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Metro-Turbulenzen

03.09.2018

Der viel zitierte Handel im Wandel hat viele Facetten. Aktuell steht Diskontinuität bei den Eigentumsverhältnissen hoch in Kurs. Die jüngsten Turbulenzen beim Metro Konzern liefern dazu eine atemberaubende Case Study. Finanzjongleure wie der tschechische Milliardär Daniel  Křetinský und Immobilien-Zampanos wie der Tiroler René Benko definieren den Begriff des Einzelhandelskaufmanns neu.

Der Metro Konzern mit Zentrale in Düsseldorf, präsentiert sich zur Zeit als Riesen-Baustelle. Nicht nur, was den operativen Bereich (Ausbau der Gastro-Zustellung), sondern auch was die Finanzstruktur betrifft.  Eine Karikatur in der jüngsten Ausgabe der „LZ“ zeigt Metro Großaktionär Haniel auf hoher See, wie er sich im Rettungsboot vom schlingernden Metro Dampfer absetzt, weil dieser sich in den Fängen einer Riesenkrake befindet, die den Namen  Křetinský trägt.

Die Fakten: Metro-Hauptaktionär Haniel will ein Stammaktien-Paket von 7,3%  an  die EP Global Commerce GmbH (EPGC) des öffentlichkeitsscheuen tschechischen Großinvestors Daniel Křetinský verkaufen. Weiters verfügt EPGC bereits über eine Option auf  die restlichen 15,2% der Metro-Stammaktien, die sich noch im Besitz der Haniel-Gruppe befinden. Geschäftspartner sind Haniel und Křetinský auch bei der vor einem Jahr von Metro abgespalteten Firma Ceconomy, Eigentümerin der Elektronikmärkte Mediamarkt/Saturn. Denn diese erhielt bei der Trennung vom Metro-Konzern als „Mitgift“ ein Metro-Aktienpaket in Höhe von 10%. Jetzt verhandelt Křetinský mit Ceconomy über den Erwerb dieses 10%-Pakets. Wenn dieser Coup gelingt und der Tscheche die Option bei Haniel einlöst, avanciert er  mit einem Anteil von  32,5% zum unangefochtenen Mehrheitsaktionär des Metro Handelskonzerns. Und er wäre, weil sein Anteil die 30%-Marke übersteigt, gesetzlich verpflichtet, allen anderen Aktienbesitzern  ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Nach einem Haniel-Ausstieg schmilzt der Anteil der Metro-Gründeraktionäre dramatisch.  Die Familie Schmidt-Ruthenbeck (ehemals Spar-Großhändler) hält nur mehr 13,5%, die  Erben des 2013 verstorbenen Metro-Gründers Otto Beisheim besaßen im Geschäftsjahr 2015/16 noch einen Anteil von 9,1%. Die restlichen Metro Aktien in Höhe von rund 50% des Aktienkapitals befinden sich in Streubesitz.

Beobachter sind sich darin einig, dass der  Kursverfall von über 40%, den die Metro Aktie in den letzten  zwölf Monaten hinnehmen musste, die Ausstiegspläne des weit verzweigten Haniel Clans beflügelte. Weil im selben Zeitraum der Börsenkurs der Media/Saturn-Mutter  Ceconomy dramatisch abstürzte, entstand jene Marktkonstellation, die wagnisfreudige Finanzinvestoren auf den Plan ruft. Für Křetinsky tut sich das Zeitfenster zum preisgünstigen Erwerb von Finanzbeteiligungen an einem Großunternehmen auf, das nach entsprechender Restrukturierung langfristig Erträge verspricht und deshalb auch mit Gewinn weiterverkauft werden kann. Öfters kommt dabei auch die Hebelwirkung  des Leveraged Buyouts zum Einsatz, wo billiges Fremdkapital (dank niedriger Bankzinsen) kurzfristig zum Erwerb von Eigenkapital eingesetzt wird.

Haniel geht, Křetinský  kommt, Benko lauert auf Kaufhof

Der Metro-Deal zwischen Haniel und Křetinský  läuft also unter der Devise: Die Altaktionäre wollen Cash machen, indem sie ihre Anteile verscherbeln, der  Investor rechnet sich Chancen aus, dass dieser Scherbenhaufen  ihm Glück bringt. Unterschiedlicher können Erwartungshaltungen über die künftige wirtschaftliche Entwicklung  eines Firmenkolosses wie der Metro kaum sein.   

Deutliche Parallelen zu den Turbulenzen um  die Eigentumsverhältnisse beim C&C-Giganten  Metro sind bei der Warenhausgruppe Galeria Kaufhof  zu beobachten. Knapp drei Jahre nach der Übernahme durch die Hudson Bay`s Company (HBC) schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen. Von einem Jahresverlust in Höhe von 100 Millionen € ist die Rede. Das veranlasste  Richard Baker, den CEO des  traditionsreichen kanadischen Handelskonzerns laut jüngster Ausgabe des „Manager Magazin“, mit Signa Eigentümer René Benko Kontakt aufzunehmen. In den nächsten Wochen wollen HBC und Signa über die gemeinsame Gründung  einer Warenhaus AG verhandeln. Sie soll die 79, im Eigentum von Signa befindlichen  Karstadt Warenhäusern mit den  41 Kaufhof- Warenhäusern in Deutschland  zusammenführen. Dabei soll Signa einen 50%-Anteil  an der Kaufhof-Immobilienfirma  erwerben und 50,1% (also die Mehrheit) am  operativen Geschäft der Kaufhof –Betreibe  in Deutschland (Galeria Kaufhof), Belgien (Galeria Inno) und den Niederlanden (Hudson`s Bay) übernehmen. Karstadt Chef Stephan Fanderl soll künftig für die Umsätze  in allen 175  Filialen von Karstadt und Kaufhof verantwortlich zeichnen. Auch für die Kaufhof-Betriebe in den Niederlanden, die derzeit besonders hohe Verluste schreiben.

Interessant ist, wie unterschiedlich deutsche und österreichische Medien die angepeilte Verschmelzung von Karstadt und Kaufhof kommentieren. Während die „Krone“ vom 1. 9.  René Benko für seinen „deutschen Kaufhaus Coup“ mit dem Vorschusslorbeer des erfolgreichen Sanierers schmückt, gibt sich das Manager Magazin viel skeptischer: „René Benko  muss für seinen Deal einige Giftpillen schlucken“, heißt es da unter Hinweis auf die hohen Bankverbindlichkeiten von Kaufhof, die Benkos Signa im Falle der Fusion übernehmen muss. Dazu kommt, dass HBC in den Niederlanden die Kaufhof-Standorte nicht besitzt sondern gemietet hat und den Vermietern  Mietbürgschaften in Höhe von mehr als 500 Millionen €  ausgestellt hat.

Der Schnäppchenkauf eines notleidenden Handelsunternehmens  ist die eine Sache, der Abbau von Altlasten und die Entwicklung einer gewinnbringenden Marketingstrategie für einen Einzelhandels-Betriebstyp, dessen Glanzzeiten längst vorüber sind, eine andere. Dass Karstadt unter Fanderl 2017 erstmals schwarze Zahlen schrieb, besagt nicht viel. Weil es für die Signa-Gruppe ein Leichtes ist, Kosten  und Gewinne zwischen den Immobilientöchter und den Einzelhandelsfirmen auf dem Wege der verrechneten Mieten zu verschieben. Radikaler Personalabbau (wie zuletzt für Kika/Leiner angekündigt)  die Zusammenlegung von Hauptquartieren (wie für die deutsche Warenhaus AG geplant) und die Veräußerung besonders unrentabler Standorte sind noch keine Garanten einer nachhaltigen Sanierung der Filialketten. Die ist nämlich erst dann gegeben, wenn die Konsumenten wieder Vertrauen in die Ladenmarken fassen, Gefallen an den neuen Sortimenten, am Service, an der Kommunikation und am Preis/Leistungsverhältnis finden.

Unternehmer vom Schlage eines Benko oder Křetinský, die sich durch clevere Immobilien- und Finanz-Transaktionen Zugang zum Einzelhandel verschaffen, bringen viel frischen Wind in die Wirtschaft. Sie repräsentieren mit ihren turbokapitalistischen Geschäftspraktiken aber auch einen ganz anderen Kaufmannstyp als die Eigentümer  traditioneller Handels- Familienunternehmen.  Wo die Firmenchefs noch selber in der Geschäftsführung  mitarbeiten und dafür Sorge tragen, dass Unternehmenskultur von Generation zu Generation weitergegeben wird. Handelshäuser  wie das Familienunternehmen Kastner in Zwettl, das dieser Tage seinen 190.Geburtstag festlich beging und eine sensationelle Erfolgsbilanz vorlegen kann.

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger war unter anderem bei Henkel Austria und der Handelskette A&O beschäftigt, arbeitete 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift Regal, war 21 Jahre Herausgeber der Handelszeitschrift Key Account und ist seit Herbst 2014 als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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