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Der Nestlé-Konzern hat 2016 einen Reingewinn von 8,9 Mrd. Franken (8,32 Mrd. Euro) erwirtschaftet

Nestlé schließt Werk in Linz bis März 2018

08.03.2017

Nestlé Österreich kündigte an die Produktionsstätte in Linz bis März 2018 still zu legen. Das 1879 eröffnete Werk hat zuletzt jährlich rund 6.000 Tonnen Lebensmittel produziert. Von der Schließung sind 127 Mitarbeiter betroffen.

Nestle will bis März 2018 seinen Produktionsstandort in Linz stilllegen. Das hat das Unternehmen am 7. März 2017 angekündigt. Nestle begründete die Schließung damit, dass das Werk seit Jahren mit "Nachfrage-und Produktionsrückgängen aufgrund geänderter Konsumtrends" konfrontiert sei. Daher habe man sich "im Zuge der laufenden Evaluierung des Produkt- und Marken-Portfolios" zur Stilllegung entschlossen. An dem 1879 eröffneten Standort wurden zuletzt pro Jahr rund 6.000 Tonnen Lebensmittel produziert.

Individuelle Lösungen für alle Betroffenen

Die 127 Personen umfassende Belegschaft wurde am Dienstag (7. März 2017) informiert. "Es war unsere Intention schon sehr frühzeitig unsere Absicht zu kommunizieren, damit wir uns die Zeit nehmen können, individuelle Lösungen für unsere Mitarbeiter zu erarbeiten", so Fabrice Favero, Geschäftsführer von Nestle Österreich. Man wolle nun "sozial verträgliche Lösungen" erarbeiten.

Die Gewerkschaft forderte umgehend einen Sozialplan für die betroffenen Arbeitnehmer. "Nestle hat im Jahr 2016 einen Reingewinn von 8,9 Mrd. Franken (8,32 Mrd. Euro) erwirtschaftet und angekündigt die Dividende für Aktionäre zu erhöhen", kritisierte PRO-GE-Branchensekretär Gerhard Riess in einer Presseaussendung. "Anscheinend erwirtschaftet Nestle seine Profite auf dem Rücken der Arbeitnehmer." Denn gleichzeitig sei im Februar ein Sparprogramm mit einem Volumen von 500 Mio. Schweizer Franken angekündigt worden. Anstatt dass man bei Managergehältern spare, seien die Arbeiter und Arbeiterinnen die Leidtragenden, so Riess.

Wie die Gewerkschaft kritisierte auch Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer, dass Nestlé "ein florierender Konzern" sei, aber statt bei Managergehältern lieber bei den Arbeitnehmern sparen würde. Ähnlich der Tenor von Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ). Er kritisierte, dass die von den Arbeitnehmern erwirtschafteten hohen Gewinn an die ausländischen Mutterunternehmen ausgeschüttet und dann die Beschäftigten in Österreich abgebaut werden. Er rechnete vor, dass für die Nestlé Österreich GmbH 2015 insgesamt ein Bilanzgewinn in Höhe von 4.761.509 Euro und 94 Cent ausgewiesen wurde. Aus diesem Gewinn hätten sich die Schweizer Eigentümer mit Beschluss vom 20. Juli 2016 eine Dividende in Höhe von 4.761.000 Euro "genehmigt". Die restlichen 509,94 Euro seien im Unternehmen belassen worden.

Standort Österreich hat hohen Stellenwert

Noch am Tag der Ankündigung hat Wirtschaftslandesrat Michael Strugl zu einem Runden Tisch geladen, an dem Vertreter des Unternehmens, des Betriebsrates, der Gewerkschaft, des AMS und der Linzer Bürgermeister Klaus Luger teilnahmen. "Dabei wurde festgelegt, dass im Rahmen eines Sozialplans für die Belegschaft eine Unternehmensstiftung zur Weiterqualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingerichtet werden soll, die von Nestle, dem Land OÖ und dem AMS OÖ finanziert wird", kündigte Strugl an. Weiters habe das Unternehmen zugesichert, für alle Betroffenen individuelle Lösungen anzubieten, so der Landesrat.

Nestle betonte, der Standort Österreich habe "nach wie vor einen ausgesprochen hohen Stellenwert" für das Unternehmen. Derzeit beschäftige der Konzern, der u.a. Marken wie Kitkat, Maggi oder Nescafe herstellt, rund 1.000 Mitarbeiter an 16 Standorten bundesweit. (apa/ar)

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