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Mengen gestiegen, Preise fallen

18.11.2009

RollAMA. Der Appetit der Österreicher ist ungebrochen. Die leicht gefallenen Preise im Lebensmittelhandel machen den Griff ins Lebensmittelregal noch leichter. Der LEH hat deshalb mengenmäßig weiter zugelegt. Das ergab eine Analyse der RollAMA-Daten für das 2. Trimester 2009.

Besonders profitiert haben davon einzelne Milchprodukte, Obst und Gemüse. Fleisch ist der absolute Gewinner, hier ist auch die wertmäßige Entwicklung positiv. Fleisch- und Wurstwaren, die dem Conveniencegedanken am nächsten kommen, boomen regelrecht. Auch Bio ist wieder am aufsteigenden Ast. Das ergab eine Analyse der RollAMA*-Daten für das 2. Trimester 2009 im Vergleich zum 2. Trimester 2008.

Verkaufte Menge im LEH wächst, Preise fallen
Die Lebensmittelmärkte haben sich im Jahr 2009 - angesichts der Wirtschaftskrise - überraschend gut entwickelt. Vergleicht man das 2. Trimester (Mai-August) 2009 mit dem 2. Trimester 2008 ist ein Plus von 2,1% in der Menge und ein Plus von 1,1% im Wert zu verzeichnen. Der leichte Unterschied im Wachstum von Menge und Wert ist durch einen Rückgang der Preise von durchschnittlich 1% erklärbar. Betrachtet man den gesamten Frischemarkt, haben zumindest die großen Bereiche in der Menge deutlich zulegen können (Chart 1).

Zu diesen Mengensiegern gehören definitiv die gelben Fette. Butter etwa konnte auf sehr hohem Niveau weiterzulegen (+4,3% in der Menge), musste aber im Wert (im Vergleich zur Vorjahresperiode 2. Trimester 2008) Rückgänge von über 6% hinnehmen. Der niedrige Milchpreis schlägt hier natürlich besonders zu Buche. Im Trend der Zeit liegt wieder das Selberkochen, was den Markt der Gelben Fette bewegt. (Chart 2). Auch die Gelbe Palette (Käse) erfreut sich auf allen Linien zunehmender Beliebtheit. Wert und Menge können dabei gut Schritt halten. Besonders mit Innovationen, Convenience und Aktionen können die Käsevermarkter bei den Konsumenten erfreulich punkten (Chart 3).

Fleisch entwickelt sich prächtig
Der Fleischmarkt ist auf der Überholspur wie schon lange nicht mehr. Ein Mengenzuwachs von 6% und ein Wertzuwachs von 7% sprechen eine klare Sprache und lassen auch auf Preise schließen, die sich nach den Talsohlen allmählich wieder erholen. Die Entwicklungskurve bei Schweinefleisch zeigt weiterhin leicht nach oben. Geflügel steigt mit einer schwarzen Null aus, wobei sich Huhn sehr gut entwickelt und Pute doch deutlich verliert (Chart 4).
Der Star im Fleischsegment aber ist das Rindfleisch mit einem Wertzuwachs von immerhin fast 20% und das im Sommertrimester 2009, in einer Jahreszeit also, in der Rind üblicherweise nicht Hochsaison hat. Als Erklärung dafür könnte der hohe Aktionsanteil in diesem Segment dienen. Rund ein Drittel des Rindfleisches wurde in Aktionen abgesetzt und das zu einem Preisniveau, das durchwegs höher war als im Vergleichszeitraum 2008 (Chart 5). Intelligente Aktionspolitik, die auffällt, aber nicht zu Schleuderpreisen gefahren wird, bescherte den Rindfleischvermarktern gute Umsätze. Auch die Anzahl der Fleischkäufer gesamt steigt kontinuierlich. Abzulesen ist dies an den Käuferreichweiten. 2008 haben mehr als 86% der Konsumenten mindestens ein Mal im Trimester Fleisch gekauft. 2005 waren dies nur rund 82%. Die Einkaufsfrequenz ist in etwa gleich geblieben (Chart 6).

Fleischhauer können Marktanteile gut halten
Der Convenience-Gedanke setzt sich auch im Fleischbereich zusehends durch. Immer mehr Konsumenten kaufen ihr Fleisch bereits mariniert oder eben brat- und backfertig. Das gilt ganz besonders im Sommertrimester (Mai-August) zur Grillzeit. Im Jahre 2008 wurden über 9.000 Tonnen zubereitetes Fleisch und Geflügel im Wert von mehr als 60 Mio. Euro im LEH gekauft. Das ist immerhin rund 55% mehr als im Jahr davor. Auch 2009 hält dieser Trend ganz klar an.
Am meisten wird vorbereitete Ware von den 40- bis 49-Jährigen gekauft. Und von Haushalten, in denen vier oder mehr Personen leben. Entscheidend dabei ist auch das höhere Haushaltseinkommen (Chart 8-12).

Es geht immer mehr um die Wurst - und den Schinken
Die Österreicher kommen immer mehr auf den Geschmack von Wurst und Schinken. Dementsprechend verzeichnet auch dieser Sektor mengenmäßige Zuwächse (+2%), die sich sogar noch deutlicher im Wert niederschlagen (+7,4%). Besonders das Brätwurst-Segment erfreut sich steigender Beliebtheit. Das betrifft konkret die steigenden Käufe bei Knackwurst und bei Leberkäse - und solchem, der sich nicht Leberkäse nennt. Aber auch die Pariser, die Pikantwurst und sogar die Extrawurst können auf hohem Niveau nochmals zulegen. Weiter im Aufwärtstrend ist auch das Segment Kochschinken, das durch seine Vielfalt im Angebot dem Konsumenten genussreiche Abwechslung bietet. (Chart 13-14).

BIO wieder im Aufwind
Die Preisentwicklung im Biosegment hatte die Entwicklung kurzzeitig gehemmt. Das ist nun vorbei. Entweder die Wertanteile nähern sich wieder den Vorjahresanteilen an wie bei Milch und Butter, oder sie haben die Vorjahreswerte sogar schon deutlich überholt wie bei Joghurt mit Frucht und in der Gelben Palette (Käse). Bei Frischobst wäre noch Potenzial vorhanden, dafür zeigt bei Frischgemüse die Wertkurve jetzt schon steil nach oben. Mit Abstand am erfolgreichsten aber entwickelte sich der Bio-Eier-Markt. 17,5% der Eier im Lebensmittelhandel stammen mittlerweile schon aus Bio-Produktion (Chart 15).

"Cocooning, die Rückbesinnung auf die Häuslichkeit, liegt voll im Trend. Das hängt auch damit zusammen, dass die Zeiten wirtschaftlich etwas angespannter sind und sparen angesagt ist. Das spiegelt sich auch im Kaufverhalten von Lebensmitteln wider. Beim Gasthausbesuch wird gespart, beim Essen zuhause eher nicht. Da darf es schon etwas richtig Gutes sein, Fleisch zum Beispiel, besondere Käsesorten oder eine schnelle Wurstplatte. Zeitlich sollte alles wenig Aufwand bedeuten und die Zubereitung muss auf jeden Fall flott gehen. Deshalb wird auch mehr zu vorbereitetem Fleisch, Wurst und Schinken oder Scheibenkäse gegriffen. Frisch gekocht oder selbst zubereitet schmeckt es einfach am besten und die Familie rückt wieder näher zusammen. So schöpfen Konsumenten in Krisenzeiten Kraft und Vertrauen", beobachtet Mag. Micaela Schantl, Leiterin der AMA-Marktforschung.
(* Die Daten der RollAMA (rollierende Agrarmarktanalyse der AMA Marketing in Zusammenarbeit mit GfK und KeyQUEST Marktforschung) beziehen sich auf Aufzeichnungen der Einkäufe von 2.500 österreichischen Haushalten. Aufgezeichnet werden Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Käse, Obst, Gemüse, Eier, Erdäpfel, Tiefkühl-Produkte, teilweise Fertiggerichte, aber nicht Brot & Gebäck.)

Charts als Download .

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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