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Metro trennt sich von Real

17.09.2018

Metro stellt seine kriselnde Supermarktkette Real zum Verkauf um sich künftig auf den Großhandel zu konzentrieren. Weil Real nur im Komplettpaket abgegeben werden soll könnte das Kartellamt Interessenten einen Strich durch die Rechnung ziehen. Auf den zukünftigen Besitzer wartet jedenfalls viel Arbeit.

Die riesigen Supermärkte auf der grünen Wiese kämpfen in Deutschland ums Überleben. Was noch in den 1980er Jahren als Erfolgsmodell galt, ist heute angesichts veränderter Kaufgewohnheiten und kleiner werdender Haushalte häufig ein Sanierungsfall. Ein Beispiel für so einen Einkaufsriesen ist die mit Umsatzrückgängen kämpfenden Kette Real. Genau diese will der Inhaber-Konzern Metro jetzt loswerden. Laut dem Unternehmenschef Olaf Koch will Metro seinen Schwerpunkt auf das Großhandelsgeschäft legen. Gesucht wird jetzt jedenfalls ein Konzept für 282 große Real-Märkte mit mehr als 30.000 Beschäftigten, denn das Düsseldorfer Unternehmen will den Lebensmittelkette nur im Komplettpaket abgeben. Als Zugabe wartet auf den Käufer ein lukratives Paket von 65 Immobilien.

Metros Baustellen

Bei Metro gab es während der letzten Jahre einige Änderungen. Einen großen Teil des Real-Geschäfts hatte Metro bereits 2012 verkauft, als die Osteuropa-Aktivitäten an den französischen Wettbewerber Auchan gingen. Auf dem Deutschland-Geschäft war Metro damals sitzen geblieben. Nach der Trennung von Kaufhof 2015 spaltete sich der Konzern dann vor gut einem Jahr auf. Seitdem steht auf der einen Seite die Beteiligungsgesellschaft Ceconomy für die Elektronikmärkte Saturn und Mediamarkt, auf der anderen Seite der Lebensmittelhändler Metro mit den gleichnamigen Großmärkten und der Supermarktkette Real. Mit dem Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Křetinsky machte Metro erst vor kurzen Schlagzeilen.

Fakt ist, dass die Probleme bei Real und die anhaltenden Schwäche im Russland-Geschäft zuletzt deutliche Spuren in der Metro-Bilanz hinterlassen haben (-3,7 %). Metro steuerte unter anderem mit Kostensenkungen bei der Supermarktkette mit ihren rund 34.000 Beschäftigten dagegen. Die Gewerkschaft Verdi antwortete im Sommer mit Warnstreiks, Demonstrationen und Kundgebungen. Auslöser war die Entscheidung der Unternehmensleitung, sich aus den mit Verdi vereinbarten Tarifverträgen zu verabschieden und stattdessen neu eingestellte Mitarbeiter nach einem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV zu bezahlen, der für das Unternehmen deutlich günstiger ist. Koch sah das etwas anders: Verdi soll Tarifverhandlungen über eine wettbewerbsfähige Entgeltstruktur bei dem angeschlagenen Lebensmittelhändler jahrelang blockiert haben. Die bis dahin geltenden Verträge hätten Real deutlich höhere Lohnkosten (+30 %) aufgebürdet und damit der Wettbewerbsfähigkeit geschadet.

Auf einem Gutem Weg?

Laut Koch sind bei der Metro-Tochter aber alle Voraussetzungen für eine positive Entwicklung erfüllt. In den vergangenen Jahren wurde bei Real ein Umbau in Angriff genommen. Am Standort in Krefeld wurde eine Modell-Markthalle entwickelt, das Konzept soll bald auf zwei weitere Märkte erweitert werden, in weiteren 19 Märkten wurden Teile davon übernommen. Zudem wächst das Online-Geschäft der Kette. Es soll in diesem Geschäftsjahr um knapp 90 Prozent auf über 380 Mio. Euro steigern. Tatsächlich hatte Real aber in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/18 ein Umsatzminus von 1,5 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro verzeichnet. Im dritten Quartal schrumpften die Erlöse dabei sogar um 7,2 Prozent. Der operative Verlust (Ebitda) lag im dritten Quartal bei 7 Mio. Euro, vor Jahresfrist gab es noch ein Plus von 33 Mio. Euro. Auch Handelsexperte Marco Atzberger vom Kölner Einzelhandelsforschungsinstitut EHI ist der Meinung, dass erhebliche Investitionen notwendig sind um die in die Jahre gekommenen Märkte für die Zukunft fit zu machen. Denkbar wären etwa Konzepte mit mehr Service und Gastronomie mit der gleichzeitigen Verabschiedung vom Non-Food-Sortiment der Kette. Die größte Konkurrenz bleiben allerdings weiterhin die Diskonter,  weil diese überall schnell zu erreichen sind und zudem einen starken Preisdruck ausüben. Aber auch Supermärkte wie Edeka oder Rewe, die im Lebensmittelhandel auf eine größere Fläche mit mehr Spezialitäten setzten, sind im Konkurrenz-Kampf nicht zu unterschätzen.

Wer greift zu?

Die große Frage bleibt, wer Interesse an der nicht besonders gut laufenden Lebensmittelkette hat. Das Real nur im Komplettpaket weitergegeben werden soll, dürfte aufgrund der Wettbewerbsvorgaben schwierig werden. Konzerne wie Rewe oder Edeka haben schon große Marktanteile im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel. Daher wird das Bundeskartellamt solche großen Zukäufe von etwaigen Handelsriesen einen Riegel vorschieben. Beispielweise wollte Edeka 2015 die Handelskette Kaiser's Tengelmann übernehmen, was das Kartellamt dann allerdings untersagte. Anders wäre es, wenn ein Bieter aus dem Ausland nach Real greifen sollte. Doch große Konzerne wie Ahold (Niederlande), Carrefour, Auchan (Frankreich) oder Tesco (Großbritannien) fürchten die dünnen Margen im deutschen Einzelhandel. So hatte etwa US-Konzern Wal-Mart 85 Filialen in Deutschland eröffnet und sie 2006 nach neun Jahren frustriert an Real verkauft. Auch Finanzinvestoren tummeln sich auf Grund der riskanten Handelsbranche eher in Nischen. Eine Hoffnung könnte es noch geben: Amazon hat im vergangenen Jahr für 14 Milliarden Dollar die Bio-Supermarktkette Whole Foods gekauft hat und damit ist der Internet-Versandriese auch im stationären Handel präsent. Verstärkt nutzt der Konzern aus Seattle nun die Filialen, um dort auch Online-Bestellungen an die Kunden zu bringen. So ein Konzept wäre eventuell auch für Real denkbar…

(apa/af)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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