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Bei der Protestkundgebung der Milchbauern in Ruprechtshofen (v. l. n. r.): LK NÖ-Vizepräsidentin Theresia Meier, NÖ Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner und der Geschäftsführer der Milchgenossenschaft NÖ, Leopold Gruber-Doberer.

Milch-Schleuderaktion bei Penny schlägt hohe Wellen

22.09.2014

Die Penny-Aktion, einen Liter Milch mit AMA-Gütesiegel für 49 Cent anzubieten, brachte vergangene Woche sowohl die Bauern als auch die Bauernvertreter auf die Palme. Der Handelskonzern Rewe als Muttergesellschaft Pennys gelobte Besserung. Die AMA fordert eine Werte-Diskussion bei Lebensmitteln ein.

Ein Liter Milch mit AMA-Gütesiegel ab zwei Packerln um 49 Cent beim Diskonter Penny (Rewe) hat vergangene Woche sowohl Landwirtschaftskammer als auch Bauernbund auf die Palme gebracht. „Die Bundeswettbewerbsbehörde soll den Fall auf die geltenden gesetzlichen Grundlagen des Wettbewerbsrechtes hin prüfen“, verlangte Bauernbund-Direktor Johannes Abentung. Und Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes forderte in einer Aussendung das sofortige Aussetzen der Aktion, die sich laut der Bewerbung für Freitag und Samstag auf alle Milchsorten aus dem Kühlregal bezog. „Milch mit dem AMA-Gütesiegel ist viel zu wertvoll, um verschleudert zu werden.“ Darüber hinaus warnte Schultes, der Penny einen „unverantwortlichen und schädlichen Umgang“ mit der Milch vorwirft: „Wir wehren uns, wenn wir zuschauen müssen, wie höchste Qualität zum Lockartikel degradiert wird.“

Bauernbund fordert Besonnenheit
Das Penny-Flugblatt, das die Bauern brüskiert, wurde just versendet, als die Direktorenkonferenz des Bauernbundes tagte. Nicht nur die Art, sondern auch der Zeitpunkt der Aktion stößt den Bauernbund-Direktoren sauer auf. Erst unlängst habe die gesamte heimische Handelslandschaft angesichts der Russland-Importsperren über Zeitungen werbewirksam Solidaritätsbekundungen an die Bauern geschickt. „Dass jetzt einzelne Handelsketten hier ausscheren, mit Lockpreisen auf radikalen Kundenfang gehen und sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollen, ist nicht nur kein Ruhmesblatt für die Handelsbranche, sondern ein Thema, das sich auch die Behörde ganz genau anschauen muss“, so Abentung. Auch Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und Geschäftsführer der Kärntnermilch, erwartet sich wegen des russischen Importstopps „vom österreichischen Lebensmittelhandel Solidarität mit unserer Landwirtschaft“, wie er beim Pressegespräch anlässlich der Milchwirtschaftlichen Tagung vergangene Woche in Bad Vöslau betonte.

Der „Fairnesspakt“ ist ausbaufähig
Aufgrund der großen Aufregung griff vergangenen Donnerstag sogar Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter zum Telefonhörer, um Rewe-International-Chef Frank Hensel seine „Besorgnis“ mitzuteilen. Rupprechter sei dabei laut eigenen Angaben zugesichert worden, dass es solche Billigaktionen mit Milch nicht mehr geben werde. Der Minister meinte auch, die Achse zwischen Erzeugern und Lebensmittelketten sei noch zu verbessern, ein sogenannter „Fairnesspakt“ sei noch ausbaufähig. In einer Arbeitsgruppe werden sich Vertreter von Handel, Nahrungsmittelindustrie und Landwirtschaft treffen. Die aktuelle Aktion wurde von Penny wie geplant durchgeführt, und der NÖ Bauernbund hat deshalb Freitag letzter Woche eine Protestkundgebung organisiert. Rund 50 Bäuerinnen und Bauern kamen zu einer Demonstration in Ruprechtshofen, Bezirk Melk, um vor der dortigen Filiale der Supermarktkette Penny mehr Respekt für den Wert von Lebensmittel als „Mittel zum Leben“ und ein sofortiges Aussetzen der Aktion einzufordern. Ähnliche Schleuderaktionen des Handels könnten nämlich den aufgrund der Russland-Importsperren herrschenden Marktdruck weiter erhöhen und zu Lasten der Landwirte in einen Preisverfall für bäuerliche Produkte münden.

AMA lässt sich nicht verramschen
Auch die AMA zeigt kein Verständnis dafür, dass ihr etabliertes Gütesiegel zum Spielball im Preiswettbewerb wird. „Das AMA-Gütesiegel ist kein bloßes Design-Element. Es steht für konkrete Werte, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen. Deshalb haben sich Lebensmittel mit diesem Zeichen Wertschätzung verdient“, stellt Michael Blass klar, der Geschäftsführer der AMA Marketing. Milch und Milchprodukte mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel garantieren ausgezeichnete Qualität und österreichische Herkunft. Beides wird von unabhängigen Stellen mehrfach kontrolliert. Zudem ist Frischmilch mit dem AMA-Gütesiegel garantiert gentechnikfrei produziert – ein EU-weit einzigartiges Qualitätsmerkmal. „Die heimische Milchwirtschaft zählt zu den Qualitätsführern unter den europäischen Produzenten“, erläutert Peter Hamedinger, AMA-Marketingmanager für Milch und Milchprodukte. (apa/ar)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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