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Die durchschnittlichen Ausgaben eines Haushalts pro Monat (140 Euro) haben sich 2016 gegenüber 2015 nicht verändert

Monatliche Ausgaben für Frischeprodukte stagnieren

23.03.2017

So wie schon 2015 gab ein durchschnittlicher Haushalt 2016 pro Monat 140 Euro für Frischeprodukte und Fertiggerichte aus. Laut RollAMA 2016 machten Fleisch und Fleischwaren, Milchprodukte sowie Obst und Gemüse den wertmäßig größten Anteil aus. Bio wächst konstant weiter, doch die Einkaufsfrequenz sinkt.

Die durchschnittlichen Haushaltsausgaben für Frischeprodukte ohne Brot und Gebäck und Fertiggerichte lagen 2016, wie schon 2015, bei 140 Euro pro Monat. Der wertmäßig größte Anteil entfällt auf Wurst und Schinken, gefolgt von Milch, Joghurt und Butter. Platz 3 nimmt die Warengruppe Fleisch inklusive Geflügel ein, knapp elf Prozent werden für Käse ausgegeben. Obst und Gemüse machen gemeinsam rund ein Viertel der Ausgaben aus.

Zwar sind die Umsätze von Frischeprodukten 2016 leicht gestiegen (plus 0,6 Prozent), die eingekaufte Menge ist dagegen marginal gesunken. Ein kräftiges Umsatzplus gab es für Obst und Gemüse. Die mengenmäßig stärksten, heimischen RollAMA-Produkte sind Milch, Erdäpfel und Äpfel, die umsatzstärksten Schnittkäse, Schweine- und Rindfleisch sowie Schinken. Die Einkaufsfrequenz sinkt hingegen weiter:  2016 gingen die Konsumenten im Schnitt zehn Mal weniger pro Jahr einkaufen als 2001.

Aktionsanteil sinkt leicht

Die heimischen Konsumenten nutzen die Angebote der Supermärkte, wenngleich der Aktionsanteil insgesamt leicht abnimmt. 23 Prozent der Frischeprodukte werden gekauft, wenn es entsprechende Aktionen im Lebensmittelhandel gibt, besonders hoch ist der Aktionsanteil bei Fleisch (33%). Zugelegt haben hingegen die Diskonter. Ihr Marktanteil gegenüber den Supermärkten beträgt im Schnitt rund dreißig Prozent. Die Diskonter profitierten dabei vor allem vom Konkurs von Zielpunkt. Dadurch wächst auch die Handelskonzentration weiter. Die drei größten Unternehmen verzeichneten im vergangenen Jahr 88 Prozent der Einkäufe im LEH.

Megatrend Convenience

Alles, was beim Einkaufen und Zubereiten schnell und einfach geht, liegt im Trend. Aufgeschnittener Käse in der Selbstbedienung sowie kochfertiger Reibkäse gewinnen seit Jahren kontinuierlich weitere Marktanteile. Ganz ähnlich ist auch die Situation bei Wurst und Schinken, wo aufgeschnittene Ware boomt. Bei der Zubereitung zu Hause soll es ebenfalls schnell gehen. Fleischteile für die flotte Küche, wie Steak, Beiried oder Hühnerfleisch, haben seit dem Jahr 2011 überdurchschnittlich stark zugelegt.

Die Konsumenten greifen auch immer öfter zu vorbereitetem Gemüse. Diese Warengruppe konnte gegenüber 2015 mengenmäßig um mehr als sieben Prozent zulegen. Auch die längere Haltbarkeit von Milch empfinden die Konsumenten als praktisch. Das erklärt den Siegeszug der ESL-Milch. Jedes zweite im LEH eingekaufte Milchpackerl bleibt länger frisch. H-Milch konnte im vergangenen Jahr besonders zulegen. „Das liegt sicher an der starken Aktionierung dieser Warengruppe. H-Milch war 2016 so billig wie lange nicht“, erklärt Micaela Schantl, Marktforscherin der AMA. Die Preisdifferenz zwischen Frischmilch und ESL-Milch hat sich 2016 defacto egalisiert.

Bio und Heumilch legen zu

Im Joghurt-Segment setzt sich der Trend zum Naturjoghurt fort. Während vor sechs Jahren bei weitem mehr Fruchtjoghurt gekauft wurde, hat Naturjoghurt zwischenzeitlich aufgeholt. Jeder zweite Becher Joghurt wandert ohne Fruchtzubereitung über den Ladentisch. Eine Verdrängung herrscht auch bei den gelben Fetten. Butter erobert gegenüber Margarine jedes Jahr weitere Marktanteile und besetzte 2016 zwei Drittel des Streichfettmarktes.

2016 stiegen die Ausgaben für Bio-Lebensmittel weiter, in den letzten sechs Jahren um insgesamt 37 Prozent. 128 Euro gibt ein durchschnittlicher Haushalt pro Jahr für Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft aus. Doch nicht nur bei den Umsätzen, auch mengenmäßig legen biologische Lebensmitteln im LEH kontinuierlich zu – um plus 15 Prozent seit 2012. Auch die Heumilchprodukte werden immer beliebter. Etwas mehr als sieben Prozent aller 2016 im LEH eingekauften Milchprodukte wurden aus Heumilch hergestellt.

Immer öfter direkt vom Bauern

Die österreichischen Haushalte kaufen aber nicht nur im Supermarkt ein. „Regionalität und Transparenz in der Produktion und Herkunft schaffen Mehrwerte für die Konsumenten. Nirgends ist die Verbindung zwischen Lebensmittel und Herstellung enger als beim Einkauf direkt beim Bauern“, meint Michael Blass und erklärt damit die steigende Einkaufsfrequenz ab Hof. 2016 gaben die Haushalte um fünfzig Prozent mehr beim Bauern aus als vor sechs Jahren. 26 Prozent der RollAMA-Haushalte kaufen mindestens einmal pro Jahr am Bauernmarkt oder im Hofladen ein. Eier werden am häufigsten direkt beim Landwirt bezogen. Diese Warengruppe macht auch wertmäßig den größten Umsatz aus. Einen ebenfalls hohen Anteil in der Direktvermarktung verzeichnet Milch mit zwölf Prozent.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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