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Zwei Jahre lang haben die KV-Verhandlungen nun gedauert.

KV-Verhandlungen vorerst gescheitert

19.07.2016

Nahezu zwei Jahre lang haben die Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Gewerkschaft GPA-djp viel Zeit und Kraft in eine sinnvolle grundlegende Neugestaltung des Kollektivvertrages für Handelsangestellte investiert. Hinsichtlich des Gehalts (kollektivvertragliche Mindestgrundgehaltstafel) hat die Gewerkschaft den Handel jedoch mit zu hohen Forderungen konfrontiert. Die WKO ist weiterhin für Gespräche offen.

Die Wirtschaftskammer Bundessparte Handel bedauert die vergebene Chance, die aus ihrer Sicht viele Vorteile gebracht hätte. Die für die WKO überzogenen Gehaltsforderungen der Gewerkschaft verhindern eine Einigung: „Das rüttelt an der Existenzgrundlage vieler Handelsunternehmen, die in den nächsten Jahren die deutlichen Mehrkosten des neuen Gehaltsschemas zu tragen hätten“, warnt Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel und Kollektivvertrags-Chefverhandler der Arbeitgeberseite im Handel. „Aber trotz dieser derzeit noch bestehenden Differenzen sind unsere Türen für weitere Gespräche mit unserem Sozialpartner-Vis a vis natürlich offen“, so Buchmüller.

Die Ziele sind geblieben

Die gemeinsamen Ziele der Gespräche sind:

•          Vereinheitlichung der Gehaltstafeln mit dem Ziel einer österreichweit gültigen Tafel für alle Handelsbranchen

•          Vereinfachung des bestehenden Beschäftigungsgruppenschemas

•          Klare und unmissverständliche Formulierungen der jeweiligen Beschäftigungsgruppen

Die daraus positiv resultierenden Effekte wären:

•          Mehr Gehalt insbesondere für junge Mitarbeiter/-innen

•          Erleichterungen  bei der Beschäftigung von älteren Mitarbeiter/-innen

•          Eine spezielle Förderung für Frauen, weil der Anteil an weiblichen Mitarbeiterinnen  im Handel sehr hoch ist (74% im Einzelhandel)

•          Anrechnung der Karenzzeiten für Mutterschaft (bis zu 7 Jahren)

•          Weniger Berufsjahressprünge, dafür schnellerer Anstieg der Gehälter

•          Leistungsgerechtere Entlohnung durch Schaffung von 3 (statt wie bisher 2) Beschäftigungsgruppen, in die die überwiegende Anzahl der Mitarbeiter/-innen einzustufen ist. Das bedeutet mehr Gehalt für dieselbe Leistung.

 

Hinsichtlich des Gehalts (kollektivvertragliche Mindestgrundgehaltstafel) hat die Gewerkschaft den Handel jedoch mit zu hohen Forderungen konfrontiert. Denn beim Umstieg ins neue System würden stets die höheren Gehälter für die Mitarbeiter zum Tragen kommen. Aufgrund der unrealistisch hoch veranschlagten finanziellen Forderungen der Gewerkschaft, würde das jedoch zu einem Anstieg der Gehälter von 4,8 bis 18% führen. Schon eine einprozentige Gehaltssteigerung bedeutet heute schon beispielsweise für ein größeres Handelsunternehmen Mehrausgaben in der Höhe von 20 Millionen Euro.

Forderungen von weiteren Seiten

„Wir bedauern das Scheitern und den Zeitverlust. Reformnotwendigkeit besteht dadurch mehr denn je, damit der Einzelhandel, der massiv unter Druck steht, fit für die Zukunft gemacht wird. Ich möchte den Appell an alle aussprechen, Prozesse neu zu denken, schneller zu handeln und den Verhandlungsprozess auf breitere Beine zu stellen“, so Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes.

„Aus unserer tiefen Überzeugung muss ein Schema entwickelt werden, das den Ansprüchen heutiger Zeit gerecht wird, denn auch das Kundenverhalten hat sich massiv verändert. Teilweise werden bis zu 50% des Umsatzes an Freitagen und Samstagen erzielt. Zudem werden Abende verstärkt für den Einkauf in Anspruch genommen. Außerdem sind Kunden mobiler und reagieren schneller auf Veränderungen. Der E-Commerce sorgt dafür, dass sich die Erwartungshaltung an Öffnungszeiten erhöhen. Zu all dem verändern sich auch noch die demographischen Rahmenbedingungen und das damit verbundene steigende Pensionsantrittsalter. Wichtige große Themen und Fragestellungen wie die Arbeitszeitflexibilisierung und Zuschläge werden seit Jahren verschleppt und nicht konsequent gelöst“, so Mayer-Heinisch.

„Der Arbeitsplatz Österreich muss in den Vordergrund gestellt werden, um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Nun sind die Lehren und Konsequenzen aus dieser unbefriedigenden Situation zu ziehen. Alte Prozesse scheinen nicht mehr zu funktionieren. Die Mitglieder des Handelsverbandes - in Österreich tätige Unternehmen, die 100.000 Arbeitsplätze schaffen - wollen nicht mehr zusehen wie wertvolle Zeit vergeudet wird und fordern den Einbezug des Handelsverbandes in den Verhandlungsprozess. Es braucht einen transparenten und lösungsorientierten Prozess. Schluss mit den Revierkämpfen, es ist höchste Zeit für neue Lösungen“, fordert Mayer-Heinisch.

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