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Trotz schwieriger Marktbedingungen setzt die heimische Milchwirtschaft weiterhin konsequent auf Qualität.

Milchmarkt noch stärker unter Druck

21.09.2015

Sechs Monate nach dem Auslaufen der Quotenregelung steht der Milchmarkt aufgrund internationaler Vorgaben auch in Österreich unter Druck. Hintergrund sind die Auswirkungen des russischen Importembargos, sowie die verhaltene Nachfrage in China und in anderen Exportdestinationen. Die Milchwirtschaft fordert daher Maßnahmen zur Standortsicherung.

„Die aktuell schwierige Lage auf den Milchmärkten erfordert engagierte Maßnahmen seitens der Marktteilnehmer und der politischen Verantwortungsträger, um eine positive Weiterentwicklung der Milchwirtschaft zu gewährleisten“, erklärte Helmut Petschar , Präsident der Vereinigung Österreichische Milchverarbeiter, bei einem Pressegespräch vergangene Woche in Feldkirch angesichts der aktuellen Marktentwicklung. Diese Entwicklung hat auch die Situation in Österreich bestimmt. So sind die heimischen Erzeugerpreise in den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres mit durchschnittlich 37,78 Cent/kg um 16,7 % unter dem Wert des Vorjahres (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, ab Hof, brutto). Die heimischen Milchverarbeiter unternehmen in dieser schwierigen Situation alles, um das Bestmögliche zu erreichen.

Hohe Qualität muss seinen Preis haben
So setzt die heimische Milchwirtschaft weiterhin auf eine konsequente Qualitätsstrategie. „Die österreichische Milchwirtschaft ist überzeugt, dass nur mit hoher Qualität den Anforderungen der heimischen Konsumenten bestmöglich entsprochen wird, wir erwarten dafür allerdings auch eine entsprechende Abgeltung und Wertschätzung durch Handel, Gastronomie und Konsumenten“, so Petschar. Dies hat auch erste Erfolge gebracht. Die Milchpreise für die heimischen Bauern, welche mit höheren Kosten wirtschaften müssen als in den Nachbarstaaten, liegen über den Werten in anderen Ländern. Dennoch sind sich die heimischen Molkereien bewusst, dass die aktuelle Situation äußerst angespannt ist, umso mehr sind der österreichische Handel, die Gastronomie und Konsumenten auch in Zukunft gefordert, diese heimische Qualitätsstrategie entsprechend mitzutragen. Denn nur, wenn Qualität entsprechend belohnt wird, wird es diese auch in Zukunft geben“, so Petschar. Der Ernst der Lage auf den Höfen zeigt sich auch in den vielen, europaweiten Aktionen. Schließlich hängt an der Milchwirtschaft weit mehr als die Milchproduktion selbst, es geht um die Aufrechterhaltung und Pflege der heimischen Landschaft.

Milchprodukte wie Käse legten zu
Die Milchanlieferung zeigt sich 2015 verhalten. In den ersten vier Monaten lag die Anlieferung unter den Vorjahreswerten, seit Quotenende liegt sie nur geringfügig über den Vorjahreswerten. Positiv entwickelt hat sich im abgelaufenen Jahr der Absatz von Milchprodukten, vor allem der Käseabsatz konnte mit 8 % deutlich zulegen und liegt nunmehr bei 21,6 kg pro Jahr. Kein Verständnis hat Peschar für einzelne Aussagen einzelner Verantwortungsträger über die schwache heimische Konjunktur. „Wer glaubt, mit Billigstrategie und Verlust von heimischen Arbeitsplätzen die Wirtschaft anzukurbeln, hat nicht verstanden, dass österreichische Bauern und Arbeitnehmer durch den Verkauf ihrer Produkte viele Arbeitsplätze sichern. Nur dadurch kann eine Wertschöpfung erfolgen, mit Einnahmen, von denen sowohl Landwirte, als auch Mitarbeiter in den Verarbeitungsbetrieben und im Handel leben können“, so Petschar. Die Forderung von Bundeskanzler Faymann mit gesenkten Lebensmittelpreisen die Konjunktur anzukurbeln, gehe, so die Meinung Petschars, somit ins Leere, denn die heimische Konsumenten geben nur 12 % ihrer Einkommen für Lebensmittel aus. Und gerade die österreichische Milchwirtschaft sei es, die mit ihrem hohen Exportanteil (ca. 50 %) viele Arbeitsplätze sichert.

Milchbranche braucht Unterstützung der Politik
Beim Sonder-Agrarministerrat der EU am 7. September 2015 wurden erste Maßnahmen für die Bewältigung der aktuellen Milchkrise beschlossen: Zunächst geht es darum, dass die Gelder der Superabgabe, welche von österreichischen Milchbauern an die EU entrichtet werden mussten, wieder zur Stärkung der heimischen Milchwirtschaft verwendet werden. Es sei nicht gerechtfertigt, wenn die EU die Milchbauern belastet und diese Mittel für andere Zwecke verwendet. Außerdem sei eine Valorisierung der Interventionspreise überfällig, da diese seit über 15 Jahren bei ca. 21 Cent liegen. Auch die heimische Politik wird von der Milchbranche aufgefordert den Milchstandort Österreich zu unterstützen: Durch einen Stopp bei Belastungen, überzogener Bürokratie, Steuern und Abgaben, Unterstützung bei Kostennachsteilen z.B. bei strukturell bedingt höheren Transportkosten, bei Investitionen zur Verbesserung der Verarbeitungsstruktur, bei Qualitätsprogrammen oder beim Aufbau von Exportmöglichkeiten durch die österreichischen Behörden.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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