Direkt zum Inhalt
Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie

MHD: Lebensmittelindustrie versus Greenpeace

07.08.2017

In Sachen Lebensmittelverschwendung nahm Greenpeace das Mindesthaltbarkeitsdatum ins Visier. Der Fachverband der Lebensmittelindustrie wies die Anschuldigungen jedoch entschieden zurück.

„Greenpeace erzählt ungeniert Märchen zum Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und will die Menschen scheinbar für dumm verkaufen. Lebensmittelsicherheit, europäische Gesetze und sachlich korrekte Information einfach zu ignorieren, ist ein starkes Stück!“ ist Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie, verwundert über die neue Kampagne der NGO, in der Behauptungen über vermeintlich „unwahre Kennzeichnungen“ auf Joghurt aufgestellt werden.

Sechs Monate über dem MHD

Ganz genau geht es um acht von Greenpeace getestete Lebensmittel. Seit Jänner hat die Umweltschutzorganisation diese nach der Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatum regelmäßig überprüfen lassen. Mit dabei ein Joghurt, dass noch nach 26 Wochen über dem MHD unbedenklich gegessen werden konnte. Sechs der anderen Lebensmittel, darunter Tofu, Eier und Wurst, haben auch deutlich länger gehalten, als es das MHD vermuten lässt. Nur der Sesam-Dip war nach zwei Wochen verdorben. „Unser Test zeigt ganz klar: Bevor man Lebensmittel wegschmeißt, ist es ratsam sich auf seine Sinne zu verlassen“, erklärt Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster. Darüber hinaus sieht Greenpeace die Lebensmittelhersteller und auch die Politik in der Verantwortung sich für ein realitätsnahes Mindesthaltbarkeitsdatum einzusetzen, um den Wegwerf-Wahnsinn zu stoppen.

Alles nur kein Wegwerfdatum

Da das MHD keine „Wegwerfdatum“ ist, kann der Fachverband der Lebensmittelindustrie die Greenpeace-Forderung nicht nachvollziehen. Denn Lebensmittelverschwendung als Argument für vermeintlich „zu lang“ angesetzte Mindesthaltbarkeiten vorzuschieben, lässt für sie entsprechende Kenntnisse über Lebensmittel und die dazugehörende Gesetzeslage vermissen. „Greenpeace will offenbar das Konzept des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht verstehen“, so Koßdorff erstaunt.  

Seit vielen Jahren arbeitet die Lebensmittelwirtschaft aktiv mit, um die Lebensmittelverschwendung zu minimieren. „Viel wichtiger als billiger Aktionismus ist fundierte Information für die Verbraucher. Die liefern wir gerne“, so Koßdorff. Denn beim Mindesthaltbarkeitsdatum handelt es sich um ein Versprechen des Herstellers, dass – bei geeigneter Lagerung – das Lebensmittel „mindestens“ bis zu diesem Zeitpunkt sämtliche charakteristische Eigenschaften aufweist, welche die Konsumenten erwarten. Da geht es also nicht nur um die hygienische Genusstauglichkeit eines Produktes, sondern auch um dessen Frische, Geschmack, Aussehen, Farbe, Geruch, Konsistenz oder Nährwerte.

Europaweite Regelung

Es ist daher klar, dass Lebensmittel nach dem Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums aus hygienischen Gesichtspunkten im Einzelfall noch genießbar sind. Die Konsumenten können nach dem Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums durch die sensorische Prüfung – also Schauen, Riechen, Schmecken – selbst feststellen, ob das Lebensmittel noch genießbar ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist also kein „Wegwerfdatum“. Die rechtlichen Vorgaben für das MHD sind übrigens europaweit geregelt. „Greenpeace geht unter falschen Voraussetzungen an das Thema heran. Die Hersteller haben das größte Interesse, dass bei Lebensmitteln Qualität, Sicherheit und Genuss sichergestellt sind. Die Erwartungen der Konsumenten und nicht zuletzt deren Sicherheit stehen im Mittelpunkt. Niemand will, dass unsere guten Produkte weggeworfen werden“, bekräftigt Koßdorff abschließend.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Österreich ist in Sachen Bio eine Insel der Seeligen, ergab der Marktcheck von Greenpeace
Handel
14.02.2018

Greenpeace hat den Supermärkten beim Bio-Angebot auf den Zahn gefühlt. Testsieger wurde MPreis, knapp gefolgt von Merkur und Billa.

Fast die Hälfte aller österreichischen Konsumenten achten beim Lebensmitteleinkauf auf Gütezeichen
Thema
12.02.2018

Die unabhängige Umweltschutzorganisation hat die 26 wichtigsten Lebensmittel-Gütezeichen überprüft. Im Report „Zeichen-Tricks“ gab es die besten Noten im Bio-Bereich, rote Karten jedoch für MSC, ...

Industrie
30.08.2017

Auf Grund einer Greenpeace-Umfrage unter den größten österreichischen Molkereien kritisiert die NGO scheinbar willkürliche Festlegungen des MHD bei Milchprodukten. Im Visier steht auch ...

Handel
05.07.2017

Seit Oktober 2015 werden österreichische Supermärkte von Greenpeace unter dem Titel "Nachhatligkeit im Test " geprüft. Nachhaltigkeit, Ökobilanz, Bio-Anteil und Regionalität sind die wesentlichen  ...

Greenpeace-Sprecherin Hanna Simons mit dem Warenkorb, der auf Haltbarkeit getestet worden ist
Thema
09.02.2017

Greenpeace hat einen Langzeittest zur Haltbarkeit von Lebensmitteln gestartet. Über vier Monate hinweg lässt die Umweltschutzorganisation acht verschiedene Lebensmittel nach Ablauf des ...

Werbung