Discounter Lidl hat seine Ost-Expansion in Polen begonnen und hat dort bereits rund 80 Filialen - Ungarn und Tschechien sollen demnächst folgen. Der Aldi-Konzern (in Österreich mit Hofer vertreten) hat bis dato von Aktivitäten in diesen Märkten Abstand genommen.

Relativ unbeachtet von den Multis blieben bisher die kleineren Beitrittsländer im Baltikum und Slowenien. Außer in Slowenien und in der Slowakei dominieren in allen CEE-5-Ländern (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien) ausländische Konzerne die Einzelhandelsmärkte. Unbestrittener Marktführer in Slowenien ist der heimische Mercator-Konzern mit einem Anteil von fast 45 Prozent vor der österreichischen Spar/Interspar-Gruppe und Tus (rund 10 Prozent). In der Slowakei halten lokale Einkaufsgenossenschaften einen Marktanteil von 28,5 Prozent, die britische Tesco hält knapp über 8 Prozent, Billa (Rewe) 6 Prozent.

Marktführer in Polen ist mit knapp über 8 Prozent Biedronka ("Marienkäfer"), die zur portugiesischen Jeronimo-Martins-Gruppe gehört, vor dem britischen Marktführer Tesco (GB), Real (Metro, D) und Auchan (F). In Tschechien dominieren die Marken Kaufland (fast 12 Prozent) und die Rewe-Diskontschiene Penny (mehr als 7 Prozent). In Ungarn hält Tesco fast 13 Prozent, an zweiter Stelle rangieren lokale Einkaufsgenossenschaften Coop (11,7 Prozent), gefolgt von Penny (6,5 Prozent).
Auffallend ist, dass die US-Konzerne bisher den Europäern das Feld kampflos überlassen haben. "Wenn Wal-Mart nach Europa expandieren will, dann werden sie sich nach Deutschland die großen Märkte Polen und Russland anschauen", meint Tobias Schediwy von Fessl-GfK.

Durch den EU-Beitritt werden sich in den mittel- und osteuropäischen Ländern nach Ansicht der GfK-Experten keine drastischen Veränderungen ergeben, die gegenwärtigen Trends dürften sich insgesamt fortsetzen. Allerdings werde die Kaufkraft zunehmen und das Marktpotenzial dadurch steigen. Die starken internationalen Player werden die CEE-Märkte weiterhin dominieren und durch ihre starke Marktstellung Preiserhöhungen verhindern.
Bei den Nicht-Lebensmitteln erwarten die GfK-Experten eine Expansion neuer Mitbewerber (großer spezialisierter Ketten und kleiner lokaler Unternehmen). Durch den Wegfall der Zölle und die Produktion großer Stückzahlen dürften die Kosten die Preise spürbar sinken.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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