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Vom Konjunkturaufschwung hat der Lebensmittelhandel im ersten Halbjahr 2017 am meisten profitiert

Lebensmittelhandel ist Umsatzgewinner

31.07.2017

Im ersten Halbjahr 2017 kann sich der Lebensmittelhandel über die größte Umsatzsteigerung im Einzelhandel freuen. Generell haben die österreichischen Einzelhandelbetriebe die beste Entwicklung seit 2010 hingelegt.

Vom Konjunkturaufschwung hat der Lebensmittelhandel bis jetzt am meisten profitiert. Das nominelle Plus fällt mit +5,6 % wieder deutlich höher aus als im Jahr 2016. Damit liefert die Branche ein Drittel des Gesamtumsatzes im Einzelhandel.

Der Lebensmittelhandel hat schwierige Jahre hinter sich. Die Pleiten der Ketten dayli im Jahr 2013 und Zielpunkt 2015 haben die Brache erschüttert. Mittlerweile wurden vor allem ehemalige Zielpunktfilialen von anderen Lebensmittelhändlern wie Spar oder Hofer übernommen. So bleibt der LEH die größte und am besten wachsende Branche des Einzelhandels.

Schuh- und Lederwarenhandel (+3 Prozent), Sportartikelhandel (+2,7 Prozent) sowie der Bauhandel (+1,9 Prozent) zählen ebenfalls zu den Gewinnern die über dem Durchschnitt liegen.

Start des Handelsturbos

"Der Handelsturbo ist gestartet. 2016 war es noch ein kleines Lüfterl, heuer ein kräftiger Aufwind", sagt Handels-Obmann Peter Buchmüller zu den diesjährigen Entwicklungen im Einzelhandel. Tatsächlich stiegen die Umsätze im ersten Halbjahr 2017 nominell um 2,5 Prozent oder 800 Mio. auf in Summe 33,9 Mrd. Euro. Real war das ein Plus von 1,4 Prozent.

Im stationären Handel sind im ersten Halbjahr nicht nur die Umsätze gestiegen. Die Höhe der Preise (+ 1,1%) gingen auch nach oben. Der Preisauftrieb hat im Vergleich zum Vorjahr wieder zugenommen liegt aber noch immer unter der Inflationsrate (2,0%). Preistreiber für die allgemeinen Verbraucherpreise sind vor allem Treibstoffe, Mieten und Bewirtschaftungsdienstleistungen sowie seit Mai Nahrungsmittel (besonders die Preise für Brot/Backwaren, Milcherzeugnisse, Getränke und Fisch haben zugelegt).

2017 gibt es auch mehr Personal in den Geschäften (+ 0,9 %). Etwa die Hälfte der insgesamt 329.500 Beschäftigten im Einzelhandel arbeitet Teilzeit, drei Viertel sind Frauen.

Weniger Geschäfte, starke Konzentration

Doch nicht alle Branchen konnten sich über einen steigenden Umsatz freuen. Größter Verlierer von Jänner bis Juni war der Elektrohandel mit Umsatzeinbußen von 2,1 Prozent. Im Spielwarenhandel hat selbst das Ostergeschäft nicht den erhofften Umsatzkick gebracht - die Erlöse gingen um 1,3 Prozent zurück. Auch der Möbelhandel (-0,8 Prozent) und Buch- und Schreibwarengeschäfte (-0,5) hatten leichte Umsatzrückgänge zu kämpfen.

Vor allem Unternehmen mit nur einem Standort haben derzeit zu kämpfen. "Mittlerweile werden 40 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte in Österreich von filialisierten Einzelhandelsunternehmen betrieben, die in Summe 67 Prozent der gesamten Einzelhandelsverkaufsfläche auf sich vereinen", sagte Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich.

Allein seit 2006 ist die Anzahl der Einzelhandelsgeschäfte um 10.000 auf 37.800 im Jahr 2016 gesunken. In diese Periode fallen zahlreiche Großpleiten – beispielsweise DiTech und Niedermeyer, sowie Schlecker und eben dayli und Zielpunkt im LEH. Die Zahl der Geschäfte sinkt weiter, insbesondere im Lebensmittel-, Drogerie- und Sportartikelhandel.

Obwohl Österreich im EU-Vergleich bei der Verkaufsflächendichte an der Spitze liegt, gehen die Flächen auch hierzulande zurück - seit 2006 von 14 auf 13,7 Millionen Quadratmeter. Damit stehen jedem Österreicher aber immer noch 1,56 m2, während es im EU-Schnitt nur 1,16 m2 sind. Bei den verbleibenden Händlern sorgt der Flächenrückgang für einen höheren Ertrag pro Quadratmeter.

Online-Konkurrenz

Nach Ernst Gitterberger, von der KMU-Forschung Austria, lässt die Zukunft kaum Hoffnung auf einen Wiederanstieg der Verkaufsflächen. Durch das vermutlich weiter wachsende Online-Geschäft dürfte den Unternehmen aufgrund der Raumordnung Grenzen gesetzt seien. Von dieser Entwicklung sind Schuh-, Buch-, Elektro- und Schmuckhändler am schlimmsten betroffen.

Derzeit werden hierzulande 3,4 Milliarden Euro im Onlinehandel umgesetzt. Davon ausgenommen sind Umsätze von Amazon oder Zalando, auf die noch einmal gut drei Milliarden Euro fallen dürften. Buchmüller ist allerdings optimistisch. Er ist der Meinung, dass man diese Zahlen nicht überbewerten dürfe, weil sie nur einen Bruchteil zum gesamten Einzelhandelsumsatz beitragen.

Wende der Konsumstimmung

Sowohl des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo als auch Gitterberger gehen davon aus, dass der Rest des Jahres weiterhin positiv verläuft. Normalerweise ist das erste Halbjahr das schwächere, weil in die zweite Hälft das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft fällt. Das Wifo spricht sogar von einer Wende der Konsumstimmung. (af/apa)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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